Value-Investing vs. Analysten-Erwartung . eine Erweiterung des Wangenheim-Value-Screeners

Mit der heutigen Ausgabe meines Börsenbriefs wird der Screener um einige Zahlenwerte erweitert, die ich seit einger Zeit beobachte und für die Kaufentscheidung als ausgenommen hilfreich erachte. Neben der Listung nach Unterbewertung, Finzanzierungssicherheit und Wachstumspotential, wie ich es bereits anderwärts beschrieben habe, kommen folgende vier Entscheidungshilfen hinzu:

1. gebe ich nach Durchsicht der Gewinn- und Verlustrechnung (income statement) und der Kapitalflußrechnung (cash flow statement), je einmal auf die letzten Jahre und auf die letzten Quartale bezogen, eine Trendanalyse dieser Werte, um die kurz- und langfristige Entwicklung des Unternehmens zur Kaufentscheidung heranziehen zu können,

2. stelle ich dem W-Score, der eine Value-Skala repräsentiert, nun die allgemeine Consenus-Schätzung der Analysten gegenüber.

Die Kenntnis der kurz- und langfristigen Einkommensentwicklung des Unternehmens gibt dabei eine allgemeine Einschätzung über den Zeithorizont an, in welchem sich die Aktie entwickeln kann. Zum anderen kann es bereits Aufschluß darüber geben, weshalb sie unterbewertet ist (bspw. Einbruch der kürzlichen Quartalsgewinne gegenüber positiven Entwicklungen in den Jahresabschlüssen in der Vergangenheit).

Die durchschnittliche Einschätzung der Analysten hingegen gibt einen Eindruck davon, ob die Unterbewertung und die mit ihr erwartete Rückkehr zu einer Normalbewertung tatsächlich für stark genug angesehen wird, um der gegenwärtigen Situation des Unternehmens einen Kursanstieg abgewinnen zu können.

Um diese beiden Bereiche übersichtlich abzudecken, werden ab sofort folgende Spalten zum Wangenheim-Value-Screener hinzugefügt:

1. Konsensus-Rendite: minimale, durchschnittliche undmaximale Rendite, welche von Analysten erwartet wird (in %), Farbcode: Die allgemeine Analysten-Empfehlung zu Kauf oder Verkauf (s=sell, u=underperform, h=hold, b=buy, bb=strong buy)

2. Konsensus-Trend: Änderung der Konsensus-Rendite in den letzten Monaten (2 stark steigend, 1 steigend, 0 konst., -1 fallend, -2 stark fallend)

3. Quartalsentwicklung: Wie haben sich im Schnitt Einnahmen, operativer Gewinn, operativer und freier Cashflow in den letzten Quartalen verändert (-2 stark fallend, -1 fallend, 0 konstant, 1 steigend, 2 stark steigend) mit Angabe der Volatilität (v volatil, vv sehr volatil)

4. Jahresentwicklung: Wie haben sich im Schnitt die unter 3. genannten Werte über die letzten Jahre verändert (gleiche Zahleneinteilung).

(große Zahlen sind hell, kleine Zahlen dunkel hinterlegt, hellblau: keine Daten)

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Für die SmallCaps der ersten Monatshälfte des September 2018 sieht die Tabelle folgendermaßen aus:

Wangenheim_Value_Screener.png
Beispiel des erweiterten Wangenheim-Value-Screeners seit Septemer 2018 (SmallCaps)

So kann nun innerhalb der unterbewerteten Titel nach erwareter Consensus-Rendite, nach Rendite-Trend, nach den kürzlichen oder längerfristigen Earnings oder nach der bloßen durchschnittlichen Analystenkaufempfehlung der Kauf nochmals abgeschätzt werden.

Unter den SmallCaps tauchen einige Unternehmen auf, die von Analysten nicht abgedeckt werden. Die blauen Bereiche zeigen dergleichen an und sagen über das Risiko und die Volatilität, die mit diesen Werten verbunden sind, freilich ebenfalls etwas aus.

Im Bereich der LargeCaps gibt es praktisch keine Lücken.

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Diese zusätzlich eingeführten fünf Spalten haben nun folgenden genaueren Sinn und Nutzen:

1. Ist die Konsensusrendite gering, so ist das Risiko höher, daß die Unterbewertung tatsächlich Kursnutzen bringt. Ist die Konsensusrendite hoch, ist es selbstredend eine Bestätigung des Value-Ansatzes des Screeners.

2. Wurde die Konsensusrendite in den letzten Monaten nach oben oder unten deutlich korrigiert, so kann das zu verspäteten Reaktionen am Markt führen, sodaß der Preis zusätzlich in die angegebene Richtung nachläuft. Daß der Trend sich fortsetzen kann oder aus Gründen einer mean reversion ins Gegenteil umschlägt, ist freilich daraus nicht abzusehn.

3. & 4. Die Quartalsentwicklung ist von besonderer Bedeutung für die Einschätzung des Wertes eines Unternehmens, da zur Ermittlung des EBIT/EV die Gewinne der letzten vier Quartale herangezogen werden. Gerade bei der Angabe vv (für hohe Volatilität) handelt es sich meist um sehr geringe oder gar negative Quartalszahlen, die nur in einem einzigen Quartal ausnahmsweise exorbitant waren und damit das jährliche EBIT in die Höhe getrieben haben. Das kann gute Gründe haben und sich als nachhaltig erweisen, z. B. wenn die Jahresentwicklung mit geringer Volatilität dagegensteht. Ist dies nicht der Fall, so ist der günstige Preis des Unternehmens womöglich nur scheinbar. Hier bedarf es dann einer genaueren Unternehmens-Analyse, um das Risiko zu minimieren.

5. Der Vollständigkeit halber gebe ich schließlich die allgemeine Empfehlung zu Kauf oder Verkauf als Durchschnitt der Analystenmeinung an.

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Sie mögen an dieser Stelle einwenden, wieso ein gegen den Strom ausgerichteter Investment-Ansatz wie das Value-Investing sich für Konsensus-Zahlen interessieren soll. Das ist in der Tat zunächst merkwürdig. Da jedoch der Markt auf diese Zahlen große Teile des Investments stützt und damit den Preis beeinflußt, wird Ihnen durch die Übereinstimmung der Screener-Ergebnisse und des Konsensus eine gewisse Risiko- oder Volatilitäts-Minderung möglich. Außerdem stützen sich die Analysten freilich auch zum Teil auf Konzepte des Value-Investing.

Außerdem wird damit ein Anhaltspunkt für den Verkaufszeitpunkt gegeben. In der Regel ist der mittlere Erwartungswert der Analysten auch der zunächst erreichbare Kurs-Wert, den der Markt zu zahlen bereit ist. [Mittlerweile gebe ich den niedrigsten, mittleren und höchsten erwarteten Kurs in der Konsensus-Spalte an.]

Der W-Score wird durch die neuen Zahlen ganz bewußt nicht beeinflußt. Er zeigt die reine Unterbewertung, finanzielle Stabilität und das Wachstumspotential eines Unternehmens an. Die neuen Zahlen sind hingegen für die Aussortierung unerwünschter oder erwünschter Risiken/Volatilität beigegeben, die von Ihrem Anlagehorizont und Ihrem Vertrauen in Konsensus vs. Value-Investing abhängt.

Den Wangenheim-Value-Screener können Sie hier bestellen: Zur Website.

Ich hoffe Ihnen damit ein weiteres wirksames Werkzeug für die Auswahl Ihres Portfolios in die Hand gegeben zu haben und freue mich mit Ihnen

auf gute Renditen, Ihr

 

unterschriftbr430

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4 Gedanken zu “Value-Investing vs. Analysten-Erwartung . eine Erweiterung des Wangenheim-Value-Screeners

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