VLOG . Menschgemachte Klimaerwärmung? Antwort mithilfe von Langzeitmessungen – Goethe und die Mönche von Kremsmünster

 

Heute diskutiere ich, ob Langzeitmeßreihen der Temperatur seit dem 18. Jahrhundert die These von der menschgemachten Klimaerwärmung stützen. Es handelt sich hier nicht um meine Hauptargumentation bzgl. des Klimawandels. Die finden Sie hier: Diskussion der Temperatur-Rekonstruktionen der letzten 1300 Jahre.

Inhalt:

1. Betrachtet man die Argumente der beiden sich gegenüberstehenden Positionen, also derjenigen, die an einen menschgemachten Klimawandel glauben und jenen, die diesen bezweifeln, so fällt auf, daß beide Seiten konsequent und logisch richtige Schlüsse ziehen. Wie kann das bei kontradiktorischen Ergebnissen sein? Schlicht, weil sie mit verschiedenen Daten arbeiten.

2. So werfen die Kritiker dem Mainstream vor, die Daten zu manipulieren. Es ist selbstverständlich, daß z. B. durch differierende Dichte der Meßstationen in verschiedenen Gebieten der Welt nicht einfach alle Meßwerte mit gleicher Gewichtung herangezogen werden können, sondern eine Homogenisierung stattfinden muß, um sinnvolle Daten zu erhalten. Bei diesen Datenanpassungen aber besteht selbstverständlich Spielraum, die Daten zu gewissen Gunsten zu verändern. So wirft man etwa der NASA vor, die Vergangenheit in den Temperaturdaten systematisch abzukühlen und die Gegenwart zu erwärmen. Aber um diese Diskussion soll es heute, neben vielen anderen Streitpunkten (wie etwa der Sonneneinstrahlung) nicht gehen. Vielmehr möchte ich Sie auf ein paar Langzeitmeßreihen aufmerksam machen, die uns über die Frage der menschgemachten Klimaerwärmung deutlichen Aufschluß geben können.

3. Während meiner intensiven Beschäftigung mit Goethe in den letzten Monaten bin ich auf ein meteorologisch interessantes Projekt gestoßen, das der Dichter in seiner Funktion als Fürstenberater mitverantwortet hat: Nämlich die tägliche Messung der Temperatur in Jena. Man erhoffte sich daraus nach einer gewissen Meßzeit Vorhersagen zum Wetter machen zu können.

4. Daher besitzen wir heute eine recht lange Meßreihe zur Temperatur in Jena, nämlich fast 200 Jahre umfassend. Schauen wir uns diesen Graphen an, dann könnte Mancher enttäuscht sein, wo denn hier nun der bedeutende Temperaturanstieg zu sehen sei.

Temperaturen von Jena seit 1824.png
Temperaturen in Jena seit 1824 . Schillergäßchen (Sternwarte)

Diese Meßkurve erinnert mehr an wenig aussagendes Rauschen als an Erwärmungskurven, die Sie sonst kennen. Mit ein paar Handgriffen kommen wir allerdings dorthin.

5. Zunächst müssen wir dazu alle Daten vor 1880 ausblenden. Das hat seinen Sinn darin, daß die meisten Daten erst verfügbar sind, als Zentraleuropa und die USA sehr dicht mit Wetterstationen durchdrungen waren, was seit etwa 1880 der Fall ist. Ziehen wir, wie es üblich ist, den Graph (seit 1880) auf die gesamte Y-Achse auf, dann erhalten wir:

Temperatur in Jena seit 1880.png
scheinbare Temperaturexplosion in Jena seit 1880

Das sieht bereits nach einem ordentlichen Anstieg aus. Ziehen wir nun noch den 10-jährigen, gleitenden Durchschnitt in den Vordergrund, erhalten wir einen den allseits bekannten Warn-Diagrammen ähnlichen Verlauf, welche den baldigen Hitzetod nahelegen.

Temperatur in jena seit 1880 gleitender Durchschnitt
10-jähriger, geitender Durchschnitt der Temperatur in Jena seit 1880

Et voilà! Immer neue Höchstwerte „seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen“.

6. Einschub: Übrigens ist bei dieser Messungen immer zu bedenken, daß die Meßstation im Jenaer Schillergäßchen vor 200 Jahren außerhalb der Stadt lag, von Gärten umgeben, heute aber von Häusern und breiten Asphaltstraßen umbaut ist. Daß dadurch Aufheizungs- und Abstrahleffekte von den umgebenden Häusern bzw. Versiegelungen möglich sind, dürfte selbstverständlich sein. Der Effekt, der im Vergleich zu 1800 zu hoch gemessene Temperaturen bedeuten würde, ist allerdings schwer zu quantifizieren.

7. Wie kann aber nun, wenn der CO-2 Anteil in der Atmosphäre die Temperatur bedingt, diese Temperatur von 1830 bis 1850 um über 1°C absinken, wie es die Ursprungsgrafik zeigt? Wenn es eine Veränderung im CO-2-Anteil gegeben hat, wäre das möglich, menschgemacht kann er jedenfalls nicht sein. Wir haben es also mit einer natürlichen Schwankung des Klimas zu tun. Erst Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts wird diese Temperatur von 1830 wieder erreicht.

8. Nun besitzen wir noch weitaus ältere Meßdaten. Eine ganze Reihe von Temperaturverläufen seit dem 18. Jahrhundert finden Sie hier. Wir überlagern hier die Daten aus Jena mit jenen aus Kremsmünster, den ältesten Temperaturaufzeichnungen der Welt. Die Mönche dieses oberörsterreichischen Klosters haben die Messungen im Jahre 1768 begonnen.

Temperaturen in Kremsmünster und Jena seit 1768 und 1824.png
Temperaturen von Kremsmünster seit 1768 und Jena seit 1824

Sie sehen dabei, daß wir im Jahre 1830 gar nicht die höchste vorindustrielle Temperatur antreffen, sondern ein Peak um 1800 vorliegt. Ziehen wir von diesem Temperatuhöhepunkt eine Horizontale in die neuere Zeit, so sehen wir, daß die Temperaturen des Jahres 1800 erst in den 1990er-Jahren wieder erreicht werden.

9. Mit anderen Worten, jener Graph, der anfangs so beängstigend den Anstieg der Temperatur von 1880 bis heute zeigte, stellt uns bei weitem nicht den Temperaturanstieg seit der vorindustriellen Zeit dar, da es vorindustriell, nämlich um 1800, genauso warm war, wie um 1990. Lediglich die Erwärmung der jüngsten Zeit liegt über den vorindustriellen Werten.

Temperaturanstieg seit vorindustrieller Zeit.png
Temperaturanstieg seit 1880 in Jena. Grau hinterlegt ist der Temperaturbereich, der auch vorindustriell vorkommt. Nicht-vorindustriell (zumindest soweit Thermometermessungen vorhanden sind) ist also nur die kurze Fortsetzung ganz rechts.

Die üblichen Diagramme zur Klimaerwärmung, die fast ausschließlich diesen Zeitraum seit 1880 oder 1850 abbilden, zeigen also zum größten Teil historisch völlig natürliche Temperaturverläufe, wie sie auch vorindustriell vorgekommen sind.

Und selbst die Erwärmung seit 1990 ist deshalb noch nicht unnatürlich. Im Mittelalter ist in Jena Wein angebaut worden. Seit wenigen Jahren geschieht das nun wieder. Es liegt also nahe, daß wir im Moment mittelalterliche Temperaturen erleben, uns also ebenfalls innerhalb natürlicher Parameter bewegen.

Außerdem darf nicht vergessen werden, daß ganz gleichartig auch die totale Strahlung der Sonne gestiegen ist, die über die letzten 250 Jahre einen überhöhten Verlauf der Temperatur zeigt.

10. In einer Bundestags-Anhörung hatten zuletzt Klimaforscher beider Richtungen ein Streitgespräch (ab 7:50, schauen Sie aber das ganze Video, in welchem sich einiges offenbart). Hier wird der Klima-Alarmist von einem Klima-Kritiker gefragt, was denn die vorindustrielle Tempertur sei. Er antwortet: Die Temperatur um 1850. Sie sehen aber an den gemessenen Temperaturverläufen, daß um 1850 ein Temperaturminimum herrscht. Vom Minimum aus geht es freilich per definitionem immer bergauf. Das ist natürlich nichts als ein Taschenspielertrick. Wenn das die vorindustrielle Referenztempertur darstellt und alles andere dem menschgemachten, industriell bedingten Klimawandel zuzuschreiben ist, dann auch der Peak in den Jahren 1790 bis 1800. Das ist natürlich hanebüchener Unsinn.

11. Der Meßbereich von 1880 bis heute, der so gern für den Klima-Alarm herangezogen wird, ist also schlichtweg ungeeignet, um Klimaphänomene zu messen. Diese benötigen einen längeren Aufnahmezeitraum. Denn schon bei einer Verlängerung der Messung bis 1824 (Jena), zeigt sich, daß die Temperatur wieder signifikant steigt und schließlich der Höhepunkt um 1800 die Temperaturen des ausgehenden 20. Jahrhunderts erreicht. Wie also schon der erste Blick auf die ursprüngliche Temperaturreihe aus Jena zeigte, ist in den letzten 200 Jahren klimatisch gar nichts Bedeutendes geschehen.

12. Diese Erfordernis eines möglichst großen Meßzeitraums ist identisch mit der Forderung aus einer früheren Darstellungen, die ich Ihnen vorgetragen habe, nämlich zum Wesen der Korrelation und Kausalität: Wir benötigen für die Bestätigung einer Korrelation schlicht möglichst viele Daten. Damals ging es um soziale Erhebungen, von denen ich weltweite Gültigkeit gefordert habe. Hier haben wir es dagegen mit einem zeitlichen Vorgang zu tun, also benötigen wir möglichst große Zeiträume. Und 150 Jahre, von 1850/1880 bis heute reichen dazu schlicht nicht aus. Vortrag: Vorindustrielle, natürliche Temperaturschwankungen.

13. Die Korrelation zwischen menschlich bedingtem CO-2-Ausstoß und Temperaturanstieg wird also mit der Erweiterung der Meßdauer in die Zeit um 1800 widerlegt. Denn hier fällt die Temperatur, ohne daß der Mensch seinen CO-2-Ausstoß verringter hätte. Es handelt sich um natürlich Schwankungen, die sehr schnell und so groß sind, daß der angebliche menschgemachte Anstieg seit 1880 den Peak von 1800 erst nach über 100 Jahren wieder erreicht. Also wird lediglich eine natürliche Schwankung wieder aufgehoben. Daher gibt es keinen Grund hier einen nicht-natürlichen Vorgang anzunehmen. Daß in diesem Zeitraum eine Korrelation zwischen mensch-gemachtem CO-2-Ausstoß und Temperaturanstieg besteht, ist also damit wiederlegt.

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5 Gedanken zu “VLOG . Menschgemachte Klimaerwärmung? Antwort mithilfe von Langzeitmessungen – Goethe und die Mönche von Kremsmünster

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  3. F.Ketterer

    Sie schreiben: „Außerdem darf nicht vergessen werden, daß ganz gleichartig auch die totale Strahlung der Sonne gestiegen ist, die über die letzten 250 Jahre einen überhöhten Verlauf der Temperatur zeigt.“

    SIe zeigen aber nimichten den Verlauf der totalen Stahlung der Sonne, sondern den des „open magentic flux“. Und diesen mit den dort gegebene Einheiten, so dass es nach großen Schwankungen in der eingestrhlten Sonnenenergie (top of atmosphere) aussieht. Die Schwankungen der Total Solr Irradiance (TOA) liegt aber im Bereich unter 2 Promille.
    Kein Schlem wer sich hier seinen Teil denkt.

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  4. Der magnetische Fluß ist ein Maß für die Abstrahlungsleistung der Sonne. Und richtig, daß sind 2 Promille. Ich nehme Sie beim Wort, daß Sie da Schelmisches denken. Denn Sie haben sicherlich Ihre tiefinvestigative Ader auch bzgl. des konkurrierenden CO2-Modells angewandt. Der Anteil des CO2 in der Atmosphäre ist in den letzten 250 Jahren von 280 ppm auf heute knapp über 400 gestiegen. Also um 150ppm. Das sind 0,015%. Also 0,15 Promille. Das ist ein Zehntel dessen, was Sie schelmisch werden läßt. Hätten Sie die außerodentliche Güte, mich doch wissen zu lassen, ob Sie angesichts dieses Erklärungsmodells dann statt zum Schelm zum Oberschelm werden? Herzliche Grüße an den Schlaumeier. Und: Nichts für Ungut.

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