Pflasterstraßen in Thüringen, Brandenburg und dem Rest Ostdeutschlands . Ein wunderliches Steckenpferd für Nostalgiker

Ein gängiger Spruch zu DDR-Zeiten war: Wär ich doch ein Pflasterstein, dann könnt ich bald im Westen sein. Denn in den 80er-Jahren war die Valuta-Not der DDR so schlimm, daß man anfing Pflasterstraßen abzutragen und für Westmark dem Klassenfeind zu verkaufen, der seine Altstädte nach der Betonmanie der 70er-Jahre wieder etwas wohnlicher gestalten wollte – und zwar mit billigem Pflaster aus der DDR.

Das Ausmaß des Rückbaus dürfte aber gering gewesen sein, vergleicht man es mit dem umfassenden Zerstörungswerk des Straßenneubaus nach der Wende. Am Beispiel des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin (Seite 6 und 8 des Dokuments) zeigt sich, daß zwischen 1990 und 2003 auf einem Areal von nur etwa 30 x 30 Kilometern ganze 86 km Pflasterstraße zerstört wurden.

Auch in solchen Dingen liegt ein Großteil der sog. Ostalgie. Da geht es häufig genug nicht um spezifisch zur DDR Gehörendes, das verloren ging, sondern Dinge, die in der DDR aus Geldmangel, d.h. erzwungener Nachhaltigkeit, aus der Vorkriegszeit und dem 19. Jahrhundert bestehen blieben, die aber die Geldschwemme des Westens in ihrer Gleichmacherei zerstört hat und auch weiterhin zerstört, bis zur gesichtslosen, westeuropäischen Vereinheitlichung. Dazu gehören im Bereich des Kraftfahrwesens übrigens auch die unzähligen kleinen Vorkriegs-Tankstellen, deren Überbleibsel, nämlich die kleinen Überdachungen für ein oder zwei Zapfsäulen, die früher alle paar Dörfer zu sehen waren, mittlerweise fast durchgängig abgetragen und verschwunden sind. Zu DDR-Zeiten bekam man dort – mindestens auf Nachfrage – immer noch ganz selbstverständlich Sprit.

Ich war noch nie in der Schorfheide, leider. Ich bräuchte mit dem Krad schon drei volle Fahrtage, um hinzukommen – und so oft hintereinander würde mir das Fahren vermutlich gar keine Freude machen. Aber wie es der Zufall will, wurde 1981 ein kleiner Werbefilm für den Wartburg 353 in besagter Gegend gedreht und zeigt eine typische gepflasterte DDR-Ortsdurchfahrt.

Zwar gibt es eine solche Aufstellung der verlorenen Pflasterstraßen von anderen Gegenden wahrscheinlich nicht, dennoch darf man erfahrungsgemäß eine ähnliche Entwicklung für Thüringen, Sachsen, Anhalt und auch Mecklenburg annehmen. Ich selbst kann mich an solche Szenen natürlich massenhaft aus meiner Kindheit erinnern. Gelegentlich durchfährt man heute aber tatsächlich einen Ort, der diesen alten Charme noch hat. Zuletzt entsinne ich mich eines solchen granitdunklen und gewölbten, bis an die Häuser reichenden Pflaster-déjà-vu in Röpsen bei Gera, als ich nach Altenburg fahren wollte. Hatte ich davon schon erzählt? Werde ich nachholen.

Ich kann also dieses Bedauern einiger Brandenburger Enthusiasten leicht nachvollziehen. Denn wenngleich das Pflaster im Norden der DDR noch präsenter war – im Grunde sah es mehr oder weniger in der ganzen Republik so aus. Wenige Kilometer von dem Ort, an welchem ich diese Zeilen schreibe, war beispielsweise selbst in den 90er-Jahren noch ein starker Anstieg aus einem kleinen Dorf in Kindskopfpflaster ausgeführt, den ich damals häufig mit dem Fahrrad bezwang – eine unglaubliche Huckelei. Heute muß man zwanzig Kilometer fahren, um so eine Strecke noch zu erleben. Wir reden hier natürlich von Überlandstraßen. Denn selbst Großpflaster gibt es beispielsweise nicht nur in Dörfern, sondern sogar in Leipzig noch in so mancher Nebenstraße.

Das gleiche gilt für die alte Gewohnheit, daß statt der komischen Plastepylone, die heute jede Straße begleiten, die Bäume noch wie in der Vorkriegszeit – besonders in Kurven – mit weißen, hohen Rechtecken bestrichen wurde, den sogenannten Baumspiegeln, auch im Wartburg-Werbefilm zu sehen. In der DDR gab es dazu sogar eine TGL-Vorschrift (Punkt 2 des Dokuments). Ganz selten sieht man heute noch Farbreste an manchem alten Baum, wenn er nicht schon weiteren Straßenverbreiterungen zum Opfer gefallen ist. Straßenpylone gab es übrigens in der DDR ebenfalls, auch äußerlich sehr ähnlich, aber aus Beton. Freilich waren nur die verkehrsreichen Strecken damit bestanden. Die freie, von diesem Plastemüll verschonte Landstraßenansicht, ist heute praktisch ausgestorben.

Das ist mittlerweile natürlich alles aus sicherheitstechnischen Gründen anders. Allerdings war ja die Geschwindigkeit auf Landstraßen in der DDR auch auf 80 Stundenkilometer begrenzt. Und das ist freilich dem sog. Bürger mit seiner sog. Freiheit nicht zuzumuten.

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Das Ästhetische weicht dem Praktischen, möchte man meinen. Und doch gibt es Lichtblicke.

Selten dringt eine Fernsehempfehlung an mich heran. Man weiß, daß der Wangenheim gleich abwinkt. Und wenn es geschieht, dann hat es sich jemand genau überlegt. So wie in diesem Fall. Ich sollte „Meyer-Burckhardts Zeitreisen“ ansehen. Der sei mit alten Baedekern unterwegs. Gut – da scheint jemand Stil zu haben, dachte ich. Und in der Tat, was man da seit zwei Folgen sehen kann, erinnert mich recht häufig an meine eigenen Fahrten.

Meyer-Burckhardt, der wohl ein bekannter Fernsehmoderator ist, hat sogar die richtige Attitüde dazu – auch wenn er etwas wunderlich bei jeder Begegnung mit einem Fremden zunächst als Begrüßung seinen doch recht umständlichen Namen aufsagt. Aber das hat wahrscheinlich damit zu tun, daß die Leute den Herrn und Namen durchweg kennen. Der Mann geht eifrig vor, zieht die richtigen, vernünftigen Schlüsse, wenn etwas im historischen Baedeker ulkig-falsch oder zu fehlen scheint. D.h. er geht mit Herzblut und gutem Willen heran. Das ist heute selten, wenn es um die Vergangenheit geht, hier das Jahr 1914 und die Kaiserzeit. Ganz bleibt der Bauchschmerz gegenüber dem historischen Gemüt zwar nicht aus, aber für unsere üblichen Verhältnisse hält es sich in Grenzen.

Auch ist die Idee nicht ganz neu für‘s Fernsehen, denn es gab – leider nie wiederholt – jene „Mit Baedeker durch Deutschland“-Reihe, welche die Recherche der in den 20er-Jahren neuen, detaillierteren Regional-Baedeker nachzeichnet, indem sie dem Redakteur Moll, der diese wesentlich verfaßt hat, nachspielenderweise auf der Spur ist – in Knickerbockern und auf einem alten Motorrad durch die Gegend knatternd.

Ha! Da ist es, das Krad. Nein, das wollte keine Überleitung werden. Vielmehr wollte ich sagen: Es gibt also dieses historische Interesse noch, oder vielleicht sogar verstärkt wieder. Das freut mich und es läßt auf mehr hoffen!

Zugleich aber habe ich auf meiner letzten Kleinstrunde, die wegen eines zunächst recht ausgewachsenen Ischias, der seit zwei Wochen nicht ganz weggehen will, wirklich nur 30 Kilometer lang und daher hochkontemplativ langsam war, ein paar Überlegungen zur Einzigartigkeit meiner Fahrten angestellt, die mir bisher trotz ihrer im Grunde offensichtlichen Natur nicht untergekommen waren.

Ich haderte nämlich mit der Frage: Warum ich keine Oldtimer sehe! Mir war tatsächlich auf meinen diesjährigen Fahrten noch kein einziges klassisches Motorrad entgegengekommen. Dabei liegt das nicht daran, daß diese hier selten wären. Vom Garten aus sehe und höre ich jedes Wochenende AWOs, EMWs, teilweise noch Stecktankkräder usw.

Und als ich darüber nachsann, wo und wie ich meine Fahrten begangen hatte, wurde es mir sehr auch schnell klar: Oldtimerfahrer machen einfach keine interessanten Fahrten! Das mag merkwürdig klingen, denn man würde zunächst vermuten, daß man mit einer 20er- oder 30er-Jahre-Maschine doch möglichst altertümliche Straßen fahren will. Das ist aber bei weitem nicht der Fall. Auf schlechten Straßen, Pflaster z.B. sehen Sie Oldtimer nur in Städten, wo sie zwangsläufig über alte Märkte und Burghöfe fahren müssen, um dann zur Oldtimerausfahrt-Sammelstelle zu kommen. Aber kaum ein Oldtimerfahrer würde freiwillig eine schlechte, gar schlaglochversehene Straße fahren. Denn ich sagte schon: Ohne Hinterradfederung ist das ein Graus. Ganz abgesehen von der Gefahr, sich am Krad etwas zu beschädigen. Und so kommt die Merkwürdigkeit zustande, daß man Oldtimer – Motorräder wie Autos – fast ausschließlich auf bestens geteerten Allerweltsstraßen sieht.

Auch das ist wohl ein intuitiver Grund für meine Distanz, einen Oldtimer für meine Fahrten zu verwenden. Man fährt mit einer Preziose der Vergangenheit einfach anders als mit einem Gebrauchsgegenstand, der doch ein Motorrad vor allem ist (und damals gleichfalls war). Deshalb findet sich auch nur ganz selten mal eine echte Gebrauchsszene von alten Motorrädern, wie diese Watfahrt zweier DKW NZ 350.

Für drgl. muß man schon ausgenommen schmerzbefreit sein. Und das sind die allermeisten Oldtimerfahrer bezüglich ihrer Schätzchen – verständlicherweise – nicht. Da geht es mehr um das Herumzeigen der eigenen Restaurierungsarbeit, hochpoliert oder mit Patina versehen von einer Traube Zuschauern umstanden. Bei Manchem scheint mir, er hat die Maschine nur dafür. Und die allgemeine Straßenauswahl der Oldtimerfahrer bestätigt mich darin. Auch hier fahren einige BKs, NSU- und AWO-Maschinen fast nur auf großen Landstraßen. Als sie abkommen und eine Dreckpiste vor sich haben: Ein Versehen. Schnell zurück auf die breiten Asphaltdecken und in den Autoverkehr! Sicher nimmt man zufällige Kleinststraßen auch mit. Aber ein Hauptkriterium bei der Wegauswahl kann es nicht sein, sieht man die restliche Streckenführung an.

Wenn Sie hingegen in meinen Videos bei Instagram oder auch Streckenfotos auf diesem Blog kein Auto sehen, so liegt das nicht daran, daß ich gewartet hätte, bis mal eine Lücke kommt. Sondern weil einfach weit und breit keins ist, manchmal eine halbe Stunde lang.

So kommt es also, daß mir im Sommer andauernd klassische Motorräder entgegenknattern, wenn ich Auto fahre – nämlich auf den allgemein auch von modernen Motorrädern gern befahrenen Straßen – auf meinen abseitigen, echt historischen Fahrten dagegen seit Jahren kein einziges. Das sagt eine Menge aus. Freilich, auch moderne Kräder sehe ich äußerst selten, am häufigsten noch Mopeds, mit denen die Jugend über die Dörfer juckelt. Es ist und bleibt eben doch ein ganz besonders wunderliches Steckenpferd des seltenen Typus: historischer Träumer.

*

7 Gedanken zu “Pflasterstraßen in Thüringen, Brandenburg und dem Rest Ostdeutschlands . Ein wunderliches Steckenpferd für Nostalgiker

  1. Michael Schlenger

    Es gibt bei mir in der hessischen Wetterau auch die Fraktion der Feldwegfahrer – welche buntscheckige Enduro-Reiter sowie einige lederne Alteisenfahrer umfasst. Gut geeignet für tief ausgefahrene Wege, Schotterabschnitte und vereinzelte Pflasterpassagen sind nach meiner Erfahrung bspw. die russischen DKW-Derivate von IZH. Die IZH 350 etwa hat ordentlich Federweg, erlaubt die Montage von Stollenreifen und kaputtgehen kann da kaum etwas. Vorbild war die DKW NZ 350, die nicht grundlos das wohl beliebteste Melderkrad im 2. Weltkrieg auf deutscher Seite war. Ich habe mir außerdem eine simple chinesische 50er mit Suzuki-Viertaktmotor (von Mash) auf Endurooptik der 60er Jahre umgebaut und habe damit trotz wenig PS viel Spaß rund um das Dorf (vor allem wenn’s geregnet hat). Andere bevorzugen hier den abendlichen Ausritt auf einer alten 80er Enduro der 80er (haha) – inzwischen auch schon ein Klassiker (da wird auch einmal der alte Sandtagebau attackiert). Am Samstagmorgen holt dann der Nachbar sein Victoria-Gespann heraus, das nicht so aussieht, als ob es geschont würde. Damit räubert er zu jeder Jahreszeit über einsamste Nebenstraßen im Vogelsberg. Käuze wie diese gibt es bei näherem Hinsehen jede Menge in vielen Bereichen, vielleicht sollte man den eigenen Sonderlings-Status vielleicht nicht zu hoch veranschlagen.

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  2. Da haben Sie mich durchaus falsch verstanden. Daß es Endurofahrer gibt, die über Felder und durch den Wald fegen, würde ich nie bezweifeln. Die gibt es hier auch. Nervtötende Störenfriede, wenn Sie mich fragen. Das ist nicht der Punkt und ist nichts anderes als ein ganz spezieller Sport. Das bestätigen Sie ja auch mit der Bezeichnung „um‘s Dorf“ und „Sandtagebau“. All das meine ich nicht. Und ich denke, das wird auch in meinen Ausführungen sehr deutlich. Ich weiß gar nicht, wie man auf die Idee kommen kann, diese Klientel mit jenem seit etlichen Beiträgen heraufbeschworenen Reisemotiv zu verbinden oder gar zu den „historischen Träumern“ zu zählen, von denen ich hier rede. Übrigens distanziere ich mich von dieser Art Motorradfahrens auf’s Deutlichste! Wenn ich Feld- und Waldwege fahre, dann gemäßigt, mit Rücksicht auf die Tiere des Waldes und Anwohner.

    Es geht nicht um Leute, die für den Samstagnachmittags-Nervenkitzel Geländesport betreiben, sondern um Reisestrecken mit ganz normalen Zielen inkl. ganz normaler Erledigungen, bei denen aber die alte Straßenlandschaft gesucht und befahren wird. Nur sehr selten wird es da mal zu einer Matschfahrt kommen oder ähnlichem, es wird kein einziger Feld- oder Waldweg gesucht, sondern befahren, wenn sonst nichts ohne Vermeidung von großen Straßen vorhanden ist. Dasselbe gilt bzgl. der Staubstraßen. Vornehmlich aber ist viel schmaler und schlechter Asphalt sowie altes Pflaster gemeint. Daher handelt der obige Beitrag ja zur Hälfte auch von der Überasphaltierung alter Landstraßenbeläge und der altertümlichen Anmutung von ganz offiziellen oder zurückgebauten, manchmal vernachlässigten Straßen. Ich denke, der Unterschied sollte klar sein und bezeichnet Welten.

    Wenn Sie also einen alten Gespannfahrer kennen, der es genau so macht, dann wüßte ich nicht, warum dieser in meiner Bezeichnung der seltenen historischen Träumer nicht abgedeckt wäre. Nur jedweden um’s Dorf wühlenden Geländefahrer zähle ich mit Sicherheit nicht dazu.

    Auch in Ihrer Konklusion tun Sie, wie ich glaube, dem Text unrecht. Ich bin über diese Seltenheit keineswegs froh, sondern nach der bewußten Reflexion in der Tat vor allem enttäuscht von den Oldtimerfahrern – wenngleich ich es aus den genannten Gründen nachvollziehen kann. Mir wäre lieber – wie der Text ja hoffnungsvoll andeutet –, wenn sich das historische Reisen herumsprechen und ich Gleichgesinnte sehen würde. Aber das passiert – zumindest hier – nicht. Und das wie gesagt seit Jahren und obwohl es sonst massenhaften Verkehr aller Couleur gibt: moderne Motorradfahrer, Oldtimerfahrer, Mopedfahrer. Aber die Mopedfahrer sind die einzigen, die man trifft. Sie allein suchen nach solchen Straßen. Offensichtlich wegen ihrer geringen Geschwindigkeit. Und so sind diese mir doch am sympathischsten.

    N.S.: Die DKW NZ 350 mag vorn ausreichend Federweg haben, ich habe aber ausdrücklich von der Hinterradfederung gesprochen. Und die hat bei diesem Modell den Federweg Null. Ob die Maschine besonders beliebt war, weiß ich nicht. Oft gebaut wurde sie vor allem deshalb, weil DKW mit seinen simplen Zweitaktern das geforderte Volumen stemmen konnte. Und für die meisten Einsatzzwecke haben eben 11 PS gereicht. Freilich waren die DKW robust und man hat mit bruchsicheren Rahmen geworben (auch bei diesem Modell), aber das zeigt ja, daß zumindest im Allgemeinen zu dieser Zeit Rahmenbrüche durchaus gefürchtet und nicht unbekannt waren. Und die wurden vor allem durch Schlaglochtreffer ohne Hinterradfederung verursacht.

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  3. Michael Schlenger

    Werter Herr Wangenheim, es ging mir bei meiner Kommentierung (die wohl etwas vage war) nur darum: Es ist aus meiner Sicht riskant, aus einer gewissen Selbstherrlichkeit heraus apodiktische Aussagen wie – unter anderem – diese zu tätigen: „Oldtimerfahrer machen einfach keine interessanten Fahrten!“ – Dies ist schon nach meiner bescheidenen Erfahrung (und ich besitze mehrere zwei- und vierrädige Oldtimer) schlicht nicht zutreffend. Nur weil Sie bei Ihren speziellen Ausflügen niemandem begegnen, der zu dieser Zeit exa´kt dasselbe unternimmt wie Sie (zunächst einmal eine persönliche Grille), heißt erst einmal gar nichts. Vielleicht machen die Oldie-Freunde in Ihrer Region schlicht andere Dinge als Sie, die gleichwohl ebenso eigenwillig sind. Darauf wollte ich hinaus: Käuze (im Guten wie im Schlechten) gibt es so viele nach meiner Wahrnehmung so viele, dass man diese als standardmäßige Begleiterscheinung der conditio humana betrachten darf. So sympathisch ich es finde, mit einem modernen Krad auf irgendwelchen Altstraßen unterwegs zu sein, so banal wie jedes Hobby ist dieser Zeitvertreib doch letzlich. Noch zur Tauglichkeit von Vorkriegsmotorrädern: Ich empfehle Ihnen, einmal selbst auszuprobieren, was geht in dieser Hinsicht, auch offroad. Nur so nähert man sich praktisch der Erfahrung der Altvorderen, nicht in der bloßen Theorie oder in einer erdachten Rolle als „historischer Träumer“.

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  4. Nun, ich dachte mir schon, daß Sie sich von irgend etwas enorm angegriffen fühlten. Also war es nun der Satz von den uninteressanten Fahrten. Ich bleibe jedoch dabei, weil es offensichtlich korrekt ist – auch in Ihrem Fall. Sonst hätten Sie ja nicht irgend welche Schlammfahrten um’s Dorf als Gegenbeispiele angeführt. Ich lag also komplett richtig.

    Wie stark Sie sich getroffen fühlen, zeigt mir auch Ihre jetzige Rede von der angeblichen Selbstherrlichkeit. Aber es bedarf eben nicht jenes unwahrscheinlich Falles, daß jemand „zu dieser Zeit exakt dasselbe unternimmt“ wie ich. Das ist logisch irreführend, weil es eine geringe Wahrscheinlichkeit suggeriert, die hier nachweislich gar nicht vorliegt. Es bedarf nämlich auch eines Kradlers, der zu dieser Zeit exakt dasselbe tut, wenn ich ihn auf einer Bundesstraße treffe. Und das kommt häufig genug im Auto vor. Ebenfalls bedarf es der etlichen Mopedfahrer, die ich auf echten Kleinstraßen treffe, und die also zu dieser Zeit exakt dasselbe unternehmen, wie ich. Ich habe also bereits alle nötigen Kontrollbeobachtungen vorgenommen, um daraus den gemachten Schluß ziehen zu können. Das heißt mithin sehr wohl etwas.

    So wie Sie sich mittlerweile Mühe geben, die Banalität meiner Fahrten herauszustreichen, ahne ich bereits ganz andere Motivationen. Aber ich versichere Ihnen, ich halte meine Fahrten ebenfalls für völlig banal. Ich bilde mir – offenbar anders, als Sie glauben – kein Tüttelchen darauf ein. Vielmehr scheint mir aus Ihrer Reaktion hervorzugehen, daß Sie sich hintangesetzt fühlen. Eben weil Sie so etwas nicht tun oder nicht tun können. Ansonsten ist solche Reaktion gar nicht zu verstehen. Das tut mir natürlich leid für Sie, aber die Kerben, auf die Sie zu schlagen versuchen, sind aus Gummi. Ich schreibe hier ganz zu meiner eigenen und meiner Leser Freude auf, was ich beobachte und welche Schlüsse ich aus den einen oder anderen Beobachtungen ziehe. Allerdings mache ich auch vor unbequemen Wahrheiten nicht halt. Gerade die sind ja immer die interessantesten.

    Und was die Geländeeigenschaften der Vorkriegsmotorräder angeht, so ist es keine bloße Theorie, wenn ich exakt die Erfahrungen der alten Kradler hernehme, die wohl am besten wußten, wann Gefahr für die mechanische Integrität bestand. Und weil die meisten Besitzer solcher Maschinen genau das in ihre Kalkulation einbeziehen, fehlt auch diesen exakt jene praktische Erfahrung.

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  5. Pingback: Altenburger Zimmerfluchten, Flucht vorm Waldbesitzer und sonstige flüchtige Eindrücke – Die Reisen des wunderlichen Herrn Wangenheim

  6. Michael Kaufmann

    Die im Text erwähnte Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h auf Landstraßen wurde in der DDR erst 1978 eingeführt, vorher galt eine Begrenzung von 90 km/h. Die Begründung war – wie ich mich erinnere – der geringere Kraftstoffverbrauch; die DDR-Wirtschaft litt damals schon unter Mangel, der sich Anfang der 80er Jahre noch verschärfen sollte. Von den Fahrern wurde diese Geschwindigkeitsabsenkung allgemein als weitere Freiheitseinschränkung wahrgenommen.

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  7. Wir sind jedenfalls selbst auf der Autobahn nie mehr als 80 gefahren, weil der Moskvich 2140 auch bei dieser Geschwindigkeit schon 10 Liter schluckte. Und da der Sprit mit 1,65M nicht ganz billig war, hat man auch ohne Vorschrift mit dem Gaspedal gehaushaltet. Ganz davon abgesehen, daß auf vielen Straßen wegen des schlechten Zustands auch die 80 nicht möglich waren. Aber da mag es andere Autofahrerkreise gegeben haben. Auch heute gibt es ja Raser, die sich in ihrer „Freiheit“ eingeschränkt fühlen, wenn sie eine Geschwindigkeitsbeschränkung sehen. Und dann gibt es normale Menschen.

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