Der Kurier des Herrn Oberleutnant

Hatten Oberleutnante Kuriere? Sicher nicht. Klingt aber gut.

Nicht daß ich hier einzelne Fahrten vorstellen will, aber das war dann doch so außergewöhnlich, daß ich schlicht mein Glück auf dem Motorradsattel kaum fassen konnte und aus dem Grinsen nicht mehr herauskam. Ich wollte nach Weißenfels ins Novalis-Museum – und so viel vornweg: Das Museum wäre kaum 10 km Fahrt wert gewesen, obwohl es immerhin im Hause der Hardenbergs einquartiert ist. Tatsächlich sind es aber 155 Kilometer geworden. Und es war keiner zu viel!

Schon die Hinfahrt, von der ich Abschnitte noch aus lang zurückliegenden Auto-Schnaufer-Fahrten kannte, war ein Traum. An sehr sanft-welligen Talfurchen entlang schmiegen sich die Landsträßchen nördlich von Bürgel und Eisenberg durch die Getreidefelder und Wiesen. Dort ein einzelner, großer alter Mühlhof, umstanden von einer malerischen Baumgruppe, der mir noch in Erinnerung war, weit zu überschauende Straßenführung, mit offenliegenden, nur durch einen Baum und Hecken gekennzeichneten Landstraßenkreuzungen, ab und zu Radfahrer auf den meist einseitigen Alleen, die verwundert schauen, daß ein Motorrad Mühe hat, an ihnen vorbeizukommen. Autos: Fehlanzeige!

Und Autos kann man bei einer solchen Fahrt auch überhaupt nicht gebrauchen. Ich mag es nämlich als Motorradfahrer gar nicht, wenn mir diese Spezies doch einmal entgegenkommt. Man muß dann bekanntermaßen immer gewahr sein, daß der größte Dummkopf in dem Wagen sitzt. Wenn er einem nicht die Vorfahrt nimmt (als Motorradfahrer hat man nie Vorfahrt und sollte vor allem nie davon ausgehen, sie zu bekommen!), ob er einem vor der Nase die Kurve schneidet oder ob irgend ein beschränkter Geländewagenfahrer auf einer engen Straße in den Dreck ausweicht, dann doch Angst kriegt, sich ein Staubkorn auf die Motorhaube zu laden und ein wenig zurücklenkt, während sich sein 400PS-Traktor an der Asphaltwulst aufschaukelt und der Dakar-Möchtegern faßt die Kontrolle über die Fuhre verliert – alles schon erlebt. Es hat auch sicherheitstechnische Gründe, warum man mit dem Motorrad sehr langsam und extrem defensiv fahren sollte. Geschwindigkeit sollte man nur geben, wenn weit und breit kein Auto kommt.

Aber zurück zu den schönen Straßen. Es mag eine kindische Liebe sein, aber: ich bin ja auch so außergewöhnlich angetan von freien Landstraßenkreuzungen, d.h. solchen, die fern der Ortschaften liegen. Und freilich meine ich damit nicht diejenigen mit Abbiegespur, Ampel und Verkehrszeichen. Nein, ich meine die echten Kreuzungen, mit einfachen gelben Ortswegweisern (oder auch ohne) und keinerlei Straßenmarkierung. Es ist bald wunderlich, daß so eine Kreuzung – gar nicht mal im Sinne des Scheidewegs – eine solche Faszination hervorrufen kann. Auch hier spielt wahrscheinlich die Einsamkeit des Ortes mit, der aber doch – eben als Kreuzung – eine gewisse übergeordnete Bedeutung hat. Ganz begriffen habe ich aber selbst noch nicht, was an solchen abgelegenen Weggabelungen, die recht rar sind, eigentlich dran ist, daß ich sie so liebe.

Auch eine große Seltenheit ist es, heute noch Arbeiter auf den Feldern oder in reinen Anbaugärten zu sehen. Aber wenn es vorkommt, dann erhascht man auch hier einen Hauch der Stimmung, die das Gefühl des Reisens vor den Einheimischen hat, das Gefühl des Unterwegsseins, des kurz Auftauchens, Sehens, fern noch einmal Aufblinkens und dann endgültigen Entschwindens aus diesem fernen Lebenskreis. Es ist das Gefühl, mit dem sich der Reisende freilich früher ganz besonders von den Ortsansässigen abhob, die Gärten und Felder bestellten, mit Fuhrwerken höchstens ins Nachbardorf fuhren und nicht weit auf Schusters Rappen unterwegs waren. Aber Bewegung ist heute zu einer solchen Allgemeinheit verkommen, daß man ihre Faszination mangels Gegenbeispielen gar nicht mehr erfährt. Das Leben muß weitgehend statisch sein, wenn man die Besonderheit der Bewegung spüren will. Wenn alles wuselt, ist reisen bedeutungslos. Auch deshalb ist es so wichtig, auf Straßen zu fahren, auf denen nichts los ist, um solch eine alte Empfindung wiederzugewinnen.

Die meisten Eindrücke sind aufgrund des Bewegungs- und Raummotivs, die so eine Fahrt hat, photographisch gar nicht zu erhaschen. Das gilt auch für das Bewegtbild. Dort blinkt das Mansarddach eines Gutshauses aus dem alten Baumbestand, dort übersieht man es, dort schwingt man schön durch das Wäldchen einer Bachsenke, hier liegt eine unbedeutende, aber schön verwinkelte Kirche recht idyllisch… all das kann man nur erleben, kaum festhalten.

Und dann biegt man aus einem Nebensträßchen doch auf eine formale Landstraße, leer, links und rechts baumbestanden, am sanften Hang wellig dahingehend, stark geflickt, sehr uneben – und man glaubt sich wieder auf besondere Weise ins Jahr 1920 versetzt. Und das liegt am Ende eben doch am Motorrad. Denn während man in einem modernen Auto immer bemerken wird, daß man sich in der Gegenwart befindet – einfach weil das Auto sich so enorm stark weiterentwickelt hat und somit Geräuschkulisse, Federung, Motorengeräusch, Sitzpolsterung, Armaturenbrett, Windschutzscheibe usw. ganz anders geartet sind – ist das Motorrad eben immer noch ein Gestell zwischen zwei Rädern mit immer noch ganz gleich klingendem Motor und einem Querrohr, das die Lenkstange abgeben soll. Das ist der Grund, weshalb eine schlecht geteerte Straße mit einem halbwegs klassischen Motorrad zu einer Zeitmaschine wird – zumal wenn die Ortschaften ein weitgehend idyllisches Bild abgeben, wie man hier guten Gewissens behaupten kann.

Aber eigentlich wollte ich über die Rückfahrt reden. Und die hatte es in sich. Nachdem ich in Naumburg noch eine nette Kleinigkeit zu erledigen hatte, war ich zunächst der etwas absurden Idee erlegen, auf der B88 nach Jena zu fahren. Und zwar deshalb, weil das im Abendlicht eine wunderschöne Sache sein kann – im Auto! Nach den schönen Kurven aus Naumburg hinauf auf die Höh‘ aber war mir schon der Anblick der überbreiten Straße so unangenehm, daß ich sogleich den ersten Abzweig wieder auf die Ortsverbindungsstraßen nahm. Und das war nun – obwohl nur wenige Kilometer parallel zur Hinfahrt, eine ganz außergewöhnliche Erfahrung.

Zunächst deshalb, weil ich wieder ganz für mich allein war und mir gleich nach dem ersten Ort eine dieser geradezu idealen Landstraßenkreuzungen entgegenkamen. Zwischen Janisroda und Neidschütz biegt man nämlich rechts ab auf die Straße, die ich gleich von Naumburg aus hätte nehmen sollen. Aber welches Glück, daß ich nun von der Seite kam. Die Stelle ist vollends großartig, weil nur für das Stück der Kreuzung – wie es früher für Steigungen, aber auch überhaupt besondere Stellen als Anzeiger üblich war – der Belag auf Kleinpflaster wechselt. Zugleich kommt die Straße von Naumburg her aus einer baumbestandenen Hohle heraus, von Janisroda aber sackt die Straße hinab, und so ist das ganze Kreuzungsgeschehen eine dreidimensionale Pflasterschönheit. Wenn Sie jetzt sagen: Der Wangenheim hat doch ne Vollmeise! so kann ich es Ihnen nicht verübeln. Aber es ist und bleibt eine straßenhistorische Preziose.

Zweitens wurde es eine außergewöhnliche Erfahrung, weil ich mittlerweile erkannte, daß ich nicht mehr übermäßig würde herumbummeln können, da ich für den Abend noch ein Versprechen einzulösen hatte. Gleichwohl hatte ich mich ja gegen die schnelle Strecke entschieden. Gewagt, gewagt, Herr Wangenheim! Und so kam ich etwas aus meinem Trott des Dahinsegelns in ein strafferes Fahren. Das dürfen Sie sich natürlich nun nicht übertrieben vorstellen, durch die Ortschaften ging es weiterhin nur mit 20-40 Stundenkilometern – weil ich es so will und weil es oftmals gar nicht anders geht. Und auch außerorts hat die Tachonadel die 80 nur selten gestreift. Aber die engen Kurven und immerhin leichten Berge spürten nun durchaus jene 20-30 Pferde, die in meinem Drehzahlkeller so anliegen – etwas, das ich immer besonders genieße, aber nun aus einer gewissen Zeitnot heraus zum Sport wurde. Das harmonierte nun allerdings überhaupt nicht mit dem Straßenzustand, der sich mir entgegenwarf.

Zunächst über Janisroda und Meyhen noch völlig gewöhnlich, begann die Straße nach Köckenitzsch merkwürdig zu altern. Und zwar schlagartig. Aus Meyhen heraus noch bloß durch Flicken, Schlaglöcher und Bodenwellen, bog die Straße links in einen typischen, baumbestandenen Bachlauf – und Schwupp, war die Straße zur halben Schotterpiste geworden. Nicht weil es nun auf einem Feldweg weiterging, sondern die Brücke, die mehr ein Erdwall war, unter dem wahrscheinlich ein Wasserrohr lag, derart zerfahren und an den Rändern abgebröckelt war, daß der Fahrbahnzustand im Grunde noch als Kompliment des Gesamtzustandes anzusehen war. Da zitterte das Rad schon gelegentlich des etwas losen Bodens und ich zog die Maschine, sobald sie wieder gerade stand, mit Dampf zur Höhe hinauf – wir erinnern uns: Ich hatte es etwas eilig bekommen.

Obenauf allerdings die nächste Überraschung: Linkskurve mit vom Feldweg eingetragenem Sand (das Hinterrad meldet sich erneut – ohne daß ich besonders schnell war) und gerade hinab die Allee mit regelmäßiger Schlaglochsaat auf der rechten Seite. Ich also links auf die Gegenseite und Feuer. In den Rechtskurven dann auf den mangelnden Gegenverkehr solcher Straßen nur halb vertrauend etwas langsamer und wieder gefährliche Splithaufen in den Kurven. Aber die XJ liegt ja recht geschmeidig bei diesen Geschwindigkeiten und man kann sie gut durchzirkeln. Noch dachte ich mir ohnehin, das könne ja nur eine Ausnahme sein, und fuhr – um das reichlich in den Kurven verstreute Stroh des angrenzenden Feldes schwingend – in die Ortschaft ein.

Außergewöhnliche Kirche von weitem sichtbar mit abgerundetem Dach und kleinem Zentralturm. Bei Zeit eigentlich ein Anhaltegrund. Aber Sie wissen ja. — Im Ort: Pflaster. Schön, dachte ich. Sogar Kindskopfpflaster, also die großen Steine – arschglatt, ein einziges Rattern und Zittern und daher wenig beliebt bei Kradlern (bei solchen, die dieses Pflaster überhaupt noch kennen), aber ich bin ja in allem eine Ausnahme und freue mich. Auch die Gebäude alter Baubestand, recht zerfallen, echte 20er-Jahre-Stimmung. Wohl vorhin durch ein Zeittor gefahren? Um das letzte Gehöft, das direkt an der Straße steht, rechts scharf herum, wie auf Eiern (da immer noch Kindskopfpflaster) und das Abenteuer hinter mich lassend – dachte ich. Und ich wurde nach einem schönen Doppelschwung der Straße aus dem Ortskessel hinaus mit einer flüssigen Gerade, einseitig baumbestanden und nach Casekirchen sich hinüberwölbend darin durchaus bestätigt. Die Maschine läuft noch, dachte ich, als sie den Berg im höchsten Gang bei zweieinhalb hinaufschnurrte. Man weiß ja nie nach so einer Schüttelpartie…

Am nächsten Ortsrand noch ein Blick auf die Karte, der komplizierten Doppelkreuzung wegen, und entschieden: Geradeeee-aus! Wieder zog sich die einsame Allee gerade und gut beherrschbar über die Felder, der Ausblick über die weite, wellige Landschaft gab dem Grinsereflex keine Verschnaufpause und dann: erneut Kindskopfpflaster. Ich dachte eigentlich das letzte Beispiel solcher Straßen, die vor dreißig Jahren in der Gegend durchaus noch hier und da vorkamen, woanders zu kennen. Aber hier war ja ein Pflasterparadies!

Nun gibt es gute und schlechte Pflasterstraßen. Früher waren die Fahrbahndecken stark gewölbt, damit das Wasser abfließen konnte. Für Motorradfahrer hieß das: immer in der Mitte fahren. Denn die Haftung der Reifen war auf dem Pflaster teils so gering, daß man auf der schiefen Ebene immer nach außen in den Straßengraben rutschte, wo man doch eigentlich nur geradeaus fahren wollte. Solcherlei schräges Fahren, auch von Autos, führte mit der Zeit dazu, daß die Steine sich am Rand aufstellten, und nun die spitzen Kanten des Pflasters hochstanden. Ergebnis: die ungeheuerste Huckelpiste von Seidewitz. Lieber Gott, hat mir die Maschine leid getan! Oder war 40 zuviel? Nein, hier gibt es keine günstige Geschwindigkeit. Das ist immer grausam!

Nun ließ ich wieder mein großes Talent spielen, mich selbst in einem 50-Seelen-Ort noch zu verfahren, scheuchte wieder einmal ein paar freilaufende Hühner von der Straße, die aber frühzeitig das Unheil erkannten, das da auf sie zukam, und entwand mich dem idyllischen Örtchen rappelnd und polternd mit 30 Sachen in der Gewißheit, doch gerade in einem Weltkriegsfilm den Kurierfahrer zu spielen. Denn das Ende des Kopfsteinpflasters war keineswegs das Ende der flickenreichen und schlaglochdurchsetzten Straße, die ich noch immer mit fleißigem Wedeln zu durchmessen suchte. Aber mittlerweile hatte mich neben der Zeitreisenden-Attitüde auch der Ehrgeiz gepackt, meine Kuriersendung sicher und schnell… – ja, wohin eigentlich? Da war ich in Schkölen.

Mitten im Ort ganz unverhofft auftauchend eine Wasserburg, deren Anblick mich sogleich den Mangel meiner Zeit schmerzlich spüren ließ und einen späteren Besuch in den Hinterkopf legte. Auch hier durch eine Ehrenrunde noch die einzige Großpflasterstraße des Ortes mitgenommen, ging es nun wieder zügiger voran. Mittlerweile war es eine Frage der Ehre, den Kurierfahrer nicht aufzugeben! Bei der nächsten Sperrscheibe sah ich mich sogar geradezu berechtigt, mit Schmackes durchzuschmooken. Schließlich hatte ich einen Auftrag zu erfüllen!

In Poppendorf entsann ich mich der Kirche, für die ich einmal in entgegengesetzter Richtung vor vielleicht 20 Jahren mit dem Auto hielt – ich war also zumindest hier doch schon gewesen. Aber rückwärts erkennt man ja die Strecke zumal nach solcher Zeit nicht wieder. In Rauschwitz angelangt war ich nun wieder auf bekanntem Territorium und nahm – die Kindskopfpflasterfahrt zu vervollkommnen – die Strecke über Hohendorf, wo die mir bis dato letzte noch bekannte Strecke mit dem mörderischen Belag bekannt war und sperpentierte hinab nach Bürgel. Daß in meiner immer noch mitfahrenden Kurierattitüde auch die folgenden Waldungen mit Schwung genommen wurden, hatte aber bereits wieder mit seelenruhigem Genuß zu tun, da ich die heimischen Gefilde nun mit der Freude des Angekommenen durchrollte. Noch zwei Baustellensperren durchfahren – mich kaum noch des imaginierten Kurierauftrags entsinnend – trudelte ich zuhause ein und war mit mir durchaus zufrieden.

Das, mit Verlaub, hatte ich wirklich noch nicht erlebt. Die Straße – eine Zeitmaschine.

10 Gedanken zu “Der Kurier des Herrn Oberleutnant

  1. Des Wahnsinns Knusprige Beute

    Groß-ar-tig! Ich bin gerade aufgestanden, sitze mit einer Tasse heißen Kaffees vor dem Bildschirm und werde von ihnen direkt auf eine Reise mitgenommen. Jetzt kann ich kaum noch ruhig sitzen!

    „Nun ließ ich wieder mein großes Talent spielen mich selbst in einem 50-Seelen-Ort noch zu verfahren, scheuchte wieder einmal ein paar freilaufende Hühner von der Straße, die aber frühzeitig das Unheil erkannten, das da auf sie zukam, und entwand mich dem idyllischen Örtchen rappelnd und polternd mit 30 Sachen in der Gewißheit doch gerade in einem Weltkriegsfilm den Kurierfahrer zu spielen.“ Hab ich laut aufgelacht 🙂

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  2. Thomas Beck

    Werter Herr Wangenheim
    Gestatten Sie mir eine geographische Frage zu Ihrer jüngsten Entdeckungsreise:
    Sie haben die Ortschaft Bürgel erwähnt. In dieser Ortschaft gibt es eine Bahnhofstrasse, aber offensichtlich kein Bahnbetrieb mehr. Die gleiche Situation in Eisenberg. Möglicherweise hat es früher eine Bahnlinie von Jena über Bürgel nach Eisenberg und ggf. weiter gegeben haben.
    Ist Ihnen dazu etwas bekannt?

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  3. Das haben Sie sehr aufmerksam beobachtet. Es führte einst eine Bahn von Porstendorf (nördlich von Jena) durch das Gleistal nach Bürgel, der sog. Esel, und weiter bis Crossen. Die Bahnlinie hat nur gut 60 Jahre bestanden und ist ein Beispiel für die geradezu übermäßige Ausbaustufe des deutschen Bahnnetzes in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Heute ist das ein sehr schöner Radweg auf dem ehemaligen Gleisbett (zumindest bis Bürgel). Die ganze Bahnlinie hat einen Wiki-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Crossen_an_der_Elster%E2%80%93Porstendorf

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  6. Michael Schlenger

    Nach nochmaliger Lektüre: Kompliment für diesen auch sprachlich mitreißenden Parforce-Ritt über Altstraßen der Region. Vielleicht sollte man dabei das persönliche Erleben nicht als zu exklusiv empfinden (und darstellen). Es gibt nach meiner Wahrnehmung etliche Gleichgesinnte auf zwei Rädern, denen die Reize abseitiger Straßen bis hin zu Feldwegen keineswegs fremd sind und welche auch die am Wegesrand liegenden historischen Sehenswürdigkeiten sehr wohl genau kennen. Ich würde mich zwar als Kulturpessimist einsortieren, registriere aber auch ein brennendes Interesse bei vielleicht 10 % der Mitbürger, was das über Jahrhunderte gewachsene Eigene angeht. Sofern diese nicht völlig aussterben oder verdrängt werden, gibt es immer auch die Hoffnung auf eine Renaissance dessen, was die Basslinie europäischer Kultur darstellt. Noch zum „Kurier des Oberleutnant“: Ich muss dabei an die Erzählungen meines Onkels mütterlicherseits denken, welcher im 2. Weltkrieg Oberleutnant war und in Russland erleben musste, dass sein „Bursche“ bei einer gemeinsamen Fahrt im Kübelwagen einem Artillerieangriff zum Opfer fiel. Ich kann vor diesem Hintergrund einer smarten Uniform oder daran orientierten Outfits einiges abgewinnen, doch schwingt bei mir dabei stets auch ein ungutes Gefühl mit. In Deutschland begeistert man sich allzuleicht für das Kollektiv und seine Parolen, nicht aber für die Freiheit des Einzelnen, der doch am liebsten seinen eigenen Weg auf alten Pfaden finden möchte – ganz gleich mit welchem Vehikel…

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  7. Das freut mich sehr zu hören! Merkwürdigerweise habe ich über die Frage der Alleinstellung solcher Fahrten erst auf meinem letzten Ausritt intensiv nachgedacht. Ich habe dabei nur Hinweise darauf gefunden, daß es ein extrem außergewöhnliches Fahren ist. Ich habe also bereits die Diskussion jener Frage für den nächsten Beitrag in petto, in dem ich meine Auffassung sogar noch verstärken will.

    Daß, wie Sie sagen, 10% sich für kulturhistorische Einzelheiten interessieren, möchte ich durchaus nicht bezweifeln. Aktiv mit dem Dehio (oder Baedeker) suchen werden aber nach meiner Erfahrung höchstens niedrige einstellige Prozentzahlen. Wenn ich nun im Bezug auf meine Freude über gröbstes Feldsteinpflaster sage „Ich bin ja in allem eine Ausnahme“, dann glaube ich, greifen wir selbst mit wenigen Prozent noch zu hoch. Bei einer Umfrage unter Kraft- und Radfahrern aller Art, wird der katastrophale Komfort ganz oben stehen und solche Straßen nur notgedrungen befahren – wenngleich man vielleicht die idyllische Anmutung durchaus registriert. Aber das ist ja mein Punkt des Begrüßens auch des miserablen Fahrkomforts. Und dazu ist eine völlige, ganz bewußte Umkehrung der Erwartungshaltung und des Herangehens nötig.

    Die wenigen, denen tatsächlich nicht nur die ästhetische Schönheit auffällt, muß man aus meiner Sicht nicht einmal unter „ferner liefen“ führen, so rar sind sie gesät. Denn ich sehe sie nicht „laufen“. Will heißen – und das ist die Beobachtung, die ich zuletzt reflektiert habe – mir kommen selbst die historisch Interessierten auf den derartigen Kleinststraßen nicht entgegen, nämlich die Oldtimerfahrer, während ich sie vom Auto aus auf großen Straßen der Gegend in erklecklicher Zahl erlebe. Das hat natürlich u.a. mit dem Federungsproblem zu tun, aber das ist ja der Punkt: Kein Radfahrer, kein Motorradfahrer, kein Autofahrer sucht solche Straßen, sondern sucht sie zu vermeiden. Und mit „keiner“ meine ich so wenige, daß es wohl einer Promille-Angabe bedarf.

    Ihr ungutes Gefühl was diese Kriegsanalogie angeht, teile ich vollkommen. Ich habe keinerlei Interesse, auf so einer Kurierfahrt von Granatsplittern durchsiebt zu werden. Kurierfahrten im Krieg sind nur dann große Erlebnisse, wenn es gut geht. Gleichwohl ist gerade der Kurierfahrer natürlich ein Einzelkämpfer gewesen. Ich würde sogar sagen, daß überhaupt der Motorradfahrer ein Einzelgänger ist. Das in Gruppen Fahren hat es zwar zu besonderen Anlässen auch schon in den 20er-Jahren gegeben. Aber sowohl die geringe Verkehrsdichte als auch die Ernsthaftigkeit des Motorradfahrens, also nicht zum Vergnügen, sondern meist aus notwendiger Raumüberwindung heraus, hat den Kradler immer schon – wie Sie treffend sagen – zu einem modernen Pfadfinder gemacht.

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