Altenburger Zimmerfluchten, Flucht vorm Waldbesitzer und sonstige flüchtige Eindrücke

Schon das zweite Wochenende in Folge hatte ich nun Zeit, ich hatte die Strecke vollständig im Kopf, mir war nach einer großen Fahrt und – ich hatte Ischias! Daher mußten dreißig Kilometer – also eine Runde vor der Haustür – reichen. Und Sie ahnen es: Selbst daraus kann der Wangenheim wieder vom Hundertsten ins Tausendste kommen! Richtig geraten.

Hier gab es neben auch ein paar unbekannten Abschnitten endlich einmal Gelegenheit, die Lieblingsstellen trotz ihrer Selbstverständlichkeit zu fotografieren. So auch eine Gefällestrecke (für meine Richtung ein Anstieg), die noch altmodisch gepflastert ist. Übrigens weiß ich nicht, ob die Gewohnheit, ansteigende Straßen zu Pflastern noch aus der Fuhrwerkszeit herrührt, als der grobe Untergrund den Hufen der Zugtiere mehr halt gab oder ob man auf diesen Trichter erst durch das Kraftfahrzeug kam, das auf einer verschneiten Pflasterstraße vermutlich auch mehr halt findet als auf schneeig-glattem Asphalt.

Das zweite scheint vielleicht zunächst abwegig, wird allerdings dadurch bestätigt, daß man selbst Autobahnanstiege in den 30er-Jahren pflasterte. So war der Geraer Berg, also der Autobahnberg aus der Stadt hinaus Richtung Westen noch zu DDR-Zeiten mit dem alten Kleinpflaster versehen. Vielleicht aber ist sowohl das Fuhrwerk als auch das Automobil auf Pflasteranstiegen sicherer unterwegs und es gibt hier gar nichts zu entscheiden. Heute weiß man drgl. ja nicht mehr, da überall derart viel Salz gestreut wird, daß die Fahrzeuge 1. nicht mehr auf Schnee fahren müssen und 2. uns allen trotz starken Rostschutzes die Maschinen regelmäßig unter dem Hintern wegrosten. Übrigens könnte man auch annehmen, daß es gar nichts mit Haftung, sondern einzig mit der Fahrbahnintegrität zu tun hat, daß also das Pflaster lediglich am Berg ausgeführt wurde, wo bei starkem Regen die früher nur wassergebundenen Staubdecken schnell ausgewaschen worden wären, und lediglich im Nachhinein die ungepflasterten Abschnitte mit Asphalt versehen wurden, die Pflasterabschnitte aber blieben. Autobahnen waren jedoch niemals Staubstraßen, sie zeigen das Phänomen aber ebenfalls. Es bleibt also die Frage bestehen.

Zurück zur Fahrt. Freilich wollte auch hier eine verbotene Straße genommen werden, die ich für helmlose Vorbeifahrten nutze – nur damit hier angenehm obsolete Fotos den Text untermalen. Ein ausgenommen seltenes Schild führte dann in den nächsten Ort: Schrittgeschwindigkeit – Starke Staubentwicklung! Und in der Tat, so ein reiner Staubweg kann mächtige Wolken bilden, die dann über die Ortschaften ziehen. So war das vor der allgemeinen Pflasterung der Straßen: Man haßte die Autofahrer.

Der letzte Abweg auf dieser kleinen Morgenrunde betraf lediglich einen kurzen Wald- und Feldwegsabschnitt, der aber Gelegenheit gab, noch von einer besonderen Gattung Mensch zu sprechen, nämlich dem von mir schon lang erwarteten, ungehaltenen Geländewagen-Waldbesitzer auf einer gesperrten Straße – und wie man mit derartigen Charakteren umgeht. Ich traf auf ein solches Exemplar, als ich eine der schwersten Orientierungsübungen für Kradler wie mich zu absolvieren hatte: Finde aus einem städtischen Gewirr heraus eine ganz gewisse, kleine Ausfallstraße.

Dazu befragte ich – obgleich schlechte Erfahrungen dabei keine Mangelware sind – eine Passantin. Das geht nie gut. Auch diesmal ging es das nicht. D.h. ich muß mich korrigieren, bei der letzten Fahrt, von der ich gar nicht berichtet habe, nämlich einem Museumsbesuch in Altenburg, habe ich auf der Rückfahrt im wirklich herrlichen Niemandsland der Kleinstdörfer im Altenburger Land eine junge Mutter mit einem kleinen Jungen nach dem Weg befragt. Während der Kleine, der mir für dies Alter sehr manierlich, nachdem er beim Umfahren meines Krads vom Fahrrad fiel, meinen aus Versehen bei der Kartenkonsultation heruntergeglittenen Handschuh heraufreichte, habe ich von seiner Mutter tatsächlich eine korrekte Richtungsweisung erhalten. Immerhin!

Aber habe ich denn überhaupt schon von dieser Fahrt nach Altenburg berichtet? Nein! Ich wollte endlich einmal das Museum in dem mächtig über der Stadt thronenden Residenzschloß sehen. Vorweg: Eine stimmige Einrichtung der Fürstengemächer gab es nicht, eher einzelne Exponate, die in den Zimmerfluchten aufgereiht waren. Dafür aber nette Jugendstildetails in den Korridoren und die Erkenntnis, daß es Dinge gibt, die seit hunderten Jahren evolvieren und doch heute (ja, heute!) ihre höchste Ausformung erhalten habe. Klingt in unserer Verfallszeit merkwürdig, ist aber so. Ich meine die Altenburger Spielkarten, deutsches Blatt. Allein schon die Ober und Unter sind eine Augenweide – halb historisch, halb schmunzelnd, fein ausgeführt und offenbar ein Entwurf aus den 80er-Jahren. Leider habe ich den Namen des Gestalters nicht wiedergefunden. Aufgrund des freilich noch geschützten Entwurfes sind Fotos rar. Kaufen Sie sich einfach mal ein Blatt, falls Sie keines haben.

Von der Hinfahrt hatte ich ganz ausschnittsweise bereits zuletzt berichtet als es um fußwegfreie Pflasterdorfstraßen aus dem dunklen Blaubasalt als typische DDR-Erinnerungen ging, da ich Röpsen durchfuhr. Davon fehlt leider eine Fotografie. Es fällt manchmal schwer, den Genuß des Hinweggleitens über historisch seltene Stellen durch Anhalten zu unterbrechen. Aber kurz vor dem Ort habe ich auf der Landstraße angehalten und den Apparat gezückt.

Nachdem ich also Schloßmuseum, Leichenzugsonderausstellung und Spielkartenkabinett gesehen hatte, mußte ich aus der Stadt wieder herausfinden. Dort kam mir nun in vergrößerter Form das gleiche Problem entgegen, das mich auf meiner Kurzausfahrt wieder einholen sollte: Finde aus einer Innenstadt heraus eine kleine Ausfallstraße. Zugegeben, am hiesigen Sonntagmorgen und der Kurzfahrt handelte es sich gerade einmal um ein größeres Dorf, das unter ungeklärten Umständen einen arg begrenzten städtischen Charakter seiner innersten Architektur erhalten hatte – genauer gesagt, so ungeklärt nicht, sondern im Zuge der Gründerjahre und einer kleinen, aber stark aufstrebenden Teppichfabrikation, die sich in mehreren Fabriken im Ort angesiedelt hatte. Jedenfalls war auch hier das Herausfinden auf einem Feldweg schwierig. Dazu, und welche Begegnungen sich dabei ergaben, gleich mehr.

Aus Altenburg, das ja nun immerhin als alte Residenzstadt mit Theater, Schloß und endlosen Einbahnstraßen brillieren kann, war dagegen bereits ein Problem, die alte Schmöllnsche Landstraße von vor 20 Jahren im Kreuzungswirrwarr zu treffen. Denn der Irrsinn großräumigen Straßenausbaus hatte auch dort meine ebenfalls 20 Jahre alte Karte völlig überholt. Schmölln war nun ganz anders ausgeschildert, nämlich über eine autobahnähnlich ausgebaute B7, die in weitem Bogen um die Stadt führt. Glücklicherweise fand ich schon nach wenigen hundert Metern herunter und die alte Straße wieder, von der ab ich die noch kleineren Ortsverbindungen leicht erreichen konnte. Die alte Stadtausfahrt aber hatte ich damit verpaßt. Da habe ich heimlich unter meinem Helm tüchtig auf die unsäglichen Straßenbauämter geschimpft. Hornochsen, saudumme! : )

Wie schon auf der völlig einsamen Hinfahrt tuckerte ich nun auf den in Laufrichtung gespannten Hügelrücken des Altenburger Landes dahin. Das ist nicht nur für einen Talbewohner besonders erhaben, wenn die Welt links und rechts geschmeidig herabfällt – wenngleich hier lediglich eine Hochebene von Flußtälern durchzogen ist und daher die Ferne recht eben wirkt –, besonders angenehm war in diesem langen Dahingleiten das ständige Geradeaus, ohne Kartenkonsultation und Verfahren. Denn die gesperrten Anwohnerstraßen bildeten wirklich einen geraden Zug über die Höhenlinien und querten lediglich hier und da gewöhnliche Landstraßen. Auch das ist ein großartiges Gefühl: Auf einer kleineren Straße eine große queren, also nicht einbiegen, wie jedermann, sondern weiter dem Wagnis folgend: kleine Glückmomente des abseitigen Fahrens.  

Ich wollte immer schon einmal wieder in diese Gegend, deren Charakter mir nur ganz beiläufig auf einigen abwegigen Kilometern bekannt geworden war, als ich zu meiner Studienzeit einen Kommilitonen allhier besuchte und ich mich etwas verfuhr. Zum einen war ich von der Verlorenheit des Landstriches bewegt – jenes Gefühl der großen Ferne von Städten und allbekannten Blicken durch eine Vielzahl von kleinen Hügeln, Tälern usw. bei allerdings recht geringen Höhenunterschieden, sodaß man trotz Fehlens jener Thüringerwald-Urigkeiten, die man oft genug mit sehr wenigen und daher allzu befahrenen Straßen bezahlen muß, nie recht weiß, wo man ist, und aufgrund der vielen kleinen Straßen und Orte wahrscheinlich auch als Ortskundiger in Schwierigkeiten geraten kann, sobald man auch nur ein wenig fort kommt.

Vor allem aber sieht das enge Straßengewirr auf meiner Landkarte verlockend aus. Das begreift natürlich nur der Kartenliebhaber, der kein Kartenwerk ansehen kann, ohne eine gewisse Landschaft oder Idylle daraus zu imaginieren. Freilich sieht es am Ende, d.h. am Ort meist ganz anders aus als man dachte, wenngleich nicht enttäuschend, sondern ganz andere Liebenswürdigkeiten eröffnend, die aus der Karte so nicht zu schließen waren oder doch nur im nachhinein begreiflich werden. Schließlich wäre es ja auch geradezu armselig, wenn man allein mit einer Karte den Eindruck einer Fahrt erlangen könnte.

Obwohl ich zugegeben in jüngeren Jahren mit Ravensteins Autoführer durch Deutschland (1927) an dunklen Winterabenden ganze Deutschlandtouren mit dem historischen Wegweiser und meiner 1:150.000er Karte gemacht habe. Heute habe ich die Muse dazu scheinbar nicht mehr, und doch reizt es mich, noch einmal den Ravensteiner oder Baedekers Autoführer dafür zu bemühen. Man braucht über die Jahre nur eine anständige Zahl an alten Fotografien und eigens erlebter historischer Ansichten memoriert zu haben, um aus den liebevollen Beschreibungen der alten Autoführer und den Karteneindrücken einen realistischen Fahreindruck – bar jeder Verschandelung – zu erdenken.

Zurück ins Altenburger Land: Nicht daß diese Straßendichte auf dem Atlas deutschlandweit gesehen allzuselten wäre, aber in meiner Gegend doch schon. Auch die Kleinheit der Dörfer ist nicht außergewöhnlich. Aber so ein Kreuzungs-Wirrwarr behält sich doch vor, interessanter zu sein als eine einzelne Straße durch ein kilometerlanges Tal, die allerhöchstens ein paar Abzweige kennt, deren Ziel durch weitere Täler weitgehend vorbestimmt ist. Allerdings war nach dem kilometerlangen Geradeaus irgendwann auch diese Eleganz der Fortbewegung dahin und ich geriet – vornehmlich wegen anhaltender Staubstraßen – ins Grübeln, ob ich noch richtig sei.

Im sehr abgelegenen Prehna traf ich schließlich am Ortsrand jene junge Mutter mit radfahrendem kleinen Jungen, die mir gute Auskunft gab. Dennoch kam es wenig später zu einer ganz ungewöhnlichen Ehrenrunde von etlichen Ortschaften, da ich in der nunmehrigen Abwesenheit der Sonne und dem fröhlichen Dahinrauschen in sorgloser Geradeaus-Orientierung etwas übers Ziel hinausgeschossen war.

Wieder gefangen machte ich in drei aufeinanderfolgenden Ortschaften einmal mehr eine außergewöhnliche und anrührende historische Entdeckung: Die Baumkreuzung. In Dobra und Hartroda war ich bereits sehr langsam geworden, um die Vorbeifahrt an jenen Schönheiten besonders zu genießen: Denn die Abzweige und eigentlich gleichberechtigten Dreistraßenkreuzungen bekamen den idyllischen Zusatz, inmitten auf dem Kreuzungsstern einen vorzüglich alten Baum, eine Linde oder eine Eiche zu besitzen, von etwas Gras umwachsen und im Idealfall die kleine, gelbe Ausschilderung der kommenden Orte tragend. Auch das ist eine sonderbare Gefühlswelt, die durch solche tief nach neunzehntem Jahrhundert riechenden Ortslagen heraufbeschworen wird. Erst als in Baldenhain die dritte dieser Kreuzzungen – die größte vom Ausmaß her – auftauchte, hielt ich schließlich an, um wenigstens ein Foto zu haben. In Dobra war die Anmutung aber am schönsten.

Ich habe aus ganz gewissen Gründen zuvor – wie so oft – nicht angehalten. Denn eigentlich will ich drgl. gar nicht fotografieren. Freilich, ich möchte zur Erinnerung Fotos schießen, auch für den Blog, aber im Grunde schmälert es das Erlebnis. Denn das wird erst lebendig und frei, wenn man diese Momente einfach in der langsamen und bedächtigen, aber nicht dokumentierenden Vorbeifahrt genießen kann. Anzuhalten macht erstens ja das Erlebnis der bewegenden Durchfahrt zunichte, zweitens aber untergräbt es auch das historische Gefühl, das gerade darin besteht, hier mit einer absoluten Selbstverständlichkeit, still genießend vorbeizufahren.

Außerdem hat ja jede Fotografie – so sehr wir ihrer auch historisch bedürfen und sie alle zu schätzen wissen – etwas Vulgäres an sich. Das Persönlichkeitsrecht trägt dieser Tatsache Rechnung, indem man nicht einfach Menschen fotografieren darf. Dasselbe gilt aber im Grunde auch für die Integrität von Ortschaften, deren Ablichten ja ebenfalls in das Heimatliche der Menschen eingreift. Kurz: Ich mache es aus der Notwenigkeit heraus. Auch weil solche Stellen ja noch immer von Neubauprojekten überplaniert werden. Obwohl man hier hoffen darf, daß die Gegend arm genug bleiben wird, auf daß drgl. erhalten werde, aber nicht so arm, daß die vielen verfallenen Höfe zusammenbrechen.

Schließlich bewegte ich mich auch zunehmend in einen gewittrigen Himmel hinein, was gerade auf dem Motorrad seinen besonderen Reiz hat, sofern man dem Regen letztlich auszuweichen versteht – was mir auch fast ganz gelang. Ein letzter Abweg vor Gera wollte mir zudem noch eine Watfahrt durch eine tiefe, lange Pfütze eines Feldweges aufzwängen, was ich aber mit einem weiten Bogen über nur leicht nachgebenden Acker zu umkreiseln wußte. Viel nasser und huckeliger hätte es aber mit meinen Straßenreifen nicht werden dürfen. Schwung ist alles!

Aber, meine Damen und Herren, jetzt habe ich doch tatsächlich unseren Waldbesitzer vergessen! Nun, sagen wir Dammwildbesitzer im Wald. Sie erinnern sich? Ich hatte nicht nur aus Altenburg falsch herausgefunden, um die alte Landstraße zu treffen, sondern auch – wie oben bereits bemerkt – aus einem in Ansätzen städtischen Dorf mit Teppichfabrikation den Feld- und Waldweg im ersten Anlauf verpaßt. Und wie es so zu geschehen pflegt, folgte irgendwann das altmodische Schild mit dem lachenden Auto und dem geduckten Kradler: Für Kraftfahrzeuge und Motorräder gesperrt. Ich torkelte noch durch eine enge Absperrung, die vermutlich nur Radfahrer durchlassen sollte und kam schließlich – sehr zweifelnd, ob ich auf dem rechten Weg sei – auf eine Lichtung, die von einem Geländewagen versperrt war. D.h. man wäre vorbeigekommen. Ich sah aber bereits den Fahrer über seinen Dammswildzaun mit Radfahrern reden und beim Gewahren meiner Ankunft von diesen ablassend und sich zu mir wenden.

Nun roch ich natürlich diesen Typus sofort und kam ihm, der meinem Treiben offenbar einen Riegel vorzuschieben und seinen Radfahrerfreunden jenes Exempel statuierenderweise vorzuführen beabsichtige, überrumpelnd entgegen. Ich hielt stracks, schaltete den Motor ab, stieg behende vom Krad, lief an den Zaun, wo er auch bereits angekommen war und rief, wie so oft, aber besonders laut und vorherrschend – zugleich die verneinende Antwort bereits antizipierend: Sie werden entschuldigen, ich bin wohl falsch, ich suche den Weg nach Sowieso!

Noch bevor er seine Strafrede beginnen konnte – in der Tat hatte er etwas von „gesperrt“ in meine Ansprache eingestreut – wurde er zu seinem Leidwesen von meiner bestimmten, aber freundlichen Frage einfach nicht ins Gespräch eingelassen, womit ihm alle Initiative aus der Hand genommen ward. Und jenes Exempel, das er zweifelsohne vorhatte seinen Zuschauern und sich selbst, vor allem aber mir zu geben, war in nichts verpufft. Man muß eben wissen, wie man drgl. Kollegen handhabt. Er antwortete also, nein, da müsse ich wieder zurück und im Ort gehe es rechts ab. Ohne ihm weitere Ausführungen zu ermöglichen, fiel ich ihm in seine Rede: Ja, die abfallende Straße hätte ich bereits gewahrt und wisse nun dankenswerterweise wo es hingehe.

Nun ließ sich für ihn diese Auskunft ja in gewisser Weise an wie jener Befehl, den er mir eigentlich zu erteilen beabsichtigte, nämlich wieder zurückzufahren. Dennoch war es wohl bei weitem nicht befriedigend genug, zumal er Zuschauer hatte! Obgleich die Sache also bereits erledigt war, gab er immerhin kleinlaut – als ich mich bereits zum Krad zurückgewendet hatte – noch den merkwürdig von meiner freundlichen Fragerei besänftigten, allgemein formulierten Hinweis, hier doch bitte nicht wieder entlang zu kommen, es sei nämlich gesperrt, und er möge soetwas nicht.

Kurz überlegte ich, ob ich antworten sollte, daß ich gesperrte Straßen auch nicht sonderlich leiden könne, verkniff mir aber den etwas bösen Scherz und sagte stattdessen: Dafür sei es mir hier doch zu unschön. Das hatte ihm zwar nun auch seine letzte Bemerkung abgeschnitten, aber diese war ja auch allzu überflüssig gewesen. Und in der Tat war hier nichts Schönes. Den richtigen Weg, den ich darauffolgend wirklich fand, war wesentlich angenehmer, landschaftlich und belagsmäßig – Belag im Wald… also Sie verstehen, schön glatter Dreckweg ohne Schlaglöcher.

Freilich, hätte ich an besagter Stelle tatsächlich durchgewollt, so hätte ich klein beigeben müssen. Schlicht deshalb, weil so wenig Platz zum Vorbeifahren war, daß er oder die Radfahrer mir den Weg hätten leicht versperren können. Ich hätte mich also notgedrungen mit einem Hinweis auf seine Engstirnigkeit verabschieden müssen. Vielleicht auch damit, daß er selbst gut daran täte, hierher zu laufen, statt mir seinem Geländemonstrum vorzufahren. Aber so war der kurze Austausch doch in eine lustige Perplexität gemündet.

Nun blieb mir die Leichtigkeit, lustig meine letzten Kilometer abrollend darüber nachzusinnen, wie man dergleichen Strecken zwischen Gleichgesinnten austauschen könne. Ich gab jedoch den Gedanken an eine vereins- oder forumsmäßige Sammlung von besonders historischen Nebensträßchen – auf einer Übersichtskarte vereint – aufgrund der Einsicht auf, daß: Ohne Fleiß, kein Preis.

*

4 Gedanken zu “Altenburger Zimmerfluchten, Flucht vorm Waldbesitzer und sonstige flüchtige Eindrücke

  1. Rico Kiel

    Interessant auch, wie sich im Bildverweis des über Altenburg thronenden verwahrlosten Residenzschloßes im Hintergrund trutzig der weiße Silobau des Altenburger Kraftfutterwerkes erhebt. Es scheint wie eine Machtdemonstration heutig börsennotierten Agrarmonopols über niedergerungene kaiserliche Aristokratie.

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