VLOG . Hockeystick und menschgemachter Klimawandel? – Eine Analyse der Temperatur-Rekonstruktionen der letzten 1300 Jahre

 

1. Das letzte Video zur Frage des menschlichen Einflusses auf den Klimawandel hatte ich mit zwei einzelnen Meßreihen bestritten. Dabei habe ich im Grunde die Kenntnis der nun folgenden Sachlage bereits vorausgesetzt, da selbstverständlich zwei Einzelmeßreihen nie eine gesamtheitliche Aussage für das Weltklima zulassen (wenngleich sich herausstellt, daß die beiden Meßreihen repräsentativ waren). Meine Hauptinterpretation zu den Diagrammen des Klimawandels sind also die folgenden:

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Der Hockeystick von Mann et al. (1999)

2. Wir beginnen mit dem originalen Hockeystick von Mann et al. (1999). Auf den ersten Blick zeigt uns dieser Graph tatsächlich eine Korrelation mit dem CO-2-Verlauf der letzten 1000 Jahre, indem er zunächst fast konstant verläuft und ab 1900 n. Chr. plötzlich enorm in die Höhe schießt, so wie es der CO-2-Ausstoß des Menschen durch Verbrennen von fossilen Energieträgern tut. Das Diagramm beinhaltet jedoch zwei Fragwürdigkeiten: a) die Fortführung der rekronstruierten Proxy-Daten durch instrumentale Daten (also direkte Temperaturmessungen) und b) von 1000 n. Chr. bis um das Jahr 1600 ein enormes Fehlerintervall.

3. Daß die Thermometermessungen in den Überlappungszeiträumen nicht parallel zu den Rekonstruktionen laufen wird auch in den anderen Rekonstruktionen sichtbar werden, weshalb sie nicht zum Fortsetzen der rekonstruierten Daten geeignet sind, vor allem aber fehlen uns selbstverständlich instrumentelle Meßdaten über den Zeitraum der letzten 1000 Jahre. Es ist also kein Vergleich mit dem Jahr 1000 n. Chr. möglich, was wir später als entscheidend erkennen werden.

4. Das Fehlerintervall bis etwa 1600 n. Chr. ist derart groß, daß Graphenverläufe möglich werden, für die nicht die geringste Korrelation mit dem CO-2-Verlauf der letzten 1000 Jahre mehr übrig bleibt:

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Beispiel eines möglichen historischen Temperaturverlaufs innerhalb der Fehlerintervalle des Hockesticks (von Hand gezeichnet)

5. Tatsächlich ist der Hockeystick umstritten. In den folgenden 10 Jahren hat es eine Reihe von neuen Rekonstruktionen des Temperaturverlaufs der vergangenen 1000 Jahre gegeben, die mittlerweile die Standardabbildung des ergänzten Diagramms bilden. Hier die Abbildung aus Wikipedia (die wir später noch verwenden werden):

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Temperaturrekonstruktionen der letzten 1000 Jahre aus dem Wiki-Artikel „Hockeyschläger-Diagramm“

6. Wir verwenden jedoch einen Graphen, der bis ins Jahr 700 zurückreicht. Lediglich die Farbcodierung differiert. Wir arbeiten mit diesem sonst gleichartigen Diagramm, da wir die Zeit vor 1000 n. Chr. später noch benötigen.

Bildunsgserver.png
Der 1300 Jahre umfassende Graph aus dem obigen Link (https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Klima_der_letzten_1000_Jahre)

7 . Hier wird besonders deutlich, daß die schwarze Kurve (d.i. die Thermometer-Kurve) wesentlich steiler verläuft als alle Rekonstruktionen. Daher – und aus dem bereits genannten Grund der fehlenden Vergleichbarkeit der instrumentellen Daten des 20. Jahrunderts mit den rekonstruierten z.B. des 11. Jh. – löschen wir diese irreführende Weiterführung, die eben keine adäquate Fortsetzung der Rekonstruktionen sein kann, heraus. Nun sehen wir ausschließlich noch Rekonstruktionen im Diagramm (von denen die hellgraue allerdings auch nicht den ganzen Zeitraum abdeckt und daher ebenfalls nutzlos ist). Dann ergibt sich, daß die rekonstruierten Temperaturen im 20. Jahrhundert denen um 1000 n. Chr. gleichen:

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Temperaturrekonstruktionen der letzte 1300 Jahre mit Vergleichsband zwischen 20. Jh. und dem Jahr 1000 n. Chr.

8. Wir sehen außerdem, daß die Temperatur nicht erst im Jahr 1900 oder dem allgemein angenommenen Zeitraum erster Einflüsse des Menschen (1850) ansteigt, sondern seit etwa dem Jahr 1600 (z.B. dunkelblaue Kurve, lila Kurve steigt bereits seit dem 14. Jh., ockerfarbene Kurve seit etwa 1600, hellblaue Kurve seit 1675). Es befinden sich weitere Minima im 13. und 14. Jh. In der Mitte des 2. Jahrtausends n. Chr. also war die Temperatur wesentlicht geringer als es der Graph von Mann et. al. zeigt. Und das bedeutet, daß die Temperatur bereits Jahrhunderte vor dem Einsetzen der Industrialisierung gestiegen ist, d.h. ein natürlicher Klimawandel besteht, den Mann et al. nicht gezeigt haben.

9. Dazu ziehen wir besonders die Rekonstruktion durch Bohrlöcher aus den Rekonstruktionen heraus:

Klima92.jpg
Temperaturrekonstruktion aus Bohrlöchern von 1500-2000 n. Chr.

Stark geglättet zeigt diese steigende Temperaturen seit 1500 an. Auf der Seite Sceptical Science finden wir sie nochmals herausgezogen (Sceptical Science ist keine klimakrtische Seite, denn der Untertitel lautet: „getting sceptical about global warming scepticism“ – hier sollen also Skeptiker bekehrt werden). Das Argument lautet, wie Sie am englischen Text sehen, auch diese Kurve zeige nicht nur die höchsten Temperaturen im 20. Jh., sondern die letzten Jahrzehnte als jene mit dem stärksten Temperaturanstieg der letzten 500 Jahre.

Die absolute Temperatur ist dabei überhaupt kein Argument. Da wir sehen, daß es eine natürliche Erderwärmung weit vor der Industrialisierung stattgefunden hat (sowie eine deutliche Abkühlung von 1000 bis 1500 n. Chr.) sagt die absoulte Höhe der Temperatur nichts über den Einfluß des Menschen aus. Dieser kann nur (und auch damit nicht absolut ausschließend) erkannt werden, wenn sich der Verlauf des Graphen vor und nach 1850 signifikant unterscheidet.

Was also zeigt die Grafik wirklich? Sie zeigt, daß die Temperatur auch bis 1850 nicht nur steigt, sondern sich beschleunigend steigt. Ein Klimatologe des Jahres 1850 hätte bei dieser Datenlage sagen müssen: Die Temperatur steigt seit 350 Jahren kontinuierlich an, wobei die letzten Jahrzehnte den stärksten Anstieg zeigen. Er müßte also dasselbe sagen, wie wir es heute tun. Das sollte bereits skeptisch machen. Dieses Phänomen rührt daher, daß es sich um eine Art Exponentialfunktion handelt. Diese beschleunigt sich immer weiter. Die Frage lautet also, hat sich zusätzlich zu diesem exponentialen Temperaturanstieg ab 1850 eine Verschärfung ergeben?

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Überlagerung der Temperatur-Rekonstruktion aus Bohrlöchern von 1500-1850 (blau) mit demselben Graphen von 1500-2000 (Überlagerung: TW)

10. Überlagern wir einmal en Graphenverlauf von 1500-1850  mit dem von 1500-2000, so zeigt sich, wie nahezu perfekt die Ähnlichkeit beider Kurven ist. Qualitativ hat sich also nach 1850 am Kurvenverlauf nichts geändert: Das Verhältnis zwischen dem Temperaturanstieg um 1500 und jenem um 1850 ist dasselbe, wie jenes zwischen 1500 und 2000. Der Graph hat sich also im Zeitraum nach 1850 nicht sichtbar verschärft. Es ist und bleibt eine Art Exponentialfunktion mit fast identischen Parametern. Der Temepraturverlauf ist also qualitativ vor und nach der Industrialisierung derselbe.

11. Und dieser im 20. Jh. recht hohe Temperaturanstieg ist nun historisch gar nichts Ausgezeichnetes. Denn der schon vorher gezeigte Graph beweist das Gegenteil:

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Temperaturrekonstruktionen von 700-2000 n. Chr. mit Heraushebungen (TW) der je 150 Jahre vor 1000 n. Chr. und 1950 n. Chr.

Hier zeigt sich, wie die Temperatur auch in den 150 Jahren vor dem Jahr 1000 sehr stark angestiegen ist. Die Parallelität zum Zeitraum zwischen 1800 und 1950 ist frappierend.

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Temperatur-Rekonstruktionen der letzten 1300 Jahre mit linearisierten Anstiegen vor 1000 und vor 1950 n. Chr. (Linearsierungen und Hervorhebungen: TW)

12. Die Anstiege (Mittelwert aus der höchsten Rekonstruktion und der niedrigsten, je am Beginn und Ende der hellen Intervalle) sind sogar praktisch identisch. Der klimatische Zustand zwischen 850 und 1000 scheint sich – auch was das Zusammengehen aller Rekonstruktionen anbetrifft – zwischen 1800 und 1950 zu wiederholen.

13. Nun bleibt die Frage, wie es angesichts dieser Rekonstruktionsverläufe der Temperatur mit der Korrelation zum CO-2-Verlauf aussieht.

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Überlagerung des CO-2-Verlaufs und der Rekonstruktionen der Temperatur zwischen 1000 und 2000 n. Chr. (TW)

Die Korrelation der CO-2-Konzentration der Atmosphäre und dem Temperaturverlauf zwischen 1850 und 1950 ist ausgezeichnet. Aber für das Mittelalter schlicht nicht vorhanden. Wenn CO-2 der Hauptfaktor für die Temperaturentwicklung des Klimas wäre, müßten im 11. Jh. wie im 20. über 300 ppm CO-2 vorhanden sein. Die Kurve ist aber flach. Eine Korrelation ist praktisch gar nicht vorhanden.

15. Dagegen bietet eine einigermaßen gute Korrelation der Verlauf der Sonneneinstrahlung. Hierbei ist wieder die nicht-kompatible instrumentelle Temperaturmessung zu streichen.

Klima991.jpg
Sonneneinstrahlung und Temperaturrekonstruktion der letzten 1000 Jahre (vom Bildungsserver Klimawandel).

Dazu im Vergleich wieder die CO-2-Konzentration der Atmosphäre eingeblendet, zeigt, daß wir es einmal mit einer akzeptablen, einemal mit einer miserbalen Korrelation zu tun haben. Das Mittelalter-Gap disqualifiziert die CO-2-Korrelation. Die mittelalterliche Warmzeit wird vom CO-2 ignoriert, d.h. kann nicht abgebildet werden.

Klima994.png
Temperaturverlauf (rekonstruiert), Sonneneinstahlung und CO-2-Konzentration der Atmosphäre (Eiskerne) in den letzten 1000 Jahren

17. Diese schwache Korrelation schließt zwar einen kausalen Zusammenhang nicht aus, er muß jedoch verhältnismäßig unbedeutend sein. Andere kausale Zusammenhänge müssen ihn stark überwiegen, sonst müßte eine gute Korrelation vorhanden sein. Das IPCC behauptet aber den alles überwiegenden Faktor im CO-2 zu finden. Dann aber müßte die Korrelation nahezu perfekt sein – was sie nicht ist.

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IPCC Bericht 2014 

Die natürlichen Einflußfaktoren sind mit 0,05, die anthropogenen mit 2,29 angeben, also 46 Mal höher. Und das obwohl die Rekonstruktionen vor 1850, also vorindustriell, eine genauso hohe Schwankungbreite (ja sogar eine höhere) zeigen, also nach 1850. Das ist irrwitzig und hat mit Wissenschaft nichts zu tun.

18. Es gibt genügend rationale Gründe, weshalb man die Verbrennung von fossilen Treibstoffen einschränken sollte (etwa Tankerunglücke, Bohrinselunglücke usw.). Diese Temperatur-Rekonstruktionen jedenfalls zeigen den menschgemachten Klimawandel nicht.

 

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4 Gedanken zu “VLOG . Hockeystick und menschgemachter Klimawandel? – Eine Analyse der Temperatur-Rekonstruktionen der letzten 1300 Jahre

  1. Pingback: VLOG . Menschgemachte Klimaerwärmung? Antwort mithilfe von Langzeitmessungen – Goethe und die Mönche von Kremsmünster – Die Reisen des wunderlichen Herrn Wangenheim

  2. Rico Kiel

    Anders formuliert.: Es wird nicht die Unstetigkeit des Weltklima bestritten, sondern dessen Ursache. Rational betrachtet ist die Erde keine vom Plasmaversum abgeschlossene „Klimakapsel“ – welche offiziell als „Treibhaus“ betitelt wird, sondern das irdische Klima ist Folge unergründlicher Verhältnisse im Kosmos.
    Hierzu hatte schon Henrik Svensmark deutliche Aussagen geliefert.
    Diesbezüglich lenkt sich die Aufmerksamkeit eines denkenden Beobachters automatisch auf die hochionisierte Gammastrahlen emittierende Sonne, – welche ebenso wie die Erde von außen befeuert wird. (bspw. Sonnenkorona mit über 106 K heißer als Sonnenoberfläche mit nur ca. 6000K!)
    Nur geistverlorene Gläubige suchen alle Schuld bei sich selbst, da ein Oberster Befehlshabender – der nach Nietzsche auch noch Tot – ja fehlerlos gutherzig operieren MUSS. Eine sich daraus ergebende traumatische Schuldsucht kann kollektive pathologische Züge annehmen.
    Auch in der Art, daß sich manisch Schuldig wähnende nun unbewußt ihre „Klimakapsel“ zwangsökonomisch selbst zerstören. Und gar das Lebensnotwendige Veratmen der Luft – als Schuldbekenntnis bloser Existenz – wahnhaft tributieren…. Rein um dadurch die obligatorische Schuldfrage vor dem ‚Höchst Unfassbaren‘ überhaupt erst zu erzeugen.

    Ein Politisch-Religiöses Verfahren also, daß erst ein Problem kreiert mit der Vorgabe es zu lösen. Ein sich derart selbst erfüllendes Prophezeiungssyndrom wirkt als irreale Basis allen unbewußten Handelns. Dato global durch die MONO-matische Instanz UNO. Für ein sich danach zwangs-ver-waltendes Kollektiv gilt der altbewährte Formalismus:
    „Denn sie wissen nicht was sie tun.“
    Was also fehlt wäre eine kollektiv-psychologische Erleuchtung aller närrischen Klimaschützer und zwangsökonomischen Klimazerstörer.
    Doch der Fall scheint ganz nach Dante völlig hoffnungslos.
    Denn beide hysterisch gegeneinander streitenden Massenkasten sind logisch betrachtet zwei Seiten von ein und der selben ‚Schuld-Gläubiger‘ Medaille und treiben nicht nur sich selbst, sondern auch alle restlich rational denkenden Individuen in den schlichten Wahnsinn.
    Anbei eine unberechenbar hoch erschröcklich kausalere Sicht zum irreal „zwangserechneten“ korrelativen Dilemma:
    https://abruptearthchanges.com/2019/06/06/sonnenaktivitat-und-geschichte-solar-history-einfuhrung-deutsch/

    Liken

  3. Pingback: Klima: Eine Kurvendiskussion zu den vergangenen 1.300 Jahren

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