„Migration und die Kultur Europas“ . Teil 1 . Leserfragen und Antworten

Heute beantworte ich die Fragen und Gegenargumentationen meiner Leser, nachdem meine kleine Schrift „Migration und die Kultur Europas“ vor einem guten Monat erschienen ist.

Zunächst ein paar Worte, wie die Schrift zu lesen sei. Das schmale Heft ist meine erste Veröffentlichung nach „Kultur und Ingenium“. Die große Lücke von sechs Jahren zwischen beiden Schriften zeigt bereits an, daß ich nicht jeder gedanklichen Kleinigkeit wegen einen Text in den Druck gebe. Gerade nur, weil es sich um eine außergewöhnliche Gedankenreihe handelt, habe ich diesen besonderen Schritt hier getan.

Der Leser darf also annehmen, daß in diesem Büchlein einiges mehr passiert, als in einer sonst gewöhnlichen Veröffentlichung unserer Zeit. Es ist deshalb auch unbedingt nötig, daß scharf mitdenkend gelesen wird. Daß aber gerade das nicht immer geschah, zeigte mir ein Leser-Kommentar, der leider zu früh die dargestellte Sache als bereits verstanden abhakte. Er schreibt:

Dass das absolute BIP wichtiger ist (weltpolitisch gesprochen) als das BIP pro Kopf, das habe ich in Gesprächen mit Han-Chinesen schon mal gehört. In Festlandchina wächst beides ja sehr rasant. Allerdings sind Sie nicht auf die Wichtigkeit vom BIP-nominal und BIP nach Kaufkraft eingegangen.

Ich vernahm im oben zitierten Briefchen, daß im Heft nichts zu lesen sei, das man nicht schon einmal hier und dort gehört habe, das aber die bekannten Äußerungen zum Thema Migration noch einmal schön zusammenfasse. Wäre das der Fall, so hätte ich mir jedoch den Aufwand der Drucklegung freilich nicht gemacht.

Der bloße Fakt des absoluten BIP (Bruttoinlandsprodukt) als weltpolitischer Größe, ist selbstverständlich nicht der entscheidende Punkt. Denn das wäre in der Tat eine längst bekannte Tatsache, die in jeder VWL-Einführungsvorlesung zu hören ist, ja in jeder politischen Diskussion in den Vereinigten Staaten. Entscheidend ist hingegen, daß dies die wirtschaftlich bedeutendste Größe für eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe ist, nämlich die Elite, während das Bürgertum eine andere Größe für entscheidend hält, nämlich das BIP pro Kopf. Und nicht nur das, sondern daraus folgend die Tatsache, daß diese distinkte Differenz in der ökonomischen Anschauung auch eine distinkte Differenz in Hinsicht auf die Beurteilung der Migration durch diese beiden Klassen (Bürgertum und Elite) bedeutet. Und das ist freilich eine ganze Menge mehr, als dieser Leser aus dem Text entnahm. Seine Enttäuschung über die fehlende Betrachtung von realem und nominalem BIP hingegen, was nichts anderes als die Inflationsfrage ist, bestätigt dieses Nichtverständnis. Denn die Inflationsfrage betrifft sowohl das Gesamt-BIP als auch das relative, kann also keine Bedeutung in dieser Frage haben. Lesen Sie also bitte bewußt und konzentriert. In dieser Schrift ist jeder Satz entscheidend und hat seinen Sinn.

Die erste konkrete Frage, die wir angehen wollen, beschäftigt sich ebenfalls mit der Bedeutung der nationalen BIP:

Sie schreiben, es zähle nur die Quantität staatlicher BIPs, was zu einem gewissen Grad auch richtig sein möge, aber diese BIPs setzen sich auch zu erheblichen Teilen aus multinationalen Unternehmen zusammen, welche in verschiedenen Staaten operieren. Welches primäre Interesse sollten diese Unternehmen an staatlichen BIPs haben?

Warum also sollten Unternehmen und deren Führer (die Elite also) Interesse an ausgerechnet rein staatlichen BIP haben? Für die Unternehmen im militärisch-industriellen Komplex gilt schlicht: Höheres BIP des Staates führt zu mehr Militäraufträgen. Aber auch für Konsumgüterhersteller ist die Erhöhung des BIP (bei gleichem BIP/Kopf, also bei Erhöhung der Bevölkerungszahl, wie im Heft argumentiert) unmittelbar mit Umsatzsteigerungen verbunden.

Dass die Elite eine große Profitgier umtreibt, ist sicherlich klar, doch versetze ich mich in die Gedankenwelt eines Multimilliardärs (so gut es mit meinem beschränkten Horizont möglich ist), so meine ich, dass Geld nur noch eine sekundäre Rolle spielt. Ich hätte Sehnsucht nach Dingen wie Macht und Unsterblichkeit. Unsterblichkeit einerseits durch das Hinterlassen eines ewigen Vermächtnisses, andererseits ganz direkt durch verlängerte Maßnahmen des eigenen Lebens.

Hier ist zunächst richtigzustellen, daß Profitgier und Macht nicht zwei verschiedene Dinge sind. Denn das Vermögen, das irgendwo investiert ist, bedeutet wirtschaftliche Macht und damit (über Lobbyarbeit) auch politische Macht, deren Konsequenzen sich wieder positiv im Vermögen niederschlagen. Das ist dann auch das wirtschaftlich-politische Vermächtnis dieser Elite.

Zweitens ist die Frage der Lebensverlängerung interessant: Auch hier muß die Elite nicht für sich persönlich in Pharmaunternehmen oder Gentechnik investieren, sondern die Masse der Menschen investiert gewissermaßen ganz von selbst. Gerade Pharmaunternehmen wenden riesige Summen zur Entwicklung von Medikamenten auf, die dann recht günstig hergestellt werden können. Es kommt also hier auf enorme Investitionssummen an, die am leichtesten durch eine große konsumierende Bevölkerung erbracht wird, die jene Forschung über Krankenversicherung usw. bezahlt.

Womöglich wäre es Eliten lieber, die Massenmigration gestalte sich in ihrem Sinne möglichst konfliktfrei, doch auch die erwarteten Unruhen können wiederum gezielt zur Durchsetzung des totalitären Staates genutzt werden.

Diese Beobachtung ist im Ganzen nicht falsch. Aber der totalitäre Staat im klassischen Sinne kann nicht das Ziel der Elite sein, da dieser der freien Wirtschaft Beschränkungen auferlegt (gelenkte Marktwirtschaft oder gar Planwirtschaft).

Eine Leserin schreibt:

Auf der Seite 20 schreiben Sie:“ Was noch fehlt ist Raum….. Und dieser Raum ist sowohl auf dem Territorium der Vereinigten Staaten als auch in Europa in rauhen Mengen vorhanden.“ Ist das wirklich so? Meinen Sie damit beispielsweise die verödeten Regionen Deutschlands? Ist das wirklich in rauhen Mengen vorhanden?. Hier wäre ein Beispiel für den Leser interessant gewesen. Auf der Seite 27 steht: „Und so muß und vor allem soll der Geburtendruck ständig abgebaut werden.“ Hier dachte ich, wenn man das vorherige liest, müßte das Wort „aufgebaut“ stehen. Leider verstehe ich den Satz in diesem Zusammenhang nicht.

Ja, dieser Platz ist in rauen Mengen vorhanden. Das Beispiel Japans zeigt das deutlich: Auf der gleichen Fläche wohnen dort anderthalb mal so viele Menschen wie in Deutschland. Daß das mit einer Absenkung des Lebensstands verbunden ist, bleibt unbestritten.

Mit Abbau des Geburtendrucks ist folgendes gemeint: Eine derart hohe Geburtenrate, wie sie derzeit in Afrika herrscht, muß innerhalb kürzester Zeit zu Überbevölkerung führen. Die Ressourcenbegrenzung würde zu Kriegen und Bürgerkriegen führen. Indem wir das Ventil an den Grenzen Afrika öffnen, bauen wir den Bevölkerungsdruck ständig ab, sodaß immerfort Geburten sprießen können und die Weltbevölkerung steigt. Würden sich die Afrikaner in Kriegen verzeheren, wären sie hingegen für die Weltwirtschaft verloren.

Daran schließt sich die Frage, ob überhaupt das Ziel der Elite (auch historisch) eine möglichst zahlreiche Bevölkerung war, wie es in „Migration und die Kultur Europas“ behauptet wird.

Allerdings wäre es darüber hinaus interessant gewesen, den Kurfürsten von Brandenburg und späteren preußischen Königen, die daran interessiert waren, ihr eher unfruchtbares Land zu peuplieren, auch Phänomene wie das im 18. Jahrhundert stattfindende sog. Clearing of the Highlands gegenüberzustellen, bei dem sowohl die örtlichen Feudalherren als auch das (englische) Königtum offenbar überhaupt kein Interesse an einem dicht – oder auch nur einigermaßen „normal“ – besiedelten Herrschaftsgebiet hatten. Die Leute, die das betraf, waren zwar bettelarm und fielen den Grundherren in erster Linie zur Last, aber ich finde es schon bemerkenswert, dass die Antwort darauf nicht bspw. in der Ansiedlung von Manufakturen o.ä. und der Errichtung von Schulen bestand, sondern darin, das schottische Hochland quasi zu entvölkern und in eine riesige Schafweide zu verwandeln. Auch die Hungersnot in Irland von 1848 ließe sich in diesem Kontext anführen, bei der, wenn ich die Zahlen richtig in Erinnerung habe, die Bevölkerung um zwei Drittel dezimiert wurde (ein Drittel verhungerte, ein zweiter wanderte aus) und die nur deshalb so verheerend wirkte, weil die englischen Grundbesitzer die zwar sehr schmale, aber an sich ausreichende Kartoffelernte zum Verkauf nach England abtransportierten, was bedeutet, dass die „Erhaltung“ ihrer Pächter für sie keine Priorität hatte. Zwingend ist der Schluss, einen (hier sogar drastischen) Bevölkerungsrückgang vermeiden zu wollen, auch aus dem Blickwinkel der kühl kalkulierenden ratio mithin keineswegs, vielmehr kann er nur unter bestimmten Umständen Geltung beanspruchen.

Für den Fall der irischen Hungersnot von 1848 möchte ich nur zu Bedenken geben, daß u.U. die Ernte bereits verkauft war, bevor der Hunger einsetzte, denn man hatte zunächst angenommen, daß die irische Ernte von der europaweit grassierenden Kartoffelkrankheit nicht betroffen sei und man daher im Vorfeld zu hohen Preisen verkauft hat (siehe Buddenbrooks: Verkaufen des Korns auf dem Halm).

Daß die Highland Clearings scheinbar dem angestrebten Bevölkerungswachstum entgegenstehen, erklärt sich aus der von der Leserin bereits erwähnten Armut der Gegend. Hier wirkt einfach die Malthusianische Falle. Schottland befand sich an der Grenze der Ernähungsfähigkeit. Das Land war schlicht nicht besonders ertragreich. Auch die Landlords waren daher verhältnismäßig arm. Eine forcierte Industrialisierung war also gar nicht möglich.

Überhaupt müssen Sie verstehen, daß die industrielle Revolution zwar die agrarische Produktion ausgesprochen hat explodieren lassen. Gleichwohl ist auch die Voraussetzung der Industrialisierung eine hohe agrarische Produktion (siehe „Kultur und Ingenium“: Warum der Bau der Eisenbahn im Mittelalter einer katastrophale Idee gewesen wäre, statt Fortschritt zu sein). Die für die neue Produktionsart nötigen Menschen mußten ja dem agrarischen Produktionszweig, wo fast die gesamte Bevölkerung betätigt war, entzogen werden. Und das ist nur möglich, wenn hier bereits deutlilche Überschüsse erwirtschaftet werden und man sich weniger Arbeiter auf dem Felde leisten kann, ohne zu verhungern.

Dagegen könnte der Kurfürst von Brandenburg bzw. später der König von Preußen seine Untertanen sehr wohl als „die eigenen Leute“ begriffen haben, deren Lebensverhältnisse ein Landesherr – durchaus zu seinem eigenen Nutzen, das ist unbestritten – weiterentwickelt und sie nicht wie einen unterworfenen Feind behandelt. (Zumal die hypothetischen Mohammedaner Friedrichs des Großen im Preußen des 18. Jahrhunderts auf eine weniger wehrlose und ihrer eigenen Lebenswirklichkeit stärker entsprechende Gesellschaft gestoßen wären, als es heute der Fall ist.) Das jedoch widerspräche der Deutung, dass Eliten sich zu allen Zeiten in keiner Weise mit dem gemeinen (eigenen) Volk identifizierten.

Das ist ein sehr berechtigter Einwurf und er ist bis zu einem gewissen Grade richtig. Denn, wie an anderer Stelle im Heft dargelegt, war durch die Malthusianische Grenze der Herrscher nur dann in der Lage, sein Volk zu vergrößern, wenn er auch zusätzliches Land eroberte. Da alle Fürsten diese Absicht hatten, war das allerdings kaum möglich. Der Herrscher der Frühen Neuzeit war deshalb seinem Volk auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Daß sich daraus eine gewisse erwzungene Bindung zwischen Volk und Herrscher ergibt, ist unbestreitbar. Das liegt aber an diesen äußeren Gründen. Sobald sie wegfallen, ist der Herrscher wieder ganz dabei, ein neues und zusätzliches Volk heranzuschaffen: Peuplierung oder Heirat in der Frühen Neuzeit.

Auf Seite 21 in der Fußnote 1 steht zu lesen das das ‚Geldsystem‘ als nachrangige Wirkung zu bezeichnen sei. Sie schreiben, daß die eigentliche Ursache Humankapital sei. Ein Zirkelschluss wie ich meine, da beide Titel – Geld & Mensch – resp. Tot & Leben – ein und das selbe bewirken und somit zusammengehörige Ursache wie Triebkraft aller binärsystematischer Geschäftswelt ist. Demnach ist ‚Geld & Mensch‘ als Ein äquivalent aller BIP-Fanatiker (sic S. 28) zu betrachten und schlicht als die von Ihnen formulierte ‚Lebenskraft‘ zusammenhängend – bspw. durch ‚Existenzwert‘ – zu beschreiben.

Das ist in der Tat ein Zirkelschluß, allerdings nur dann, wenn Sie bereits die These der Schrift akzeptiert haben, daß Humankapital gleich Macht und daher das alles entscheidende Ziel der Elite sei. Sie sehen aber am eben vorgebrachten Beispiel der Highland Clearings, daß dieser Gedanke nicht so trivial ist. Es bedarf einer ganzen Reihe Analytik, um zu zeigen, daß auch hier unter den genannten Bedingungen das Ziel der maximalen Bevölkerungszahl ebenfalls gilt.

Die Fußnote selbst hat den Sinn, die schon lange bestehende Diskussion zum Geldsystem, dem Zins usw. für diese Betrachtung als irrelevant zu zeigen. Ich zeige Ihnen nämlich in der Fußnote, daß auch ohne Geld und Zins die Argumente des Heftes ihre Gültigkeit behalten.

Ein letzter Brief:

Vor allem aber danke ich Ihnen für das Buch selbst, die kühle Analyse und die vielen Gedanken en passant, bei denen man Halt machen möchte, z.b. „Mit ihrer Geburtenverweigerung haben die Europäer der Wirtschaft den Kampf angesagt …“ (S.28) – Ihre weiterhin entwickelte Theorie und Ihre Lösungsvorschläge stehen dann allerdings im Widerspruch zu diesem Zitat und lassen mich ratlos zurück.

Diese interessante Interpretation jenes Satzes, wird zu diskutieren sein. Denn offenbar hat die Leserin hier angenommen, der zitierte Satz zeige meine kämpferische Unterstützung für die geburtenverweigernden Europäer, indem ich gegen das Lohndumping durch die Wirtschaft das Lohn-Forcing der schrumpfenden westlichen Bevölkerung setze. Das aber ist nicht der Fall. Ich spreche diese Beobachtung und Erkenntnis lediglich aus. Ich werte sie nicht.

Warum setzen sie als Ausgangsgrösse des beklagten Geburtenrückgangs den völlig aus den Fugen geratenen Zuwachs Stand 1900? Entspricht nicht eher das Deutschland der Goethezeit mit knapp 30 Mill. Einwohnern einem Normal-Mass?

Hier wird nach zweierlei gefragt: absoluter Bevölkerung und den Punkt maximalen Zuwachses um 1900. Zum ersten: Was die andäquate Gesamtbevölkerung Deutschlands ist (10 Millionen im Mittelalter, 30 Millionen zur Goethezeit oder 80 oder 150) das hängt (so stelle ich es in Kultur und Ingenium dar) letztlich am technologischen Stand. Mensch und Tier neigen immer dazu, alle Möglichkeiten auszureizen. Also wird sich immer die Bevölkerungszahl einstellen, die Malthus noch zuläßt. Und zur Selbstbeschränkung, auf welche die Leserin hinaus möchte, später mehr. Interessanter scheint mir die Frage nach dem maximalen Zuwachs:

Tatsächlich ist der Bevölkerungszuwachs um 1870 am größten. Aber das hat nichts mit einer ausgezeichneten Geburtenrate zu tun. Die ist nämlich das ganze 19. Jahrhundert hindurch konstant: fünf Kinder pro Frau. Einzig die Tatsache, daß der technologische Fortschritt mehr von diesen Kindern hat durchkommen lassen (auch allgemeine medizinische und ernährungstechnische Fortschritte), ist der Grund dafür, daß die Bevölkerungszahl plötzlich so viel stärker stieg als Jahrhunderte zuvor. Die Fertilität ist also im 19. Jahrhundert nichts außergewöhnliches. Allein, zu dieser Fertilität tritt nun der technologische Fortschritt in rasanter Geschwindigkeit hinzu und läßt die Bevölkerung explodieren.

Warum kam es zu der Bevölkerungsexpansion des 19.Jh., die in nahezu allen Ländern Europas (mit der von Ihnen betonten Ausnahme Frankreich) zu einer Verdoppelung der Völker führte, auch dort, wo Industrialisierung keine tragende Rolle spielte, und trotz der erheblichen Auswanderungszahlen? Darauf gehen Sie nicht ein.

Berlin hatte 1816 197 000 Einwohner, 1890 1,57 Mill., Görlitz war 1816 ein Städtchen von 9900, 1890 von 62 000. Der Zuzug kann es nicht allein gewesen sein, auch das beschauliche Thüringen verdoppelte nahezu seine Einwohnerschaft. Das soll Vitalität sein? Ist der jetzige Zustand nicht eine natürliche Reaktion, ein Schwingen des Pendels in die andere Richtung? Übernehmen nicht vielmehr Sie hier Position & Argumentation der Gegenseite, wenn Sie zu einem Geburtendschihad von Rechts aufrufen? Und müsste unser Credo nicht stattdessen sein „Schon eure zahl ist frevel.“?

Warum findet der Bevölkerungszuwachs auch in rein ländlichen Gebieten statt, wohin gar keine Industrialisierung gedrungen ist? Nun, weil durch die industrielle Revolution auch die Agrarproduktion von diesen Entwicklungen erfaßt wurde: Dünger, Nutztierzüchtung, Mechanisierung. Dazu muß in der Umgebung nicht eine einzige Fabrik stehen.

Auf die Gründe für diese Bevölkerungsexplosion gehe ich im Heft durchaus ein. Es ist einmal mehr der Effekt der malthusianischen Falle. Die technnische Entwicklung hat die Grenze der Malthusianischen Falle nach oben verschoben und so konnten die schon immer überschüssigen Geburten (wie oben im Falle der eröffneten Grenzen Afrikas) nunmehr fortleben und damit für das Bevölkerungswachstum abgeschöpft werden.

Ja, unsere heutige geringe Geburtenrate ist ein Rückschwinger des Pendels (die ganze Theorie von Kultur und Ingenium basiert ja auf Schwingungsbewegungen), aber sie ist ein Überschwinger. Denn nur die bisher überschüssigen Geburten hätten abgebaut werden müssen, also ein Rückgang von 5 auf 2 Kinder pro Frau wäre angemessen gewesen. Tatsächlich aber ist die Fertilität auf 1 bis 1,5 zurückgegangen, was freilich keine Vitalität ist.

Die Bevölkerungszahl muß möglichst Konstant gehalten werden und darf auch leicht steigen oder sinken. Eine zu große Abweichung davon aber bewirkt ein Übergewicht der jungen oder alten Bevölkerung. Zu viel alte Bevölkerung mündet in Apathie, Stagnation und Bewahrungstendenzen, zu viel junge Bevölkerung führt zu politischen und wirtschaftlichen Experimenten, die z.B. Anfang des 20. Jahrhunderts zu verheerenden Kriegen geführt haben. Die gesunde Mitte, in der sich alte und junge die Waage halten, haben wir noch nicht wieder erreicht. Dazu bedürfte es einer Fertilität von 2 Kinder pro Frau oder knapp darüber.

Und schließlich zum sog. Geburten-Dschihad: Zu diesem rufe ich bewußt im konjuktiv auf und erkläre auch, wieso er sinnlos ist. Vielmehr – und das besprechen wir in einer künftigen Folge – geht es um die Wiedergewinnung eines Kulturhabitus. Auch handelt es sich im ganzen Heft und auch an dieser Stelle nicht um eine Anschauungsweise „von rechts“, sondern um eine von politischen Anschauungen unabhängige Betrachtung von geschichtsphilosophischen Tatsachen, die von jeder politischen Seite mitgegangen werden können.

Beim nächsten Mal besprechen wir die Verbindungen zu „Kultur und Ingenium“ und in einem dritten Teil gehe ich gesondert auf die Kontroverse des Schlusses ein.

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