Performance des Wangenheim Value Screeners . Volatilität & Rendite im Vergleich zu Magic Formula und Acquirer’s Multiple

Obgleich der Wangenheim Value Screener bereits seit Beginn des Jahres besteht, so ist seine endgültige Form erst seit Mai 2017 vorhanden. Lediglich kleinere Adjustierungen wurden seitdem vorgenommen.

Seit dem 1. Mai 2017 ist nun ein halbes Jahr vergangen und es scheint mir angezeigt, ein kurzfristiges Fazit zu ziehen. Freilich ist dieses nicht repräsentativ, da es sich im Value-Bereich immer um langfristige Anlagehorizonte handelt. Ein halbes Jahr ist also durchaus zu kurz, um daraus eine Langfrist-Performance abzulesen. Dennoch darf ab und an eine solche Evaluation nicht fehlen.

Daher gebe ich hier nun den Überblick der Entwicklung der Screener-Stocks vom 30. April bis zum 27. Oktober 2017.

Wangenheim Value Screener Performance - Rendite.png

Die Small- und LargeCaps sind je in zwei Gruppen zu zehn Stück aufgeteilt. Die ersten 10 Screening-Ergebnisse haben in beiden Fällen deutlich besser performt, außerdem waren die SmallCaps den LargeCaps überlegen.

Sie sehen, daß abgesehen von den ersten zehn LargeCaps die Aktien der 10er-Portfolios eine ausgenommen hohe Volatilität aufweisen, was sich natürlich auch in chronologischer Volatilität auswirkte. Aber das ist durchaus gewollt. Es herrscht im allgemeinen nämlich durchaus eine Fehlvorstellung davon, was Volatilität und Verlustrisiko angeht.

Sie haben bestimmt schon die Rede davon gehört, daß einmal 50% verloren zu haben bedeute, daß man wieder 100% zulegen müsse, um auf Null herauszukommen. Und in der Tat hört sich das zunächst fatal an. Wer macht schon 100%?

Aber das ist einer der vielen Milchmädchenrechnungen, die mitunter angestellt werden. Erstens hat eine Aktie, die 50% verliert ja offenbar den Ausgangswert aus irgendeinem Grund einmal besessen: sei es durch gute Zahlen oder (wie so häufig) durch den verrückten Mr. Market. Warum also sollte dieser Wert (ohne Beschränkung der Allgemeinheit, wie der Mathematiker sagt) nicht wiederhergestellt werden können? Aus dieser Perspektive, nämlich aus Sicht des höheren Ausgangswertes beträgt der Verlust 50% und die Zunahme aus dem Verlust heraus auf den Ausgangswert ebenfalls 50%. Börsen-Gewäsch, nichts weiter.

Zweitens – und das ist das eigentlich Aufklärende an der Widerlegung solcher Volatilitätsängste – betrachten wir ja ein Portfolio und keine Einzelaktie. Und so merkwürdig wie das klingen mag: In einem Portfolio kann man gar nicht genug Volatilität wünschen! Warum? Weil Volatilität nicht symmetrisch ist.

Nehmen wir an, Sie besitzen ein Portfolio mit einer Volatilität von +/- 10% p.a. zwischen den Einzelaktien. Aber alle Werten gleichen sich aus, weil es genauso viele Verlierer mit -10% gibt wie Gewinner mit +10%. Das finden Sie sicher uninteressant. Ich ebenfalls. Würden Sie eher ein Portfolio mit +/-50% zwischen den Aktien haben wollen, aber ebensoviele 50%-Verlierer wie 50%-Gewinner? Auch nicht? Natürlich nicht.

Aber wenn wir das Spiel nun forttreiben? Bleibt da alles, wie es ist? Nein, ganz und gar nicht. Warum? Weil Sie nicht mehr als 100% verlieren können. Was also, wenn Sie ein Portfolio mit 10 Aktien besitzen, von denen fünf 120% verlieren und fünf 120% gewinnen? Nun, 120% können Sie nicht verlieren. Aber sehr wohl 120% gewinnen. Die Gesamtrendite in diesem Portfolio beträgt dann 10%. Was wäre nun, wenn die Volatilität für ein halbseitiges Verlieren von 200% sorgt und einen halbseitigen Gewinn von 200%?  Sie verstehen.

Nun ist es freilich nicht so, daß man eine derart günstige Verteilung der Volatilität erhält. Vielmehr ist es im günstigsten Fall genau so, wie im Quadranten links oben, also bei den SmallCaps mit den höchsten Wangenheim-Scores: sieben Verlierer und drei Gewinner. Exakt darauf ist der Screener ausgerichtet. MNKD (Mannkind Corp.) war am 10. Oktober mit 945% Gewinn gegenüber Mai sogar fast ein 10-Bagger, also eine Aktie, die sich im Wert verzehnfacht hat. Und das in fünf Monaten!

Haben Sie einen einzigen solchen 10-Bagger können Ihnen 9 Unternehmen Ihres Portfolios völlig Pleite gehen, ohne daß ihre Gesamtrendite sich verändert hätte. Oder lassen Sie die übrigen neun 30% fallen – ein ungeheures Pech –, dann bleiben immer noch 63% plus für das Gesamtportfolio. Exakt das ist mit MNKD für das 10er-Portfolio in abgeschwächter Form geschehen. Freilich haben NTR und MSB ebenfalls gut beigetragen.

Am Freitag letzter Woche war MNKD aber bereits wieder auf „nur“ 370% gefallen, was noch immer 45% Rendite im 10er-Portfolio ergibt. Heute ist die Aktie mit einem Ebit/EV von 0.3 schon wieder attraktiv. Return on Capital bei im Vergleich nicht überragenden 337%, aber eine Net Margin von 72% und eine op. Margin von 31% sind klare Ansagen. Natürlich alles ttm und das letzte Quartal war ein Rückschlag. Just diese Woche ist MNKD von oben, nämlich auf Platz 20, wieder in den Screener hineingelaufen.

Darauf ist, sagte ich, der Screener ausgerichtet, nämlich wenn Unterbewertung, Margin und RoC, möglichst noch in Kombination mit sales growth zuschlagen, sodaß der Wert den doppelten Rittberger auf der Kanonenkugel hinlegt. Zugleich sehen Sie natürlich, daß Sie das gesamte Portfolio besitzen müssen. Denn vorhersehbar war der Gipfelsturm von MNKD nicht. Es handelte sich um eine Label-Zulassung der FDA für das Hauptpräperat des Biopharmazie-Unternehmens. Dabei sind VVUS, NHTC und FNJN ebenfalls interessante Kandidaten, die im letzten halben Jahr allerdings ziemlich schlecht performt haben. Kurz: Wer wann und überhaupt zur Skyrocket wird, das ist bei weitem nicht klar.

Aber schon diese kurzfristige Analyse der vom Wangenheim-Value-Screener vorgeschlagenen Werte zeigt, daß er zumindest im letzten halben Jahr in den richtigen Niederungen gefischt hat.

*

Nun bleibt der Vergleich zu den Konkukrrenten des Wangenheim-Value-Screeners. Da haben wir einmal den S&P500 und den Russell 3000.

S&P500 von 2.388 auf 2.581 = 8.1% (16.2% p.a.)

Russell 3000 von 1418 auf 1530 = 7.9% (15.8% p.a.)

Das sind für die Indizes sehr gute Werte, eigentlich 100% über dem Durchschnitt. Aber vor allem interessiert uns natürlich, wie die MagicFormula von Joel Greenblatt und das Acquirer’s Multiple von Tobias Carlisle abgeschnitten haben.

Magic Formula: 0.6% (1.2% p.a.)

Hier gilt es folgendes zu beachten: Der Magic Formula Screener ordnet nicht nach Bestwerten, sondern 30 Aktien alphabetisch. Daher kann es hier keine Unterteilung in die oberen 15 und unteren 15 Aktien geben. Außerdem ist die MarketCap-Grenze nur einseitig, sodaß größere Firmen auch bei den SmallCaps auftauchen. Da Sie es aber nach der Magic Formula zahlenmäßig sogar in die SmallCap-Kategorie schaffen, scheint es mir logisch, diese dann zweimal zu kaufen. Daß ich sie eingerechnet habe, hilft der Rendite sogar ein wenig.

Performance der Magic Formula I.png
Rendite der Magic Formula . aufgeschlüsselt

Acquirer’s Multiple: 5.2% (10.4% p.a.)

Hier ist zu beachten, daß lediglich die LargeCaps öffentlich sind, sodaß ich für die SmallCaps das Beispielportfolio des Acquirer’s Multiple herangezogen habe. Die oberen 10 Werte stellen jene seit 1. Mai dar, die unteren 15 jene vom 30. Sep 2016 bis 1. Mai 2017 gekauften. Für die Performance der unteren bin ich dem Acquirer’s Multiple sehr entgegengekommen, indem ich die Renditen seit Kauf, nicht seit 1. Mai eingetragen habe. Sonst wäre das Ergebnis deutlich schwächer.

Performance des Acquirers Multiple.png
Rendite des Acquirer’s Multiple . aufgeschlüsselt

 

Und nochmals für den direkten Vergleich der Wangenheim-Score: 13.4% (26.9% p.a.).

Auch der Wangenheim Value Screener ist nicht öffentlich, aber Sie sehen die frühen Screeningergebnisse zur Einführung April/Mai noch immer als „Muster“ auf der Homepage der Werbeseite für den Wangenheim-Börsenbrief. Das ist nicht exakt dasselbe Portfolio wie vom 30. April, vor allem, weil ich dort noch LargeCaps und SmallCaps zusammengeworfen hatte. Die wesentlichen Werte sind aber sichtbar.

Wangenheim Value Screener Performance - Rendite
Wangenheim Value Screener . Halbjahresrendite 1. Mai bis 1. November 2017

Erst in ein paar Jahren wird man urteilen können, wie sich die drei Strategien langfristig zueinander verhalten, aber der Wangenheim Value Screener hat nach dem ersten halben Jahr einen guten Vorsprung erarbeitet. Bleiben wir gespannt.

 

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