Taktik und Technik beim Value-Investing . Teil 2 . Währungsrisiko, Screener-Plazierung und Haltedauer

Nachdem wir beim letzten Mal über die Streuung des Risikos beim Einstieg in den Markt gesprochen haben, können wir uns nun dem gefürchteten Thema des Währungsrisikos annehmen, denn das hängt mit der Frage der Diversifikation eng zusammen.

Damit meine ich nun nicht, daß Sie in möglichst viele verschiedene Währungen investieren sollten oder Aktien möglichst vieler Märkte. Das kann angesichts der klaren wirtschaftlichen Machtverteilung auf der Welt sogar arg nach hinten losgehen. Vielmehr geht es mir um das Währungsrisiko eines Europäers, der in den USA investiert, wie wir es sind. Und trotz allen Zentralbankwahnsinns sind Euro und Dollar sicher die stabilsten der großen Währungen der Welt, die im Zweifel auch kleinere Währungen, die weniger absurd geführt werden, mitreißen würden. Diese beiden Standbeine sind also recht gute Voraussetzungen. Insofern stört uns hier weniger der Wert unserer Vermögenswerte im Vergleich etwa zum Yen oder Franken als vielmehr, wie diese beiden Währungen, zwischen denen wir beim Kauf amerikansicher Aktien tauschen müssen, sich zueinander verhalten.

Da gibt es nun etliche Möglichkeiten die Währungsschwankungen zu hedgen, also abzufedern. Aber keine Angst, die Antwort wird, wie so oft im Leben, recht simpel sein. Freilich sollten Sie in einem starken Aufwärtstrend des Euro, wie er die letzten Monate stattfand, nicht unnötig große Mengen US-Dollar kaufen. Tauschen Sie einfach für jeden Aktienkauf das nötige Geld und bleiben Sie sonst im Euro. Sollte irgendwann wieder der US-Dollar stark anziehen, dann mögen Sie vielleicht umgekehrt beim Verkauf Ihrer US-Aktien nicht sofort in Euro umtauschen, sondern lieber noch ein wenig zuwarten.

Aber im Allgemeinen können wir Währungskurse ebensowenig vorhersagen, wie Aktienkurse, wenngleich Trends hier länger persistieren und daher eine gewisse Trendfolge eher erfolgreich ist. Das liegt natürlich daran, daß Währungen ganze Volkswirtschaften widerspiegeln und sich daher schlicht träger bewegen. Hier macht also das Kaufen und Verkaufen über und unter den gleitenden Durchschnitten durchaus Sinn. Wobei ich Sie nicht zum Währungshandel verleiten will, sondern damit lediglich von der Fremdwährung spreche, die Sie ohnehin sofort oder eben mit geringer Zeitverzögerung in Aktien dieser Währung investieren.

Damit haben wir allerdings die Grundfrage nicht geklärt. Wenn Sie z.B. Anfang dieses Jahres Ihr Geld (das Sie freilich in Euro bei Ihrem Broker einzahlen) in US-Dollar getauscht und in US-Aktien investiert haben, dann war der Einfluß des Dollarkurses nicht zu übersehen. Denn auch wenn Sie seitdem auf’s Jahr hochgerechnet 20% Rendite erzielt haben, wie ich, so stehen Sie heute nur geradeso im Plus. Denn der Verlust durch den abgeschwächten US-Dollar hat Ihre gesamte Rendite aufgefressen. Verkaufen Sie diese Aktien heute und tauschen in Euro zurück, haben Sie praktisch nichts gewonnen. Das klingt ernüchternd. Aber es ist alles andere als ein Problem. Denn Sie verkaufen ja nicht und Sie tauschen auch nicht zurück.

Solang Sie mir in der allgemeinen Einschätzung folgen, daß es Deutschland (welche Währung wir auch immer verwenden) wirtschaftlich im großen und ganzen nicht fundamental anders gehen wird als den Vereinigten Staaten von Amerika, dann handelt es sich im Grunde nur um vorübergehende Schwankungen, die zyklischer Natur sind, statt einen ewigen Verlust anzuzeigen. Einzelaktien können langfristige Trends nach oben oder unten aufweisen. Aber Währungen zweier im Grunde gleichgestellter Wirtschaftsnationen?

EUR USD.png
EUR-USD-Chart von 1988 bis 2017 . derzeit liegen wir etwa im Durchschnitt

Freilich können wir eine weltpolitische Lage imaginieren, die ein völliges Auseinanderdriften der Kurse zur Folge hätte, etwa ein europäischer Atomkrieg oder einer auf dem Boden der USA. Aber selbst solche Extremereignisse werden aufgrund der engen wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen ziemlich wahrscheinlich immer beide Wirtschaftsräume treffen. Es ist also recht sicher, daß der USD-EUR-Kurs in all seinen Schwankungen immer wieder auf einen mittleren Wert zurückpendeln wird, der nichts anderes anzeigt, als daß die USA eine erfolgreiche westliche Industrienation sind und Deutschland nicht weniger. Von der weltweiten Vernetzung der Wirtschaftsräume wird diese Korrelation noch verstärkt und würde selbst bei autarker Politik der Einzelstaaten auf Grund sehr ähnlicher wirtschaftspolitischer Gesamtverhältnisse weitgehend bestehen bleiben.

Und das heißt für Währungsschwankungen letztlich nichts anderes als: Im Grunde interessieren sie uns nicht. Auch die Währungen kaufen wir regelmäßig und verkaufen sie wieder, ganz wie Aktien in einem Investitionsplan (s. Teil 1). Ob Sie im Zuge dessen mit gleitendenden 21-Tage-Durchschnitten ein wenig spekulieren wollen, also bei angenommenem fallenden Euro lieber schon mal einen großen Batzen in US-Dollar umtauschen oder immer nur das Kapital, das Sie gerade zum Kauf einer Aktie benötigen und es zurücktauschen, wenn Sie es in Ihrer Barschaft brauchen, überlasse ich Ihrem Spieltrieb. Und wenn Sie große Teile Geldes Ihrem Brokerkonto entnehmen wollen, werden Sie ohnehin am Stand des Wechselkurses prüfen, ob Sie das Geld wirklich brauchen.

Davon abgesehen ist das Währungsrisiko aber für Langzeitanleger kaum ein Problem, sondern etwas, dem man in seinen Schwankungen wird gelassen beiwohnen können. Irgendwann dreht sich der Wind wieder zu den eigenen Gunsten und die Rendite kommt auch in EUR gemessen wieder zurück. Daher ist und bleibt für Ihre kurzfristige Rendite die entscheidende Größe der Zugewinn an Dollar im Verhältnis zur Gesamtinvestition in Dollar.

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Ich hoffe, mit den nun erschienen Investment-Beiträgen auf diesem Blog sind alle wesentlichen Bedenken besprochen, die man beim Kauf von Aktien im allgemeinen und US-Aktien im besonderen haben kann. Wie gehen Sie aber nun beim Kauf vor, wenn Sie von einem Screener, dessen Auswahlstrategie Sie überzeugt, Aktien angezeigt bekommen? Nun, Sie legen sich auf eine Portfoliogröße fest, etwa 20, und kaufen alle 14 Tage oder jeden Monat eine neue der besten im Screener angezeigten Wertpapiere zu je gleichen Anteilen (das ist ihre monatliche Investmentrate aus Teil 1 der Reihe).

Der Wangenheim-Value-Screener unterscheidet SmallCaps und LargeCaps, wobei die Trennlinie bei 2 Mrd. $ Marktkapitalisierung liegt. Sie können also in dieser Hinsicht streuen, indem Sie abwechselnd Anteile einer großen und dann wieder einer kleinen Firma kaufen. Die MarketCaps sind aber auch nominal angegeben, sodaß Sie Ihre eigenen Grenzen festlegen können: Z.B. wollen Sie vielleicht keine Firmen mit einer Marktkapitalisierung von unter 50 Million $ in Ihrem Portfolio, wie es der Magic-Fomula-Screener tut. Oder für Sie fangen LargeCaps erst ab 5 Mrd. $ an. Ganz wie Sie mögen.

Sie fangen naturgemäß bei den oberen Rängen des Screeners an, denn die Reihenfolge der Aktien im Screener kann sich über die Monate, in welchen Sie sich das Portfolio zulegen, in nicht vorhersehbarer Weise ändern. Und Sie wollen schließlich immer die am stärksten unterbewerteten und wachstumversprechendsten Titel kaufen.

Im Laufe der Zeit springen z.B. gern Firmen mit neuerlich fantastischen Zahlen plötzlich in den Screener hinein, werden dann vielleicht wieder teurer, wandern also aus dem Screener heraus oder ein Unternehmen klettert von den schlechteren Plätzen immer weiter nach vorn, weil der Preis immerzu sinkt, erreicht einen vorderen Platz und wandert daraufhin langsam (oder auch hier sprunghaft) wieder heraus.

Wie ich schon früher deutlich gemacht habe, sind kurzfristige Preisbewegungen nicht vorhersehbar und auch die noch unveröffentlichten Unternehmenszahlen werden Sie nicht erraten (auch die Erwartungen der Wall Street sind dann ohnehin bereits eingepreist, bringen Sie also ebensowenig weiter). Daher ist diese Bewegung der Aktien innerhalb des Screeners so vorhersehbar, wie ihr kurzfristiger Kurs: nämlich gar nicht. Daher lautet die einfache Strategie: Immer den gerade besten Wert kaufen, den Sie noch nicht besitzen. Sind Sie bei 20 Titeln angelangt, kaufen Sie regelmäßig Ihre bereits bekannten Titel nach oder, falls Sie Ihr Portfolio erweitern möchten, neuauftauchende im Screener.

Und wie steigen Sie wieder aus? Nun, solang die Aktie unterbewertet ist, also noch im Screener vorkommt, halten Sie dieselbe natürlich. Hier ist allein darauf zu achten, daß sich das Unternehmen nicht in einer Abwärtsspirale aus fallenden Gewinnen und fallendem Preis befindet (wie ich schon mehrfach ausführte und im vorangehenden Börsenbrief gelegentlich vermerke).

Fällt das Unternehmen allerdings aus dem Screener heraus, so deutet das auf Überbewertung. Im allgemeinen verkauft man dann nach einem Jahr Haltedauer – egal ob die Aktie gestiegen oder gefallen ist. Dieses Prinzip verhindert, daß Sie sich dazu überreden, einen Papierverlust der fraglichen Aktie aus Angst nicht zu realisieren, obwohl sie eben nicht mehr unterbewertet ist und objektiv wenig Chancen bestehen, daß sie genesen wird. [Mittlerweile gibt es konkrete Kurs-Angaben im Screener, welche die erwartbaren Werte sind.] Auch hier gilt der Spruch: We tend to see more broken legs, than there really are. Allerdings umgekehrt, weil wir für die Aktie, da sie in unserem Portfolio liegt, Übermäßiges hoffen: We tend to see more gold veins than there really are.

Im Falle gestiegener Kurse bleibt die Frage, ob man länger in die Überbewertung hinein halten will. Denn der Screener zeigt freilich nicht alle erdenkliche Unterbewertung, sondern nur die Extreme. Dann gilt es abzuschätzen, ob man der Teuerung des Unternehmens noch länger zusehen möchte, während man sich selbstverständlich ein persönliches (kein automatisches) Verkaufs-Limit für fallende Kurse setzt. Dies aber gehört bereits nicht mehr zur Strategie. Diese würde das Halten der Aktie nur dann anzeigen, wenn dieselbe noch immer unterbewertet ist, also die Gewinne, Wachstums- und Finanzdaten des Unternehmens sich im gleichen Maße seines Kursgewinns nach oben bewegt hätten.

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Zum Abschluß habe ich noch ein Wort zum Kauf von US-Aktien an deutschen Börsen anzufügen. Wenn Ihr Broker Ihnen einen EUR-Preis anzeigt, dann will er Ihre Order mit ziemlicher Sicherheit in Frankfurt ausführen lassen. In Frankfurt werden aber US-Aktien nur mit eher geringen Volumina gehandelt, sodaß Sie tendentiell erhöhte Preise zahlen.

Außerdem ist der Aktienkauf an deutschen Börsen überhaupt teurer als etwa mit IB an der New York Stock Exchange. Die Gebühren für den Handel an der NYSE von deutschen Banken aus ist aber meist ebenfalls schwindelerregend. Wenn Sie also den Kompromiß eingehen wollen, US-Aktien an deutschen Börsen zu kaufen, so gleichen Sie bitte über den aktuellen Umtauschkurs die Handelspreise immer mit denen in New York ab, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Im Zweifel empfehle ich immer einen großen amerikanischen/internationalen Online-Broker, wie Interactive Brokers.

 

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