Fortschritt und Ordnung . Teil 1 . Der Rechner

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Man hört es oft: Seit 1950 gibt es keine substantiellen Erfindungen mehr. Ich gehe in dieser Reihe der Frage nach, warum das so sein könnte. Vor allem weil es eigentlich kein Verfallsphönomen darstellt, sondern auch vor 1850 die Erfindungsdichte sehr viel geringer ausfällt. Wir werden uns mit dem Gedanken beschäftigen, was große Entdeckungen mit der vorherrschenden Ordnung innerhalb einer Gesellschaft zu tun haben.

Aber zunächst beantworte ich die Frage, ob die Prämisse überhaupt stimmt: War die Dichte an Erfindungen und Theorie-Entwürfen zwischen 1850 und 1950 wirklich höher? Die erste kleine Fahrt befaßt sich dabei mit der Frage der Entwicklung des Rechners, der ersten modernen Errungenschaft, die einem in den Sinn kommt. Wir beschäftigen uns mit der Entwicklung der mechanischen und elektromechanischen Rechner und ihren Eigenschaften der Programmierbarkeit.

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8 Gedanken zu “Fortschritt und Ordnung . Teil 1 . Der Rechner

  1. Michael Boden

    Danke Herr Wangenheim, für den erhellenden Bericht zum Rechner,
    Sie sagen also, das Internet sei nur eine Weiterentwicklung des ZUSE RECHNERS:
    nun gut, das kann ich (bedingt) nachvollziehen.

    Aber was ist mit der Kernfusion? Die jetzigen zivilen Entwicklungen stehen ja wirklich
    immer noch in den Kinderschuhen, leider.
    Aber die H-Bombe wurde erst 1951 entwickelt, und sie hat ja das nukleare Abschreckungspotential erst wirklich so schrecklich gemacht, dass der atomare Schlagabtausch
    erst so wirklich unmöglich wurde, zu unser aller Nutzen (und Wohlstand). Oder??

    Und der drei D Drucker mit seinen ungeheuerlichen ökonomischen Auswirkungen?
    Was meinen Sie dazu?

    Und der LASER wurde, glaube ich , erst 1962 erfunden. Oder liege ich da falsch?
    Danke , Herr Wangenheim für ihre so kenntnisreiche Arbeit.

    Michael Boden

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  2. Nein, das Internet ist, wie ich auch schon zu mehreren Kommentaren auf Youtube geantwortet habe, nichts als öffentlich zur Schau gestellter Text, Bilder, Ton, Videos. Das ist gesellschaftlich nichts Neues und technisch ebenfalls nicht. Schauen Sie bitte nach den entsprechenden Kommentaren auf YT.

    Mir scheint, Sie wollen eher darauf hinaus, was zu sichtbaren Veränderungen im alltäglichen oder gesellschaftlichen Leben geführt habe. Darum geht es mir hier aber nicht. Ich suche nach großen Ideen, einzigartigen Gedanken und genialen Entwürfen.

    Zur Kernfusion sage ich anfangs des dritten Teils ein paar Sätze. Kurz: Die ist auch vor 1950 erstmals künstlich zustande gebracht. Sie ist bloß bisher nicht als Energiequelle nutzbar, weil der Wirkungsgrad miserabel ist. Und freilich, um das zu realisieren muß man sich Einiges einfallen lassen. Aber das ist eben nur die Summe von vielen kleinsten ingenieurstechnischen Maßnahmen, kein einziger großer, einzigartiger Gedanke.

    Ihre Beispiele 1951 (H-Bombe) und 1954 (Laser) können Sie gern noch zählen, wenngleich auch hier die Vorarbeiten älter sind. Aber es geht ja nicht um einen messerscharfen Schnitt im Jahr 1950, sondern den allgemeinen Trend, der um die Jahrhundertmitte extrem abgeflacht ist.

    Der 3D-Drucker ist ebenso wie das Internet nur ein Hype der Presse. Seit wann wird Hochtechnologie durch bloße Aneinanderreihung von Plastepünktchen konstruiert? Worin soll hier eine großartige Idee stecken? Man könnte genausogut aus Holz fräsen. Ist das beim Prototypenbau billiger? Ja. Ist es eine geniale Erfindung? Nein.

    Angesichts der eifrigen Bewunderung des Internets, der lebhaften Vergötterung des Quantencomputers und des wahrscheinlich beim nächsten Teil losbrechenden Sturms gegen meine Anschauungen zur Gentechnik schwirrt mir schon der nächste Vortrag vor Augen: „Die Aufmerksamkeitsgesellschaft und ihre Hoffnungen auf Revolutionen im Stillstand“ ; )

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  3. Beocheese

    Hallo Herr Wangenheim!
    Heute habe ich ihr Buch (ohne eine ISBN – Nummer) welcher auf der Verlagsseite angeboten wird, bestellt. Warte nun gespannt darauf. Der Algorithmus [ das Orakel] geht seine eigenen Wege. Gut, dass ich ihr Blog gefunden habe. Was ich sie fragen will ist, ob Sie eine Meinung zu William Delbert Gann haben. Damit meine ich nicht den monetären Aspekt sondern den Mathematischen.
    Beste Grüße aus berlin

    Beocheese

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  4. Ich grüße Sie! Schauen Sie bitte in den Spam-Ordner Ihrer E-Mail-Adresse! Dort ist eine wichtige Nachricht bezüglich der Buchbestellung eingegangen, die Sie gestern offenbar nicht erreicht hat.

    Herrn Gann kenne ich leider nicht. Können Sie dazu irgend eine Adresse verlinken, die mich aufklärt?

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  5. Beocheese

    Seien Sie gegrüßt Herr Wangenheim
    Ich meine zu glauben, in welche Richtung Ihr Buch geht, wir hatten sogar gestern eine dreistündige Debatte über die Leseprobe. Sicherlich ist Ihnen die Asimov’sche Beschreibung der Psycho-Historiker bekannt. Gerne werde ich Ihnen, nach Erhalt und Analyse Ihres Buches; bei welchem ich glaube, dass es um ein perpetuelles Geschichtsverständnis sich handelt, die über die fraktale Harmonie beschrieben wird, eine Reihe von negativen Fibonacci – Zahlen zukommen lassen, die das illusorische Momentum wiedergeben. Auch würde ich von Ihnen als Humboldt’schen Idealisten und ein Verehrer des Herrn von Knigge, Ihre Meinung zu dieser Thematik wissen wollen.

    http://www.gann.su oder der letzte Kinnhaken der Soviet Union

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  6. Das freut mich sehr zu hören, daß die ersten Seiten von KuI Sie bereits zu so angeregten Gesprächen veranlaßt hat! Ich kenne Asimov nicht, da ich keine Science-Fiction lesen, aber ich habe mir den Wiki-Artikel zum Thema angesehen und war recht erstaunt. Ich nehme an, daß Asimov sich von Spengler hat anregen lassen – nicht nur bzgl. seines zyklischen Geschichtsbildes, sondern auch was die „mathematische“ Vorhersehbarkeit angeht. Die ist freilich so streng wie bei Asimov weder bei Spengler noch bei mir gemeint, aber der Grundgedanke ist derselbe. Der wesentliche Unterschied scheint zu sein, daß Asimov die Veränderbarkeit der Geschichte annimmt, was freilich für einen Roman notwendig ist, um dem Ganzen einen Spannungsbogen zu geben. Dagegen würde sich der Geschichtsphilosoph allerdings immer verwehren, zumindest im Großen und Ganzen.

    Was Gann angeht, so habe ich die interessante Kurzbiographie gelesen, aber man müßte hier den mathematischen Hintergrund genauer kennen (sofern überhaupt vorhanden und nicht bloß Spielerei), um die Kredibilität des Herrn einschätzen zu können.

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  7. Beides Vorkriegserfindungen! Plaste ist außerdem keine Neuerung, da es fast nichts gibt, was nicht ohne Plaste gehen würde, es ist ein bloßer Billigersatzstoff. Und auch beim Hubschrauber könnte man, selbst wenn er eine Nachkriegserfindung wäre, an seiner substantiellen Neuheit zweifeln. Es handelt sich ja mehr oder weniger um ein sehr instabiles Flugzeug auf dem Rücken. Detailproblem.

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