Zurück zum Anzug . Teil 4 . Der Viertaschenrock

Zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=ger3vFkRef0

Im abschließenden vierten Teil unserer kleinen Wiederbelebungsreihe für das Anzugtragen befassen wir uns mit den etwas außergewöhnlichen Jackett-Varianten, vor allem dem robusten Jackenschnitt mit aufgesetzten Taschen und hochgeschlossenem Kragen.

Dazu stelle ich die mittlerweile wieder in die aktuelle Mode eingedrungene Safari-Jacke vor, ihre vermutliche Herkunft und den Übergang derselben in den klassischen Viertaschenrock. Nebenbei gebe ich in diesem Zuge einen kleinen historischen Abriß zur Entwicklung des deutschen Waffenrocks bis hin zum frühen NVA-Dienstrock für Offiziere. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns außerdem mit den Besonderheiten der sog. Eigentumsstücke, der Einkürzung des Kragens und allgemeinen Fragen der Offiziersausrüstung – auch Harry Graf Kessler ist wieder dabei.

Am Beispiel des NVA-Waffenrocks besprechen wir nicht nur die Eignung dieser Offiziersblusen für das Wandern, sondern vor allem die aufwendige Konstruktion, welche zur typischen Silhouette der Anzüge der 30er- bis 60er-Jahre führt, in der zeitgenössischen Werbung oft stark übertrieben wurde und im frühen NVA-Rock 1:1 wiederzufinden ist.

Schließlich gebe ich noch die Möglichkeit an, wie auch heute neben originalem Armee-Material nachgefertigte Panzer- und Sturmgeschützjacken, sowie spätere Feldblusen ab 1944 (auch englisch/amerikanische) eine gute Repräsentation für die Skijacken der 30er-Jahre sein können und trotz der schmalen Verfügbarkeit in den Größen aufgrund des besonderen Schnitts recht leicht umzuarbeiten sind.

Kleidergrößen der NVA: https://www.nva-uniformen.de/Infos-zu-den-Kleidergroessen

Stempelung der NVA (Herstellungsjahr): https://www.nva-uniformen.de/Jahresstempel

Stempelung der NVA (Hersteller): https://www.nva-uniformen.de/Herstellerkodierungen

Tabelle aller verfügbaren NVA-Größen: https://www.nva-uniformen.de/epages/63366721.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/63366721/Categories/BADienst_der_NVA

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12 Gedanken zu “Zurück zum Anzug . Teil 4 . Der Viertaschenrock

  1. Gast

    Sehr geehrter Herr Wangenheim,

    dieses Video war herrlich, zumal ich selbst schon länger nach einem angemessenen Oberteil aus etwas robusterem Material suche, ohne auf Plastikjacken zurückgreifen zu wollen. Nun weiß ich, was ich brauche!

    Ich wollte Ihnen außerdem eine Rückmeldung zu Ihrem Buch „Kultur und Ingenium“ geben. Es war sicher eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Bisweilen so spannend, daß ich gar nicht schnell genug lesen konnte. Ihre Schlußfolgerungen verbinden die zahlreichen Aspekte des menschlichen Lebens zu einer geschlossenen, eleganten Darstellung, die bemerkenswert ist!
    Ihre Sprache ist unterhaltend und geht trotz des hohen inhaltlichen Niveaus leicht von der Hand. Sie stellen die Dinge übersichtlich und deutlich dar, was im wissenschaftlichen Kontext eine seltene Fähigkeit ist. Das drängende Ingenium und die eher statische Kultur wurden anhand der Beispiele hervorragend illustriert.
    Wie ein Film lief das Buch ab, wie ein Puzzle setzte sich ein Teil an das andere. Allein dieses dezidierte Vorgehen macht Ihr Werk schon (völlig unabhängig vom Inhalt) empfehlenswert. Man sieht hervorragend, daß man erst viele verschiedene Dinge zu vergleichen hat, um seine Konklusion damit zu stützen. Das wäre sicher lehrreich für alle, die meinen, man könne ohne harte Arbeit zu seriösen Ergebnissen kommen. Vielleicht würde sich manch einer bescheidener geben.

    Allein ich glaube im Kapitel zur Quantenmechanik ist Ihnen ein kleiner Fehler unterlaufen, wenn Sie schreiben, daß die Kopenhagener Deutung eine rein philosophische Angelegenheit ist. Die Bellsche Ungleichung liefert gerade das Ergebnis, daß die Unschärfe eben nicht an den ungenauen Meßapparaturen liegt, sondern auch unabhängig davon vorliegt. Dies hätten Sie vielleicht konkreter formulieren sollen, oder immerhin auf diese Ungleichung eingehen können.

    Wenn ich außerdem einen Verbesserungsvorschlag einbringen dürfte: Sie nehmen auf zahlreiche Kunstwerke Bezug, die nicht jeder Leser kennen kann. Der Vollständigkeit halber und um das Buch auch ohne Internetzugang zur Gänze genießen zu können, wäre es schön, wenn Sie die betreffenden Werke in Form einer kleinen Bildersammlung ähnlich den Grafiken zur fraktalen Geometrie einfügen könnten. Die Bilder müssen nicht groß sein, nur groß genug, um den Unterschied zwischen Kultik und Ingenium erkennen zu können. Das Urheberrecht daran sollte ja abgelaufen sein. Wobei das natürlich Kritik auf sehr hohem Niveau ist, aber da mich dies beim Lesen etwas störte, wollte ich das nicht unerwähnt lassen; womöglich geht es noch anderen so.

    Und vielleicht noch ein Wort zum Material des Buches: Alles ist von hervorragender Qualität. Das Papier ist schwer und reißfest, der Einband stabil und trotz seiner schlichten Art sehr elegant; Fadenbindung ist heute auch nicht mehr Standard, Tippfehler habe ich keine gefunden, und der Druck ist überall gestochen scharf.

    Ich verweile mit freundlichen Grüßen

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  2. Wie Sie am letzten Link sehen, gibt es keine SG44-0, sondern höchstens eine g44. Immerhin könnte man die Ärmel aufgrund der Ärmelaufschläge auslassen. Aber zu schlank und groß ist leider ein Problem. Hilft nur trainieren : )

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  3. René Schneider

    Wieder am Thema vorbei, aber weil ich es gerade gelesen habe: Kennen Sie Walter Flex‘ Novelle „Der Wanderer zwischen den Welten“, die ja sogar Jüngers Stahlgewitter in den Schatten stellte, was die publikale Resonanz anging? In dem Fall würde mich Ihre Einschätzung interessieren, vor allem der Vergleich mit Jüngers Werk, was ich noch nicht kenne..

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  4. Den Namen Flex habe ich schon seit etlichen Jahren nicht mehr gehört. Ich bin nicht einmal im Zusammenhang mit Jünger wieder auf ihn gekommen, weshalb ich nun sofort das erste Drittel seines Wanderers gehört habe. Das ist natürlich im Vergleich zu Jünger eine ganz andere Welt, nämlich dem Leser sofort eingehend als echte Literatur. Und nicht nur das: Die Darstellung des Offizier- und Soldatengeistes, sowie das Moment der Kameradschaft zielen hier in eine ganz andere Richtung. Ich bin absolut sicher, daß deshalb auch die Absurditäten der Jüngerschen Schrift hier nicht auftreten, obwohl ich noch 2/3 vor mir habe.

    Ich danke Ihnen also vielmals für diesen Hinweis! Ich werde sicher in den kommenden Tagen hier einen Beitrag dazu veröffentlichen.

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  5. René Schneider

    Sehr schön, ich bin gespannt, wie sie das Werk bewerten. Ich habe zu wenig Ahnung von Literatur, aber meine Meinung, vielleicht als Ansatzpunkt:

    Das Werk bezieht seinen Reiz für mich! (fast) vollständig daraus, dass man weiß (oder glaubt zu wissen), dass alles so passiert ist. Ich bin sogar per GoogleMaps den Weg der beiden Kameraden „mitgegangen“. Ohne dieses „Reality“-Element bleibt es doch eher im Mittelmäßigen. Flex‘ Darstellung ist eher oberflächlich, er geht kaum in die Tiefe, er schreibt sehr pathetisch, gefühlt wird jedes Substantiv mit 2-3 Adjektiven unterlegt. Am Ende aber wird er besser, man kann sein Trauma verstehen und er findet die richtigen Worte, die nicht mehr so „schmierig-gefühlsduselig“ klingen, wie am Anfang. Aber es hilft natürlich ungemein, dass man immer im Hinterkopf hat: alles ist so passiert und daher die eigene Fantasie und das Mitgefühl ordentlich mithelfen.

    Irgendwo habe ich gelesen, dass Werk sei „homophil“ aufgeladen. Wer es liest, der wird auch bemerken, warum die Kritiker heute darauf kommen, aber mE handelt es sich um einen klassischen Fall von „Für einen Hammer ist alles ein Nagel“, oder platt gesagt: wer pervers ist, der sieht auch nur Perverses.

    In der Novelle gibt es einen schönen Absatz, wo Wurche sinngemäß sagt: wer nicht im & mit dem Volk die Tiefen durchlebt, der kann nicht Führer der Nation werden. Wenn Adolf Hitler und seine Anhänger die Erzählung gelesen haben – und davon darf man ausgehen – dann muss genau dieser Passus Wasser auf ihre Mühlen gewesen sein und kann vllt. den Führerkult nochmal plastischer verständlich machen.

    Zu guter Letzt: Beide Gräber gibt es noch: das von Flex ist in Estland auf Saaremaa und Wurche’s am Simnosee in Litauen.

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  6. Entschuldigen Sie die späte Antwort, Ihr Kommentar ist leider von WordPress nicht normal angezeigt worden.

    Was Sie zu „Kultur und Ingenium“ sagen, freut mich außerordentlich – wenn präzise jene Momente von einem Leser besonders geschätzt werden, worauf die Arbeit von ihrer ganzen Anlage her zielte, dann macht mich das besonders zufrieden.

    Zur Bellschen Ungleichung: Das sehe ich etwas anders. Die Bellsche Ungleichung gibt zweierlei Interpretationsmöglichkeiten, nämlich noch den Ausweg der überlichtschnellen Kommunikation. Und natürlich ist diese in der klassischen Mechanik ohnehin gegeben und muß als Alternative ernst genommen werden. Daß es eine solche Alternative gibt, ist auch rein logisch (ohne überhaupt physikalisch zu werden) gar nicht verwunderlich, aber mit der De-Broglie-Bohm-Theorie gibt es sogar die ausformulierte Gegeninterpretation. Keine der beiden Seiten kann ihre Variante beweisen. Und alles andere wäre auch höchst kontra-logisch. Denn die Frage nach der „realen Realität“, was also hinter der Messung sei, kann nie beantwortet werden. Sie ist ein menschliches, logisches Konzept, das über Meßbarkeit weit hinausgeht – eben ein philosophisches Problem, das der Physik gar nicht zugänglich sein kann.

    Einen solchen Bildband, wie Sie ihn vorschlagen, hatte ich durchaus 2013 im Visier. Aber die Rechte sind in der Tat nicht so frei, wie man glauben mag. Schon die Fotografie eines Gemäldes erzeugt wieder neue Urheberrechte. Allerdings glaube ich, daß die zunehmende Vollständigkeit des Internets in dieser Hinsicht eine Abbildung im Buch mittlerweile überflüssig macht. Bis auf wenige Ausnahmen (vielleicht ein halbes Dutzend?) sollten alle Kunstwerke, die ich in KuI anführe, über Suchmaschinen auffindbar sein.

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  7. Gast

    Ah ja, die Bohmsche Mechanik! Mea cupla, die hatte ich nicht mehr auf dem Schirm. Ja, wenn man die Physik so auffaßt, ist in der Quantenmechanik tatsächlich nichts Neues geschehen. Und was davon nun die Realität ist, kann man (zumindest heute noch) nicht sagen, womit Ihre Ausführungen natürlich richtig sind.

    Das mit dem Urheberrecht ist natürlich etwas schade. Es wäre schön gewesen, man man nur kurz zu blättern bräuchte, statt eine Googlesuche zu starten. Ich bin da etwas altmodisch. Auch wenn es natürlich auch über das Internet geht.

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