Die kosmopolitische Internationalisierung und ihr Antipode, die nationale Regionalisierung

Ein paar gedrängte Gedanken zu Kurt Riezlers Ausführungen zur „kosmopolitischen Tendenz“ in „Grundzüge der Weltpolitik in der Gegenwart“ 1913, Kapitel III

Im über die Staatsgrenzen ausgeweiteten Wirtschaftsleben neigt das Kapital zur Akkumulation, wo der Zins und die Sicherheit desselben – gleich wo auf der Welt – am höchsten sind. Das führt zu internationalen Monopolen (gemeint sind dnicht Unternehmen, sondern Regionen, die das wirtschaftliche Eldorado bilden), welche dann ihres wirtschaftlichen Erfolgs wegen ausstrahlen und auch die Kultur des Ganzen bestimmen. Diese Internationalisierung weitet den kulturellen Kosmopolitismus auf die internationale Politik aus, bis hin zum Ziel des Weltstaates. Die Regionalkräfte (z.B. Nationalstaaten) sucht er zu schwächen, um im neuen Großreich Landfrieden zu schaffen, also keine inneren Konflikte aufkommen zu lassen, die das Monopol gefährden.

Allein, das zu dieser Befriedung nötige internationale Recht kann, wie jedes Recht, nur mit einer entsprechenden Polizei, d.i. einem internationalen Heer, aufrecht erhalten werden. Dieses gibt es nicht und ist unmöglich bei der Interessenlage der Nationen, weshalb die Befriedung des Planeten und damit der freieste Kapitalfluß auf diesem Wege versagt ist. Und so versucht man die regionalen Differenzen dadurch aufzulösen, daß man sie auf eine niedere Ebene, nicht zwischen Staaten, sondern zwischen die Individuen verlegt, nämlich mit Hilfe einer Durchmischung aller möglicher Individuen verschiedener Nationen innerhalb der zuvor separierten und sich bekämpfenden Nationalstaaten. Die Differenzen der Nationalstaaten sind damit aufgehoben, es existieren nur noch Kulturdifferenzen innerhalb der Nationen, zwischen den Bürgern. Das kann – so glaubt man – polizeilich geregelt werden. D.h. sie tauchen idealerweise gar nicht auf, da man (vorgeblich) überzeugt ist, daß es keine inhärenten kulturellen und biologischen Unterschiede der Menschen gibt.

Aber der Konflikt der Nationen ist ein Konflikt der verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen. Weitet man im Zuge der Internationalisierung den Gesichtskreis der Menschen über ihre Nachbarländer hin aus (indem man sie vor Ort vermischt), so werden sie immer größerer Vielfalt von Lebensweisen ansichtig, die ihnen fremd sind und als solche die Abgrenzung herausfordern, d.i. als fremd bekämpft werden, so wie es zuvor die staatlichen Nachbarn waren. Der Effekt ist sogar deutlich verstärkt, da man der Fremden nun körperlich gegenwärtig wird und jedes Detail ihrer Fremdartigkeit vor Augen hat, was im Kampf der Nationen selten der Fall war. Daher nimmt also ab einem gewissen Grad der Internationalisierung die Konfliktdichte wieder zu, wenngleich die Einzelkonflikte kleiner ausfallen (bis hin zur niedersten Ebene: der Kriminalität).

Das Extrem des Weltstaates fordert also immer die Separation heraus, während die Vereinzelung in kleinste Gruppen, der bellum omnium contra omnes den Zusammenschluß (zur Befriedung einer Region/Gesellschaft) befördert. Es hat sich historisch herausgemendelt, daß jenes gesunde Mittelmaß des Zusammenschlusses diejenigen Gesellschaften sind, die über Jahrhunderte gewisse Grenzen gebildet haben und sich schließlich zu Nationalstaaten konstituierten. Daher strebt die Politik nach Experimenten in die eine oder andere Richtung immer wieder zu dieser Größenordnung zurück: dem Nationalstaat – und deshalb strebt auch letztlich jede Kultur wieder einem solchen Nationalstaat zu. Ist die Kultur hingegen bereits aufgelöst, so bleibt nur – wie Spengler sagt – das Blut, also die biologische Differenz, welche die aus Kulturgründen sich nicht mehr ergebenden Separierungskämpfe ernötigt.

Ausführlich und lesbarer in meinem Konservations-Roman, der in spätestens einem halben Jahrhundert erscheint : )

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