Vom Schloß Glauchau zur Augustusburg . Teil 1 . Glauchau und Wohnräume des Schlosses

Wenn ein Postamt besichtungswürdig ist, dann handelt es sich offenbar um Überbleibsel unserer Blütezeiten. In exakt fünf Monaten, von Mai bis Oktober 1892, wurde in Glauchau das Reichspost- und Telegraphen-Amt errichtet.

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Kaiserliches Postamt Glauchau

Von außen ein von den Postkästen, Straßenschildern und der Beschriftung abgesehen schöner, aber nicht ungewöhnlicher Bau im Stil der Neorenaissance. Im Innenhof befanden sich die Stallungen, Postillionsräume und Geschirrkammern des ausgehenden Postkutschenzeitalters, wovon heute nur noch gewöhnliche LKW-Rampen übrig sind. Die Ausstattung der Schalterhalle jedoch, insbesondere ihre gekonnte Ausmalung ist dann doch alles andere als gewöhnlich.

Die Stadt selbst ist niedrig gehalten, macht bald den Eindruck eines böhmischen Marktfleckens, wird jedoch abgesehen von manchen modernen Bauten vor allem durch grellschreiende Proleten-Werbung in den Schaufenstern verschandelt. Sie kennen das: dort eine Dönerbude, da ein asiatischer Lumpenladen, hier ein Billigheimer, dort ein Tattoo-Geschäft.

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einen einzelnen Neger gab es in Glauchau auch schon vor 2015

Die Stadt sorgte aber auch für eine ganz persönliche Entdeckung. Der Hausspruch über einem Tripelfenster der Ladenstraße sagt:

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Deutsches Haus und deutsches Land / Schirm dich Gott mit starker Hand!

Nun klingt das nach nichts besonderem. Für mich schon. Denn mein Großvater Rudolf Schmidt (den Sie hier auf einem Motorrad sehen, das wir in einem der folgenden Teile dieser Reihe ebenfalls wiedertreffen werden) brachte an das Haus, das er 1936 in Weißig (b. Gera) baute, in eine Tafel graviert den Spruch an:

Deutsches Haus im deutschen Land
Gott schütze es mit starker Hand!

Derlei Varianten scheinen sich also gewisser Beliebtheit erfreut zu haben, wenngleich die oben abgebildete Fassade freilich bereits dem ausgehenden 19. Jahrhundert entstammt.

Hinter dem Schloß beginnt das Villenviertel. Hier haben sich die Tuchfabrikanten der Stadt teils ausgesprochenen Prunk gegönnt. Oder würden Sie einen solchen Grundstückbegrenzungspfeiler anders als mindestens reichständisch nennen?

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Zaunspfeiler eines Villengrundstücks in Glauchau . Beachten Sie die Größenverhältnisse!

Das dazugehörige Gebäude sehen Sie auf der nächsten Fotografie, außerdem einen ausgesprochen schönen Jugendstilzaun eines anderen Grundstücks.

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Zäune und Villen in Glauchau

Schließlich nähern wir uns wieder dem Schloß, dessen Museum sich von 12 bis 13 Uhr eine Mittagspause gönnte und daher den Rundgang erzwang. Eine Art Schloßpark begleitet den Weg zurück, der Gründelpark. Dort hat der Mühlenbaumeister Carl Hedrich allen Ernstes eine Goldelse auf der Teichinsel errichten lassen.

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Gründelteich mit der von einem goldenen Engel gekrönten Gedenksäule für den Grafen von Schönburg (bei Naumburg)

Mittlerweile hatte das Schloßpersonal den Mittagsschlaf hinter sich gebracht und ich besorgte mir eine Eintrittskarte.

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Schloß Glauchau, hier oberer Teil: Forderglauchau (sic!)

In einer sonderbar gebogenen französischen Raumfolge gab es dann einige sehr geschmackvoll ausgestattete Wohnräume im ersten OG mit reichen Kasettendecken und gutem Gemälde- und Meublebestand zu sehen.

Der folgende Historismus-Salon beherbergt den Herrn des Hauses und seine Schwester, über der Tür Kaiserin Elisabeth von Österreich zu Pferde, Gestühl Buche und Seidenbezug, ein Bureauplat in Eiche (rechts) und den Schreibtisch in der Ecke ebenfalls in Eiche (1865, Wurzen), sowie erneut die ausgenommen repetitive Tapete.

Der Lüster, die Decke und Kaiserin Elisabeth lohnen sich noch für einen Auschnitt.

Dazu will ich Ihnen das Portrait des Schloßherren selbst nicht vorenthalten: Graf Carl von Schönburg-Forderglauchau, den Sie auf dem folgenden Gemälde in der Schönburgischen Hausuniform sehen.

Im Biedermeier-Zimmer gab es neben einer englischen Nußbaum-Standuhr (1820), einem Säulentisch (Mahagoni auf Kiefer, 1810), einer Buche-Mahagoni-Sitzgarnitur mit Kurbelstickereien auf schwarzer Seide und einem Mahagoni-Tafelklavier von Härtel (Leipzig, 1845) einen ersten Vorgeschmack darauf, was uns in der Gemäldesammlung erwarten wird, wenngleich aus einer anderen Zeit.

Denn die italienische Landschaft rechts hätte ich auch gern etwas näher besehen. Aber leider kann man in die Zimmer nicht eintreten. Zusammen mit einem spiegelbildlich aufgehangenem gegenüber, das ebenfalls Johann Hermann Carmiencke malte, eine wunderschöne Combination.

Ich glaube es ist insonders am linken der beiden Gemälde sichtbar, daß er unter anderen mit Gurlitt befreundet war. In Kopenhagen, an welcher Kunsthochschule dieser lichtverliebte und rosé-verfärbte Stil offenbar in etlichen Künstlern reifte, lernte er auch Johannes Mohr, Ernst Wolperding, Adolf Carl und Charles Ross kennen.

Schließlich das Empire-Zimmer: Hier sehen wir weitläufigere Familie, einen feuervergoldeten Lüster, eine französische Etagere (1800) auf Mahagoni-furniertem Kiefertisch mit Bronzebeschlägen, ein Zellwoll-Kanapée und zwei französische Amphoren (1812).

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