The Mandalorian . Staffel 2 . Die Wendung zum Guten (Teil 2)

Ich hatte mich im ersten Teil dieser Drehbuchanalyse nur mit den bis dahin veröffentlichten drei ersten Episoden der zweiten Staffel befaßt und war zu dem ernüchternden Ergebnis gekommen, daß die Aussicht für den Rest der Staffel trübe sei. Das bleibt vollauf bestehen. Die Gründe dafür wurden auch mit dem Folgenden nicht widerlegt.

Aber wie der Titel dieses Beitrags bereits ahnen läßt, hat sich die Qualität der folgenden fünf Episoden sehr positiv von den ersten dreien abgehoben. Nicht alles ist in Butter gebraten, aber die Sache hat sich sehr ordentlich und sogar großartig wieder eingerenkt. Ich möchte daher vor der eigentlichen Analyse auch meine ausdrückliche Empfehlung für die zweite Staffel aussprechen. Dies vor allem deshalb, weil ich im Folgenden alles werde verraten müssen, was den hauptsächlichen Reiz der Erzählung ausmacht. Lesen Sie es also bitte erst, nachdem Sie die zweite Staffel komplett gesehen haben.

*

War in den ersten Episoden der zweiten Staffel die Gesamterzählung noch kaum einen Fußbreit fortentwickelt worden, so setzt gleich die vierte mit einem Paukenschlag an. Der Mandalorianer hilft seinen alten Gefährten nämlich, einen halbverlassenen, nur noch als Waffenlager dienenden Außenposten des Imperiums auszuschalten, und entdeckt dabei, daß jener abgelegene Komplex durchaus nicht verlassen und vor allem nicht unbedeutend ist, sondern dort eine geheime Klonforschung stattfindet, worin man offenbar mit dem Blut des Yoda-Kindes, das einst kurz in den Händen des Imperiums war, Versuche veranstaltet, eine Jedi-Klon-Armee aufzubauen. Das gab der ganzen Erzählung einen nach drei statischen Folgen bitter nötigen Vortrieb.

Daß die Art und Weise, wie es zu dieser neuen Information kommt, dennoch sehr dilettantisch vorgetragen ist, nämlich, indem der Mandalorianer einmal mehr eine Reparatur seines Schiffes benötigt und also wieder einen Side-Quest-Deal mit seinen alten Verbündeten eingeht, zeigt allerdings, daß an der Verknüpfung der einzelnen Episoden durchaus noch einiges an Hirnschmalz mehr hätte eingebracht werden können. Dennoch, es war wieder Fahrt in die Sache gekommen. Und dieser Schwung wurde bis zum Schluß nicht wieder verloren.

Episode fünf ist allerdings, obgleich der Mandalorianer nun endlich einen Jedi für das Yoda-Baby findet und so eigentlich das Ende nah scheint, erneut hauptsächlich nur eine Einschub-Folge. Denn die Jedi-Ritterin (zu den weiblichen Charakteren später mehr) will den Kleinen durchaus nicht an sich nehmen und schickt den Mando, nachdem sie gemeinsam ein versklavtes Dorf befreien, auf einen Planeten, wo er auf einem Seh-Stein das Kind plazieren soll, was die Jedi des Quadranten von seiner Existenz informieren und einen solchen anlocken müsse. Also wieder einmal wird er von Planet zu Planet geschickt und befreit nebenbei die Unterdrückten der Galaxis. Das bekannte, aber – wie bereits beim letzten Mal diskutiert – nicht ganz schlüssige Schema. Daß die Jedi-Ritterin ihr Wort nicht hält – denn sie hatte bei erfolgreicher Befreiung des Dorfes die Ausbildung Grogus (der Name des Kindes) zugesagt – ist allerdings eine merkwürdige Ungereimtheit für ein Star-Wars-Unisversum.

Nun muß ich einschieben, daß ich fälschlich angenommen hatte, Moff Gideon sei ein dunkler Jedi. Mir war, als klinge Moff ähnlich wie Darth (Maul), was mir lächerlicherweise eingab, daß Moff ein dunkler Jedi-Rang wäre. Meine Vermutung war also, daß Grogu auf dem Seh-Stein gerade ihn anlocken würde. Das geschah zwar auch, allerdings aufgrund eines Peilsenders am Schiff des Mandalorianers. Auch Boba Fett trifft ein und fordert vom Mandalorianer seine Rüstung zurück, die er zu Beginn der Staffel von jenem unrechtmäßigen Träger eigentlich im Kampf hätte gewinnen sollen, aber durch das erste Side-Quest der Staffel erhalten hatte. Sie sehen, daß auch das alles sehr nach 90er-Jahre-Point-and-Click-Adventure riecht – denn Boba Fett wird jetzt für den Schluß gebraucht. Aber die Folge präsentiert uns an sich keine Lächerlichkeiten, sondern führt zu jener Katastrophe, die man schon seit 13 Kapiteln erwartet und eine sehr effektvolle Grundspannung in die Erzählung gelegt hat, wenn der Mandalorianer einmal wieder allein unterwegs sein mußte: Das Kind wird entführt. Und zwar – nachdem zwei Züge Sturmtruppen gegen die nun drei Verbündeten Mando, Boba und seine Begleiterin erfolglos vorzudringen versuchen – von vier unaufhaltsamen Dunkeltrupplern: Kampfandroiden, die vom Kreuzer Moff Gideons gestartet werden.

Erlauben sie mir noch eine Bemerkung zu der, wie Sie sehen, recht schwankenden Qualität der Episoden. Ich will mit dieser Einteilung in „leere“ und „gehaltvolle“ Episoden nicht zu viel sagen. Immerhin handelt es sich ja nicht um Bruchstücke eines Kinofilms. Mir ist also durchaus bewußt, daß eine Serie ganz anders erzählen muß, als ein Film, daß es also sozusagen Erholungspausen in der einen oder anderen Folge geben kann, vielleicht sogar soll und muß. Die Kritik bezieht sich hier vor allem darauf, wie sehr sich die Muster dieser Folgen ähneln und also erzählerisch einfach einen faden Beigeschmack zurücklassen. Und insofern es sich ja hier um eine Drehbuchkritik handelt, muß dergleichen immerhin erwähnt sein.

Daß es besser geht, zeigt die vorletzte Episode, die man ebenfalls als Side-Quest interpretieren kann, aber doch in einer ganz anderen Liga spielt. Nun nämlich, um das Kind wieder zu befreien, benötigt man zunächst die Koordinaten des Kreuzers Moff Gideons. Dazu wollen der Mando, die gute alte Xena und Boba Fett mit Gehilfin in ein Bergwerk des Imperiums eindringen und dort die Information aus einem imperialen Computer-Terminal erlangen. Um jemanden dabei zu haben, der sich mit dergleichen auskennt, holen sie den ehemaligen imperialen Scharfschützen und Witzbold Mayfeld, den der Mando aus einer echten Side-Quest-Folge der ersten Staffel kennt und von dem er hintergangen wurde, aus einem Strafbergwerk.

Warum aber ist diese Folge erzählerisch so viel besser als die sonstigen Einschub-Episoden? Erstens spielt sie direkt in der Haupthandlung und stellt darin ein neues Problem und seine Lösung dar: den direkten Weg zur Befreiung des Kindes. Der Mandalorianer wird also nicht von Aufgabe zu Aufgabe geschickt und an immer neue Destinationen vertröstet, sondern sucht sich seine Information direkt und eigenhändig selbst – aktiv, statt passiv. Zweitens aber wird in dieser Folge ein geniales, altes Star-Wars-Prinzip bemüht, nämlich das des gemeinsamen Kampfes einer Doppelspitze aus einem Idealisten und einem scheinbar ehrlosen Draufgänger.

Erinnern Sie sich einmal an die Heldenkonstellation des ersten Kinofilms. Da haben wir den eigentlichen Hauptcharakter Luke Skywalker, der die Galaxis retten will und hochmoralisch veranlagt ist. Neben ihm kämpft freilich Obi-Wan, aber mehr doch für sich. Sein eigentlicher Mitkämpfer ist Han Solo – ein eigennütziger, unmoralischer Schmuggler, der sich zunächst mit dem Imperium gar nicht anlegen will und die Sache für allzu heiß hält. Genau diese Position nimmt Mayfeld nun gegenüber dem Mandalorianer ein, welcher, wie Skywalker einst, längst zu einer höheren Aufgabe gefunden hat und sich überhaupt als Mitglied eines Ordens mannigfaltigen Regeln unterwirft und damit seine ganz eigenen Prinzipien hat. Der Kontrast der beiden ist eine wunderbare Grundlage für witzige Dialoge und eine vielseitige Rollenverteilung. Ob dies bewußt geschah oder eine glückliche Inzidenz ist, spielt im Grunde keine Rolle.

Wahrscheinlich ist es aber ganz bewußt geschehen, denn auch im Detail ist die Episode eine Art Neuerzählung des ersten „Krieg der Sterne“-Films: Man dringt heimlich (und in feindlichen Vehikeln) in eine imperiale Station ein, verschafft sich unter dem Radar Zugang zum Hauptcomputer usw. Diesmal geht es freilich nur um eine Position, nicht die Baupläne, um eine Station zu zerstören, aber die Lage ist ausgesprochen ähnlich. Auch hier könnte man gewisse Feinheiten kritisieren, wie jene letztlich aber unbedeutende Lächerlichkeit, daß man am Terminal sein Gesicht zeigen muß, ohne daß damit jedoch eine Authentifizierung stattfände – denn der Mando ist es letztlich, der die Sache in die Hand nimmt, und unmöglich im imperialen System authentifiziert sein kann. Aber darauf kommt es im Grunde nicht an. Scheinbar wollte man lediglich immer öfter das Gesicht des Mandalorianers zeigen, um den Zuschauer daran zu gewöhnen, daß er womöglich später gar keine Maske mehr trägt.

Bedeutender ist jene typisch altmodische Star-Wars-Szene, in der ein ehemaliger Vorgesetzter Mayfelds die beiden unerkannten Eindringlinge in ein Gespräch verwickelt, vom Imperium schwärmt und von eben diesem unsteten Hitzkopf Mayfeld mit einiger Gegenrede herausgefordert wird – wobei man bereits denkt: Ist der Kerl verrückt? – und ihn schließlich wegen allzusehr auf die Nerven gehender imperialer Phrasen am Kantinentisch kurzerhand mit der Laserpistole von Stuhl schießt. Wer möchte da nicht an Han Solo denken, der zu Beginn des ersten Kinofilms in einer Bar ebenfalls als erster die Waffe gegen einen anderen Kopfgeldjäger zieht. Das ist Star-Wars: Aus Unüberlegtheit ganze Kompagnien gegen sich aufhetzen, dabei witzig kommentieren und doch einigermaßen realistisch und gewitzt aus der Situation wieder herauskommen. (Übrigens wäre das auch eine typische Indiana-Jones-Tollpatschigkeit)

Gleichsam ist in dieser Episode auch die Rolle der weiblichen Charaktere realistischer gewählt. Denn diese stehen auf einem fernen Hügel, um bei der Flucht der beiden Eindringlinge aus der Ferne schießend mithelfen zu können – und sie werden ja auch gerade nach dem kleinen Zwischenfall dringend gebraucht. Hingegen wird in der Schlußepisode Xena (Cara Dune) nach einer Ladehemmung die Stromtruppen nur noch mit der bloßen Hand töten. Wenn der Mandalorianer in seiner Rüstung das tut, braucht er ein paar Sekunden, um einen so gepanzerten Imperialen zu erwürgen, die Dame hat nach zwei Sekunden ein halbes Dutzend auf dem Gewissen. Nun, Realismus ist nicht die Paradedisziplin solcher Science-Fiction-Filme, aber auch innerhalb dieser gibt es gewisse Machbarkeitsregeln, die, ignoriert, das Flair zerstören.

Auch bei der Verteidigung Grogus auf dem Sehstein geht die lächerliche Frauenpower-Show schon vor sich, als die Sturmtruppen von der Helferin Boba Fetts wie Pappkameraden um die Ecke gebracht werden. Und die letzte Episode beginnt diesbezüglich auch ungeheuer angestrengt, als zunächst ein sehr unnötiges Kräftemessen zwischen den nun zur Befreiung Verbündeten Boba Fett und der Zofe der Mando-Prinzessin beginnt. Das alles bleibt wie immer bei überstarken Frauenfiguren lächerlich absurd. Andererseits werden die weiblichen Figuren, trotz ihrer scheinbar doch überragenden Kampfqualitäten immer in der zweiten Reihe der Figurenkonstellation gehalten. Und auch wenn das wieder im Vergleich zu ihrer Kampfkraft unstimmig ist, so ist doch wenigstens verhindert, daß solche nichtssagenden Charaktere (im Grunde alles kleine Rays) den Erzählstrang zerstören. Darf man das den Kompromiß mit dem Zeitgeist nennen? Nun ja, er ist in dieser Form gerade noch erträglich.

Aber dann hebt die Schlußepisode wirklich an: Man versucht, ebenfalls sehr in alter Star-Wars-Manier, mit einem gekaperten imperialen Shuttle und einer fingierten Notsituation in den Kreuzer Moff Gideons zu gelangen. Auch ist bereits klar, daß die Retter mit einer Staffel Dunkeltruppler konfrontiert sein werden.

Ich überspringe das durchaus konsistente Hin und Her mit den Dunkeltrupplern, Moff Gideon, dem Kind und den anderen, die sich durch das Innere des Kreuzers kämpfen. Auch übergehe ich die Tatsache, daß das Dunkelschwert, von dem bereits in der 3. Folge die Rede war, vom Mandalorianer im Kampf gegen Gideon erworben wird, er es aber aus Ehrgründen der Mando-Prinzession, die es als Oberhaupt eigentlich bräuchte, nicht übergeben darf, sondern im Kampf gegen sie verlieren müßte. Aber das könnte ein interessanter Aufhänger für eine Fortsetzung sein.

Nein, es geht um den großartigsten Einfall der ganzen zweiten Staffel, nämlich darum, wie die zunächst durch List in den Weltraum abgesaugten Dunkeltruppler wiederkehren und die auf der Brücke versammelten Eindringlinge (zusammen mit dem frohlockenden Gefangenen Moff Gideon) zu überwältigen drohen. Die Herren Droiden klopfen nämlich bereits gewaltig an die berstende Brückentür, da fliegt draußen ein X-Wing den Kreuzer an. Xena bemerkt ironisch: Na toll, ein einzelner X-Wing… der wird uns retten! Aber die Dunkeltruppler halten tatsächlich ein und wenden sich um. Aus dem X-Wing steigt nämlich ein Mann im dunklen Umhang, offenbar ein Jedi, und beginnt mit Leichtigkeit einen nach dem anderen Dunkeltruppler zu zerteilen oder zu enthaupten – während der Mandalorianer mit einem einzigen zu Beginn völlig an seine Grenzen gekommen war.

Man darf nun freilich nicht von sich auf alle Zuschauer schließen, aber da mein Bruder, mit dem ich es ansah, sich, wie er mir nachher berichtete, einen Tag zuvor hatte ausversehen „spoilern“ lassen, kann ich nur von meiner eigenen Warte aus berichten: Ich jedenfalls dachte mit keiner Silbe auch nur im Entferntesten daran, daß der Jedi, der schließlich auf der Brücke angekommen seine Kapuze lüftet, kein anderer ist als der junge Luke Skywalker (offenbar per Deepfake auferstanden, wie auch schon einst Tarkin).

Daß ich davon überrascht werden konnte, mag daran liegen, daß ich die Zeit, in der die Mandalorianer-Serie spielt, nicht recht im Kopf hatte. Ich hätte sie etwas später geschätzt. Aber ich bin eben kein Star-Wars-Enthusiast, sondern ein Interessierter, der die drei Hauptfilme kennt (von denen bereits der letzte manche Unschönheit hatte), die Prequels, von denen immerhin der erste noch recht gut war, und die letzten drei gedrehten Filme zwar als nette Popcorn-Filme ansieht, aber nichts vom Star-Wars-Universum gespürt hat. Ich darf mich also als ziemlich durchschnittlichen Zuschauer betrachten, der sogar den imperialen Rang des Moff mit dem eines Sith-Lord verwechseln kann. Und für einen derart durchschnittlich Beleckten war es eine wirklich gelungene Überraschung: Der rettende Jedi, der offenbar sein Handwerk bis zur Perfektion verstand, entpuppt sich als der Held der Ursprungsfilme. Warum ist das so großartig?

Nicht nur, weil es ein wunderbar überraschendes Moment darstellt, wie ebenso die Entdeckung des Yoda-Babys in der ersten Folge der Serie, und mit diesen beiden großartigen Ideen das Parallel-Abenteuer des Mandalorianers mit der ganz großen Erzähllinie des Kriegs der Sterne verknüpft wird, sondern vor allem, weil denen, welche die letzten Kino-Filme als reichlich unwürdige Fortsetzung erachteten, nun eine wirklich gelungene Anschlußerzählung geliefert wurde. Nicht die lächerliche Geschichte um Kylo Ren und Rey, die eher einem mittelmäßigen Fandom-Comic-Abenteuer ähnelt und anmaßenderweise mit den Hauptcharakteren Han Solo und Luke Skywalker hantiert, sondern das hier, The Mandalorian, ist die ernsthafte Fortsetzung der drei Originalfilme. Und das muß jeden Star-Wars-Freund nach dem Faux-Pas der letzten Kinofilme wieder versöhnen.

Gelegentlich hört man daher den Vorwurf des Fan-Service. Aber Fan-Service heißt, eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauern gefällt, also gut in das bestehende Universum eingebettet ist. Wenn dies nicht gerade vorhersagbar langweilig geschieht, was hier offentlichlich nicht der Fall ist, handelt es sich bei diesem Vorwurf letztlich um ein Kompliment. Denn was soll so eine Serie sonst leisten als genau das?

Damit sind die beiden Hauptideen der vorliegenden Staffeln wirklich genial zu nennen. Das Zielobjekt des Kopfgeldjägers stellt sich in der ersten Episode der Serie aus der Sicht des Mandalorianers als ein völlig harmloses Baby heraus, von dem der Star-Wars-Zuschauer aber sofort erkennt, wie bedeutsam dieser Fund ist. Das ist schon Zeichen genug, wie tief, einfach und selbsterklärend diese Idee in das Star-Wars-Universum eingebettet ist. Im Grunde handelt es sich durchgängig um neue Figuren, aber zugleich kennt man sie dennoch alle schon. Und damit ist bereits ein idealer Personenkatalog für eine erfolgreiche Fortsetzung der Saga geschaffen. Mit dieser simplen Entdeckung wird die ganze, umfängliche Problematik der Serie konstruiert.

Die zweite Große Idee, mit der die Erzählung durch die für den Zuschauer völlig nachvollziehbare Übergabe des Kindes zu einem äußerst befriedigenden Ende kommt, ist das Erscheinen des alten Helden Skywalker. Die Figur des Mandalorianers, wie groß sie auch gewachsen sein möge in den Augen des Zuschauers, verblaßt vor diesem plötzlich hereinbrechenden Charakter des Urbildes des Jedi-Ritters vollständig. So wie das Yoda-Baby eine bereits starke Bindung zu seinem Beschützer entwickelt hatte, so sehnsüchtig faßt es aber auch schon auf den Bildschirm der Überwachungskamera, als der noch unerkannte Skywalker lichtschwertschwingend durch die Korridore der Brücke naht. Die Hinwendung auf die neue Bezugsperson, sowohl für das Kind als auch den Zuschauer ist durch die aus der Erinnerung wiedererwachte Überfigur der Star-Wars-Saga vollkommen glaubwürdig und natürlich. Und allein dafür ist bereits das Prädikat Geniestreich gerechtfertigt.

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3 Gedanken zu “The Mandalorian . Staffel 2 . Die Wendung zum Guten (Teil 2)

  1. Pingback: The Mandalorian . Staffel 2 (& 1) . eine Drehbuchkritik – Die Reisen des wunderlichen Herrn Wangenheim

  2. Sehr geehrter Herr Wangenheim,

    Sie Schreiben:
    „Die Gründe dafür wurden auch mit dem Folgenden nicht wiederlegt.“

    Flüchtigkeitsfehler „widerlegt“.

    Weiterhin:
    „denn der Mando ist es letztlich, der die Sache in die Hand nimmt, und unmöglich im imperialen System authentifiziert sein kann“

    Bitte Beachten Sie, Herr Wangenheim, dass die Klonkrieger, die zumindest in der Prequel-Trilogie den Hauptteil der Sturmtruppen ausmachen, eben dies sind Klone. Eine der Mandalorian war es aber auch, der sich einen Klon für sich gewünscht hat.
    Ergo könnte Mando doch derjenige sein, der die genetischen Grundlagen der Klonarmee teilt und deshalb erkannt wird.

    Das macht zwar die Authentifizierung mit einem Gesicht relativ absurd, allerdings lässt sich das sogar kitten, indem man behauptet, dass der Computer pauschal ALLE Klonkrieger unbeachtlich etwaiger individueller Unterschiede, durchlässt.
    Das Imperium wusste schlicht nicht, dass es ein einziges Individuum gibt, das erfolgreich durch dises Raster fällt und das war ja auch im Grunde nicht gefährlich. Mandalorianer haben meines Wissens keinen Antrieb zum Heldentum, sie sind eher Kopfgeldjäger.

    Weiterhin:
    „Nun, Realismus ist nicht die Paradedisziplin solcher Science-Fiction-Filme, aber auch innerhalb dieser gibt es gewisse Machbarkeitsregeln, die, ignoriert, das Flair zerstören.“

    Meine Rede!

    Weiterhin:
    „den Vorwurf des Fan-Service“

    Der Vorwurf des Fanservice kommt meines Wissens zunächst aus dem Animie-Fandom und sprang dann auf „westliche“ Scifi-Fans über.
    Egal ob mit künstlerischen Anspruch oder nicht – bei Hollywoodfilmen steht der künstlerische Wert ja ohnehin in Zweifel – , es gibt bei Erzählungen ebenfalls gewisse Regeln.
    Dass da gewisse Dinge nur passieren können, weil der Fan sich das so vorstellt, ist eigentlich schlecht. Solange es ein oder zwei Mal passiert, ist es okay, zu oft ist nervig.

    Wenn man schon ein Genre bedient, welches mit Paralleluniversen, Zeitreisen und übermenschlichen Mächten hantiert, ist es viel zu einfach, die üblichen Regeln außer Kraft zu setzen.
    Da ist die Gefahr groß, dass sich ein Hypermoralismus, wie er die westliche Welt zunehmend vereinnahmt, bahn bricht und dann „die Guten“ entgegen aller realistische Erwartungen gewinnen. Also z. B. das Model gegen den Sportler im Kampf gewinnt.

    Wobei unsere Geschichten natürlich vom heroischen Kampf zwischen Gut und Böse erzählen, der edele Ritter am Ende den Drachen bezwingt, der rechtmäßige König wieder auf den Thron kommt und die selbstlose Liebe der beiden Hauptfiguren sie sogar vor dem schlimmsten rettet.
    Ja, aber die Figuren aus klassischen Heldensagen versagen auch, müssen dazulernen und wachsen. Die neuen, „woken“ Helden müssen nur die richtige Gesinnung haben…

    Ich breche an der Stelle ab.

    Gefällt 1 Person

  3. Danke für den Hinweis auf den Fehler. Gut, ich gebe zu, das ist eine nachvollziehbare Verbindung zu den Klonen, die Sie da ziehen. Ich kenne mich da nicht besonders aus, aber ich dachte, die Klone seinen Kopien von Boba Fett? Aber ich bin da wie gesagt Laie.
    Zum Fan-Service: Ich sehe das etwas anders. Wenn etwas passiert, weil der Fan es sich vorstellen kann, ist es doch mit dem Genre oder Filmuniversum konsistent. Wäre es das nicht, würde es dem Fan aufstoßen, so verstehe ich das. Die Ray-Geschichten wurden ja gerade von den alteingesessenen Fans verworfen, weil eben das übliche Universum verlassen wurde.

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