Vom Schloß Glauchau zur Augustusburg . Teil 2 . Gemäldegalerie I

[Die Fotos wurden entfernt.]

 

Wie Ostthüringen so ist auch Westsachsen im 19. Jahrhundert durch die industrielle Tuchfabrikation reich geworden. Dieser Tatsache ist eine kleine Ausstellung an Webstühlen gewidmet, die im Museum etwas seitwärts liegt.

So findet sich etwa dieser Jacquardwebstuhl in der Austellung. Mancher läßt sich hinreißen, diese Form der Webstühle, die mit der Erfindung des Seidenwebers Joseph-Marie-Jacquard 1805 aufkam, als die ersten Rechenmaschinen zu bezeichnen. Und in der Tat hatte Jacquard erstmals nach der Erfindung des mechanischen Webstuhls durch Cartwright im Jahr 1785, einen Webstuhl entworfen, der variable Muster zu weben in der Lage war. Die Musterung wurde nun aber nicht durch von Hand gezogene Kettfäden eingebracht, sondern automatisch. Die Information dazu entnimmt die Mechanik einer Lochkarte, wie sie bis in die 70er Jahre hinein noch in der Computertechnik verwendet wurden.

Die feinen Lochkarten, die zu Dutzenden von dieser weiterentwickelten Maschine eingelesen werden, sehen Sie am oberen linken Bildrand aufgefaltet hängen, darunter das tausenfältige Gewirr der Kettfäden, welche die Maschine gemäß der Lochkartenvorschrift hebt oder senkt. Hier sehen Sie die arbeitende Maschine, die Ihnen einen Eindruck von der mechanischen Komplexität und dem Genie seiner Erbauer gibt. Vor der Erfindung Jacquards saß oben auf dem Webstuhl ein Helfer und hatte die anstrengende Aufgabe, die Fäden zu verteilen. Ein ganzer Berufszweig wurde mit dieser Erfindung ausgelöscht.

*

Und nun ging es in die Gemäldegalerie, die mich nicht wenig überraschte. Es handelt sich um die Sammlung des Dresdner Mediziners Dr. Paul Geipel. Der hatte seine Dresdner Villa in der Kügelgenstraße 10 mit diesen Malern seiner Heimat ausgestattet, was angesichts des Straßennamens nicht wenig passend ist. Vor allem aber passend ist sein Kunstgeschmack zu meinem. Bereits im Voraum erwarten uns ein paar kleine Bildchen, die einen großartigen Farbraum eröffnen und idyllische Ansichten zeigen.

Darunter ein Bild des Schlosses selbst, das von ausgezeichneter Qualität ist. Der Glauchauer Maler Friedrich August Wünschmann hat vor scheinbar eintönigem Wolkengrau das leicht im Sonnenlicht beschienene Schloß in einer Detailtreue und in einem unaufgeregten Realismus auf Leinwand gefangen, wie man es in Ausschnitten von einer frühen Farbfotografie nicht anders erwarten würde.

Wie, Sie sehen nicht, was ich meine? Dann treten Sie mal näher heran!

Sehen Sie… ich hab‘ es ihnen doch gesagt.

Selbst die kleinsten der Gemälde im Vorraum aus dem Pinsel Bernhard Mühligs (1829-1910) sind von ausgesprochener Qualität. Der Maler war 1853 mit Hermann Wilhelm von Witzleben auf einer Wanderung durch Böhmen und wurde von ihm beauftragt, diese in Bildern festzuhalten. Ich möchte fast meinen, daß diese Gemälde zu jener Reihe gehören, die zum Großteil in der Zwickauer Gemäldesammlung liegen sollen. Aber da kommen wir sicher auch noch hin, um die Frage zu klären.

Dann begehen wir aber die Gemäldegalerie selbst. Und dort zeigte sich schon auf den ersten Blick in den Saal, daß hier etliches zu entdecken sein würde. Teils impressionistische Leuchtfarben, hier und da spätromantische Erdtöne: Es versprach ein Augenschmaus zu werden!

Das ist ein arg reduzierter Impressionismus, aber was für Farben, was für ein subtile Perspektive! Wäre der ungemeine Realismus in den Schattierungen nicht, man wollte es eine Comic-Landschaft nennen.

Sehr in Pastelltönen gehalten und freilich nicht halb so eindrücklich, aber doch von klaren Flächen gezeichnet, eine angenehme Morgenstimmung nahe dem Schauplatz der Schlüsselszene aus Rudolf Herzogs Novelle: Deutsch und Fremd: dem Theater von Taormina.

Auch Plastiken gehören zur Sammlung Geipels.

Richard von Hagen, geboren in Husum, gestorben in Dresden, fällt mit mehreren spätromantischen und frühimpressionistischen Bildern auf.

Auch hier sind es die subtile Lichtwirkung durch die sanfte Beleuchtung des Altars und die gedeckten Farben, die dem sonst wenig besonderen Motiv eine ausgenommene Qualität geben.

Und was sagen sie zu diesem Meisterwerk? Nicht nur ist das ein Traum, d.h. ein Traum Bellottos, der gern so hätte malen können, es ist auch ein unglaublicher Beweis, wie schön Italien einmal war. Was uns Märchendeutschland, ist den Italienern ihr Renaissance-Traum, aus dem sie das 20. Jahrhundert unsanft geweckt hat.

Vom Dresdner Maler Johannes Heinrich Mogk stammt dieses Portrait einer antikisierten Dame, das an Alma-Tadema oder Edward Poynter erinnert. Zwar zeigt das Bild nicht ganz die Billanz der genannten Vorbilder, aber die Feinheit der Tapete, der gelungene Handschatten und die Jugendstil-Signatur sind schön anzusehen, während der Faltenwurf etwas kratzbürstig erscheint.

Ich sehe, daß ich mit diesem Teil die Gemäldegalerie nicht ganz abschließen kann, dafür werden wir beim nächsten Mal auch die Gesteinssammlung includieren und nach Chemnitz fahren.

*

 

2 Gedanken zu “Vom Schloß Glauchau zur Augustusburg . Teil 2 . Gemäldegalerie I

  1. Olaf Schreiber

    Hallo,

    bei dem zweiten, mechanischen Webstuhl (2. Foto) handelt es sich nicht um einen Jacquard-Webstuhl sondern um einen Tuchwebstuhl mit Schaftmaschine.

    Gefällt mir

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