Die schönsten Operetten-Nummern auf einen Blick

Nach der Liste der schönsten Volkslieder und Schlager/Gassenhauer, beschließt nun die Liste der schönsten Operettenlieder die Triade. Auch wenn, wie bereits in anderen Lilsten bemerkt, die Abgrenzung von Operettenliedern zu Schlagern und Volksliedern zum Teil kaum möglich ist, so hat die Operette doch ihren ganz eigenen Charme. Viele sehen sie vor allem als kitschig oder immerhin naiv an, musikalisch unavanciert und was dergleichen mehr ist. Aber hier verhält es sich im Grunde wie mit den populären Stücken der klassischen Musik überhaupt: Nur weil etwas besonders eingängig und (zumindest vor 100 Jahren) bei der breiten Masse beliebt war, heißt das noch nicht, daß es dem feineren Geist ein Dorn im Auge sein muß.

Im Gegenteil: Von wahrer Reife spricht nur derjenige Kunstgeschmack, der über solche Pseudo-Distiguiertheit hinaus ist und die Werke nimmt, wie sie sind, gerecht behandelt und zu genießen weiß, wenn sie denn Genuß zu bringen vermögen. Ja, und wenn man die Operettenmelodien hernimmt, wie sie sind, dann handelt es sich eben um großartige Kompositionen, die sehr wohl den größten Genuß bieten. Freilich nicht, was hochgeschraubte Tonartsprünge und auserwählte Instrumentationen angeht. Aber im Hinblick auf schöne Melodien haben die Komponisten des ausgehenden 19.  und beginnenden 20. Jahrhunderts hier eine unvergleichliche Arbeit geleistet.

Selbst die Libretti der oft sicher im Vergleich zur Oper etwas seichten Geschichten sind zuweilen – wiederum wenn man sie ernst nimmt und nicht von vorn herein verwirft – recht schön und manchmal durchaus tiefgründig. Wenn wir sie nicht gerade mit Wagner vergleichen, können sie sogar ohne weiteres opernhafte Dramatik erreichen. Daß es sich dennoch meist um die eher leichte Unterhaltung handelt, will ich damit gar nicht bestreiten. Aber alle Kunst soll doch wohl unterhalten und ist zu diesem Zwecke gemacht.

Es handelt sich bei den Operetten eben wahrhaft nur um die kleinen Opern und sie sollten auch so behandelt werden. Daß sogar einige der großen Tenöre des 20. Jahrhunderts die Lage der Operette genauso sahen, erkennen Sie an den nun folgenden, großen Interpreten. Ernsthafte Kammersolisten und Opernsänger steigen hinab – ja eigentlich steigen sie eben nicht hinab – in die Welt der Operette. Und das allein sollte Beweis genug sein, daß hier prätentiöse Haltung unangebracht ist.

Ich bin mir allerdings sicher, daß ich einiges vergessen habe, freue mich daher besonders auf Ergänzungen:

Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt (Der Bettelstudent: Millöcker / Walzel/Genée 1882) Georg Stern / Kurt Bohme / Kusche / Prey / Wewel

Dein ist mein ganzes Herz (Land des Lächelns: Lehar / Herzer/Löhna-Beda 1929) Rudolf Schock / Carreras

Du bist der Traum (Der Traumexpreß: Robert Katscher / Herczeg/Farkas/Grünbaum 1931) Georg Kober

Ein Walzer zu zweien (Monika: Dostal / Hermecke 1937) Wunderlich/Sailer

Es muß was wunderbares sein (Im weißen Rößl: Benatzsky / Gilbert 1930) Karl Terkal/Lotte Rysanek

Es steht ein Soldat am Wolgastrand (Der Zarewitsch: Lehár / Jenbach/Reichert 1927) Schock / Wunderlich

Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht (Die Czardasfürstin: Kálman / Stein, Jenbach 1915) Ferry Gruber

Glücklich ist, wer vergißt (Die Fledermaus: Strauß / Haffner/Genée 1874) Duett

Hochzeitskuchen, bitte zu versuchen (Zigeunerbaron: Strauß / Schnitzer 1885) Chor

Ich bin die Christl von der Post (Der Vogelhändler: Zeller / West/Held 1891) Lucia Popp (sehr schnell) / Erna Sack / Holm

Ich bin nur ein armer Wandergesell / Gute Nacht, liebes Mädel, gut Nacht (Der Vetter aus Dingsda: Künneke /  Haller/Oliven 1921) Schock

Ich hab kein Geld bin vogelfrei (Der Bettelstudent: Millöcker / Walzel/Genée 1882) Schock

Ich knüpfte manche zarte Bande (Der Bettelstudent: Millöcker / Walzel/Genée 1882) Schock / Clear

Ja, das Schreiben und das Lesen (Der Zigeunerbaron: Strauß / Schnitzer 1885) Georg Hann / Schasching / Kunz / Benno Kusche

Komm mit nach Varaschdin (Gräfin Mariza: Kálmán / Brammer/Grünwald 1924) Willy Hofman/Gretel Hartung / Kurt Equiluz / Alexander/Hallstein

Lieber Freund, man greift nicht nach den Sternen (Der Graf von Luxemburg: Lehár / Bodanzky/Stein/Willner 1909) Schock/Köth / Alpar/Groh

Machen wir’s den Schwalben nach (Die Czardasfürstin: Kálman / Stein, Jenbach 1915) Rothenberger/Schock

Mädchen gibt es wunderfeine (Die Czardasfürstin: Kálman / Stein, Jenbach 1915) Rene Kollo/Anna Moffo

Mädel klein, Mädel fein (Der Graf von Luxemburg: Lehár / Bodanzky/Stein/Willner 1909) Tonfilm von 1910 / Hoppe/Pütz

Mein Liebeslied muß ein Walzer sein (Im weißen Rößl: Benatzsky / Gilbert 1930) Rothenberg / Simon

Wie mein Ahnerl zwanzig Jahr (Der Vogelhändler: Zeller / West/Held 1891) Minich / Wunderlich / Schock

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5 Gedanken zu “Die schönsten Operetten-Nummern auf einen Blick

  1. Pingback: Die schönsten Gassenhauer auf einen Blick – Die Reisen des wunderlichen Herrn Wangenheim

  2. Pingback: Die schönsten Volkslieder auf einen Blick – Die Reisen des wunderlichen Herrn Wangenheim

  3. robert dkfm. glinig

    lieber thomas,
    ich finde das so wunderschön, daß du da auch emmerich kalman dabei hast, wie gräfin maiza und die csardasfürstin, v.gr., robert, enkel der amanda v.wangenheim

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  4. Pingback: Kleine Einführung in die sog. klassische Musik . Teil 1 – Die Reisen des wunderlichen Herrn Wangenheim

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