Kann etwas Sinn machen? Oder ist das miserables Deutsch?

Kennen Sie Sebastian Sick? Es gab eine Zeit, da war dieser Mann enorm en vogue. Er hatte nämlich ein Buch verfaßt, in welchem die Sprachpanschereien der Gegenwart aufgelistet und lächerlich gemacht wurden: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Und das stimmte auch in etlichen Fällen.
Als jedoch ein großer Freund, das heißt genauer: eine große Freundin jenes Buches mir daraus vorlas, nachdem ich einen solchen dümmlichen Fehler begangen haben sollte, da begann ich, den Unsinn, der dort zum Teil zur Erklärung herangezogen wurde, wiederum zu widerlegen.

Zu dieser Zeit – vielleicht vor etwa zehn Jahren – war es eine beliebte Beschäftigung, sich zu sprachstilistischen Fragen zu äußern. Vielleicht hing das mit der absurden Rechtsschreibreform zusammen. Gestern aber erhielt ich einen solchen Hinweis zu einem älteren Beitrag. Es störe ihn – den Verfasser des Hinweises –, wenn Leute, die sonst stilistisch sauber schrieben, solche oder ähnlich miserabel eingedeutschte Anglizismen verwendeten wie: „Sinn machen“. Man könne keinen Sinn machen oder herstellen. Etwas habe Sinn oder es habe keinen. Wer ernsthaft Sinn machen wolle, der glaube, eine Macht zu besitzen, die besser den Göttern vorbehalten bliebe.

Ich bedanke mich ausdrücklich für diesen Hinweis und ermutige Sie, mir dergleichen Gedanken immer zukommen zu lassen. Denn das ist eine ausgesprochen interessante Frage – neben der Tatsache, daß ich mich für sprachliche Feinheiten besonders erwärmen kann. Doch bin ich hier – wie so häufig – völlig anderer Auffassung.

Zunächst einmal brennt es mir auf der Zunge zu sagen, daß ich alles andere als stilistisch sauber zu schreiben im Sinn habe. Ich will lediglich stilistisch interessant, im besten Falle stilistisch gut sein. Ich schreibe so, wie es mir mein Sprachgefühl vorgibt. Und das entstammt dreier Quellen: von dialektalen Zeitgenossen, von hochdeutschen Zeitgenossen und von Klassikern. Ich maße mir hier offiziell an, genug von alldem aufgenommen zu haben, um mir ein Gefühlsurteil zur deutschen Sprache erlauben zu dürfen. Und mein Urteil lautet, „Sinn machen“ macht Sinn. Ich will nun nicht abstreiten, daß es Manchem dabei aufstößt. Aber das heißt nicht unbedingt viel.

Auch ich war wenig begeistert, als man in akademischen Kreisen begann, davon zu sprechen, man erinnere etwas. „Erinnern“ ist doch wohl ein reflexives Verb, dachte ich! Ich kann an etwas erinnern. Das bedeutet aber nicht dasselbe. Ohne dies „an“ kann ich nur „mich“ erinnern. Nun ist aber dieses nichtreflexive Erinnern – wie so vieles in der deutschen Sprache – keineswegs falsch. Im Gegenteil: Etwas erinnern, ganz wörtlich genommen, also gewissermaßen ins Kopfinnere zurückzuholen, ist eine viel einleuchtendere Beschreibung des Erinnerungsvorgangs. Obendrein wird es gelegentlich um 1800 so verwendet. Was soll dagegen „sich“ erinnern bedeuten? Sich selbst in die Erinnerung holen? Nun ja, vielleicht in sich gehen.

Meine Gewöhnung nun verbietet mir jedoch das „sich“ wegfallen zu lassen. Und ich höre das akademische Newspeak sehr ungern, wenn es auch selten vorkommt, seit ich mit dergleichen Protagonisten nicht mehr zu tun habe. Aber ich kann nicht behaupten es sei falsch, wie Sie gerade gesehen haben. Denn es macht Sinn. Und warum? Weil die deutsche Sprache derart reichhaltig ist, d.i. so viele Wortbedeutungen kennt, so viele grammatische Formen, daß es schwer ist, nach Einhaltung der formalen Gesetze überhaupt einen falschen, sinnlosen Satz zu bilden. Inhaltlich sehr wohl, verstehen Sie mich nicht falsch. Und exakt das ist hier der Punkt.

Nehmen wir nach dieser kurzen Einführung in die Breite dessen, was im Deutschen möglich ist, jenes „machen“ her, das offenbar hier eine Sorge hervorruft.
Jeder, der ab und an Klassiker der deutschen Literatur liest, etwa Wieland, Schiller, Goethe usw., kennt die merkwürdige Verwendung von „machen“ im Zusammenhang mit Verben. Jemanden „erkennen machen“, „der Kasus macht mich lachen“, „Der Gral sollte Parzival wissen(d) machen.“ Auch das hört sich nach englischer Sprache an: „The grail ought to make Parzival weet.“

Das sollte uns jedoch nicht verwundern. Es handelt sich nun einmal um zwei germanische Sprachen. Da gibt es Überschneidungen. Nur weil heute diese klassische Verwendung von „machen“ unbedeutend geworden ist, hat es noch lang nichts mit dem Englischen zu tun. Man mag es von dort her wiederfinden. Aber das ist kein Neuland für das Deutsche. Es handelt sich lediglich um eine Anagnorisis. Nur weil eine der beiden Sprachen eine Seite der Wortbedeutung stärker betont hat, heißt das nicht, daß in der anderen der Sinn nicht mehr gemacht werden könne. It‘s Zeitgeist. Zeitgeist kommt auch aus dem Englischen. Wenigstens, wenn man danach urteilt, in welcher Sprache der Begriff häufiger vorkommt.

Aber zurück zum Sinn machen. Im Englischen bedeutet „make“ tatsächlich nicht nur machen, sondern auch noch einiges andere. Etwa „Donald makes a better President than Hillary“ also „stellt einen besseren Präsidenten dar“ oder „make it on to the team-sheet” also „es in die Mannschaft schaffen” oder „make landfall” für „ans Land gelangen”. Diese Bedeutungen von „make“ im Englischen sind aber nun nicht erst nach der Auswanderung der Sachsen vom englischen Himmel gefallen, sondern waren schon immer im alten machen enthalten und sind selbst heute noch präsent.

Wir Ostdeutschen sagen zum Beispiel gern: „Ich mach‘ heute in die Stadt.“ Was das heißt? Natürlich: Ich gehe/fahre heute in die Stadt. Das ist nichts anderes als to make land. Oder wir sagen: „Der macht sich besser als geglaubt.“ Auch das ist nichts anderes als jenes: He makes a good president. Und schließlich: „Wenn der so weiter spielt, macht er es noch in die Mannschaft“ (= make it on to the team-sheet). Vielleicht bin ich diesbezüglich auch glücklich vorgeprägt und dergleichen beschränkt sich auf meine Heimat, den sächsischen Raum. Aber Sie sehen, all diese Bedeutungen von „machen“ gibt es auch im Deutschen. Und so scheitern scheinbar akademische Analysen von der Verschiedenheit von machen und make eben am Sprachgebrauch, den sie selbst bereits nicht mehr kennen und einen Unterschied konstruieren, wo es keinen gibt.

All diese Beispiele zeigen nicht, welche zusätzlichen oder anderen Bedeutungen „make“ im Englischen hat, sondern daß auch im Deutschen all diese Bedeutungen existieren. Ich glaube sogar, daß es sich bei jenem: „Das ist aus dem Englischen rückübersetzt“ sogar im Kern um ein ganz unsinniges Anhimmeln des Englischen handelt. Die allgemein beliebt gewordene Erniedrigung der eigenen Kultur läßt grüßen. Etwa nach dem Motto: Die deutsche Sprache ist viel einfältiger, das kann man nur im Englischen sagen.

Ganz bestimmt nicht, um nicht: Das macht gar keinen Sinn! zu sagen, meine Herren! Die eigentliche Qualität der deutschen Sprache liegt gerade darin, daß man fast alles mit ihr tun kann (im Gegensatz zum modernen Englischen). Aber ich sehe, man ist mit Volldampf dabei, alle Viefältigkeit derselben wegzudiskutieren.

„Das macht Sinn!“ – Geben Sie mir ein grammatikalisches Gesetz, das diese Wendung unmöglich macht! Die Grammatik spricht nicht gegen diesen Satz. Da ist auch nichts falsch gebeugt. Die gesamte Argumentation gegen diese Formulierung ist inhaltlicher Art. Und man darf freilich so argumentieren. Aber ich argumentiere inhaltlich exakt dagegen. Sehr wohl kann ich Sinn machen. Ja, ich stelle den Sinn her. Hatte der Satz: „Wenn B aus A folgt und C aus B, dann folgt C aus A“ vor der Existenz des Menschen irgendeinen Sinn? Nein. Wir haben diese Logik erst hergestellt. Wenn Sie nun sagen: Doch, Gott/die Natur hat die logischen Gesetze gemacht, dann befinden wir uns in der Theologie oder wenigstens in der Philosophie der Logik. Das können wir gern diskutieren. Aber dann sprechen wir nicht über einen Sprachfehler, auch keinen stilistischen Fehler, sondern diskutieren ein nachweislich unlösbares philosophisches Problem (und wäre es lösbar, würde daraus noch immer kein Sprachproblem werden).

Da niemand das eine noch das andere zweifelsfrei belegen kann, ebenso wie niemand beweisen kann „die Wahrheit“ gefunden zu haben oder daß „die Wahrheit“ nicht zu erkennen ist, so handelt es sich hier um eine philosophische Frage von Relativismus und Absolutheitsanspruch. Aber ich erhebe keinen Absolutheitsanspruch auf den von mir gefundenen Sinn, wenn ich sage, etwas mache Sinn. Es ist jedem nicht gänzlich unwohlmeinenden Leser klar, daß ich nicht vom philosophischen Sinn ansich (auch hier schreibe ich rebellisch das ansich zusammen) rede, sondern vom menschlich-logischen, im Zweifel sogar von nur meinem eigenen, denn auch ich könnte ja einen logischen Fehler begehen.

Ebenso, wie ich keinen Anspruch auf die Absolutheit meiner Rechenkünste erhebe, wenn ich sage: Zwei und zwei macht vier. Auch hier mache ich die vier nicht. Deswegen heißt es im übrigen ja macht. Das deutet bereits darauf hin, daß etwas anderes als ich, nämlich ein allgemeines Rechenprinzip, dessen ich mich bediene, etwas macht. Ich mache aber auch nicht dieses allgemeinere Prinzip, die Peanoschen Axiome oder die Mathematik überhaupt. Denn hier handelt es sich gewissermaßen um eine Verkürzung. Der Satz heißt ausgesprochen: Wenn wir zwei und zwei zusammenzählen, dann macht unsere Form der Mathematik daraus eine vier. Und wenn ich sage: „Das macht Sinn“, dann ist das selbstverständlich eine Verkürzung von: Die allgemeinen Regeln logischen Denkens machen den Sinn der getroffenen Aussage offenbar. Ich dachte, das wäre klar, wenn man wohlmeinend ist.

Und was ist „Sinn ergeben“, das einem alternativ vorgeschlagen wird? Dein Satz ergibt Sinn. Zwei plus zwei ergibt vier. Zwei plus zwei macht vier. Aber Dein Satz macht Sinn – nicht? Hoppla! Nein, das ist es keine absurde Diskrepanz, sondern ergeben und machen sind hier Synonyme. Also machen Sie mir unser schönes machen nicht zu dem beschränkten Verb der primitiveren modernen Straßensprache! Unser deutsches machen ist viel reichhaltiger.

Und deshalb findet man dergleichen Formulierungen auch, wie oben erwähnt, im klassischen Deutsch. Das allgemein bekannte Beispiel ist Lessing. Aber nun halten Sie sich fest: In dem oben bereits verlinkten Artikel heißt es, das, was man dort finde, entspreche formal nicht der Wendung Sinn machen: „Das macht keinen rechten Sinn“ oder „einen sehr schönen Sinn machen“ oder „was einen Sinn macht“ wird dort für sprachlich richtig gehalten, aber als formal verschieden von „Sinn machen“. Allen ernstes soll ich also sagen dürfen: Das macht ökonomisch einen Sinn. Aber nicht: Das macht ökonomisch Sinn.

Ich denke, es ist offensichtlich, wie absurd diese Behauptung ist. Und sie ist ebenfalls auf den obigen Vorwurf des Allgemeinheitsanspruchs zurückzuführen. Der diesem Vorwurf zurgrundeliegende Relativismus ist nun allen Ernstes zufrieden, wenn man sagt, naja, ich meine nur „einen“ Sinn, nicht „den“ Sinn. — Liebe Leser, liebe Kirchgemeinde, das ist nun wirklich Kindergartengequengel.

Und hinzu kommt: So funktioniert die deutsche Sprache nicht. Sie können keinen deutschen Text in höherer Sprache wörtlich, ja logisch exakt verstehen. Sprache ist keine Logik, die jede mögliche Fehlinterpretation, die man ihr unterjubeln kann, in jedem Nebensatz auszuschließen hat. Wenn es danach ginge, würde Kommunikation gänzlich unmöglich. Z. B. würden Sie den eben gelesenen Satz nicht verstehen, weil ein werden fehlt. Aber dieses werden fehlt nicht. Zumindest nicht um 1800. Und so schreibt der Wangenheim manchmal.

Es muß verstanden werden, was man sagt, und es muß den allgemeinen Regeln der Sprache folgen. Wenn Sie verbissen nach unsinnigen Formulierungen suchen, wie jener Sebastian Sick, dann lesen Sie bitte nie ein Buch, das vor dem Jahr 1900 geschrieben wurde. Es ist immer nötig mitzudenken, wohlmeinend verstehen zu wollen, was der Autor vom Leser will. Das ist nur im 20. Jahrhundert immer unbedeutender geworden, weil niemand mehr schön, interessant, metaphernreich, verspielt und ornamental zu schreiben vermag. Alles wird nur noch nach Logik und Richtigkeit verfaßt – und freilich, dann ist alles wasserdicht (meist nicht mal das). Bravo. Und die Schönheit der Sprache – nebst jeder Anregung zur Analogie – ist verloren.

Logische Fehler finden, die dann noch nicht einmal logische Fehler darstellen, weil es der Annahme einer ganz gewissen axiomatischen Grundlage bedarf, wie es hier die Bedeutung von „machen“ und „Sinn“ ist, die einmal als rein materialistisches Herstellen und zum zweiten als der allgemein göttliche Sinn einer Sache aufgefaßt wird, wo doch die gesamte Menschheitsgeschichte darin besteht, alle paar Jahre in den immergleichen Dinge einen ganz neuen Sinn zu entdecken, das ist mit Verlaub nichts anderes als verfehlte Schulmeisterlichkeit. Die deutsche Sprache und das menschliche Denken sind um Größenordnungen mächtiger als derlei Kritiker glauben machen wollen. Versuchen Sie einmal logische Maßstäbe an die Lutherbibel oder Hegel, selbst Kant, Spengler, Goethe, Eichendorff anzulegen. Sie werden all das nur dann begreifen, wenn Sie dieselbe axiomatische, philosophische Grundlage der Begriffe annehmen. Und nach meiner grundlegenden Auffassung wird Sinn sogar am laufenden Band neu gefunden, also ausgedacht, also gemacht.

Ich kann es nicht für redlich halten, wenn mit Absicht etwas falsch verstanden wird. Das wäre das Ende jeder blumigen Formulierung, jeder Metapher, jeder Übertreibung. Und Sie wissen, das ist heute ein einträgliches politisches Geschäft, möglichst viel falsch zu verstehen.

Aber was, meine verehrten Leser, wäre die deutsche Sprache ohne diese Bilder, ohne ihre subtilen Nebenbedeutungen? Nebenbedeutungen, die wir oft gar nicht mehr kennen oder, wie auch im Falle den „Machens“ durchaus gelegentlich noch benutzen, derer wir uns jedoch nicht mehr bewußt sind…

So wird häufig gesagt, der Begriff des Witzes sei in seiner alten Bedeutung des Geistesblitzes, statt als Scherz oder als Lachhaftes, heute nicht mehr vorhanden. Zum Glück ist es durchaus noch anders. Wir sagen: Das ist ja witzig! Und wir meinen damit nicht: Hahaa! Ich kugle mich auf dem Boden! Nein, wir meinen: Das ist ja interessant! Wir sagen weiter: Das ist ja der Witz! Und wir meinen nicht, man solle darüber lachen, sondern: Das ist der Knackpunkt. Wir sagen gar: Das ist ja witzlos! Und wir meinen nicht: Darüber kann ich nicht lachen!, sondern wir meinen: Das macht keinen Sinn.

Aber wissen Sie, was Sinn macht: Die alten Meister lesen, und statt der Sprache unangemessene Logik aufzuzwingen, ein Gefühl für dieselbe entwickeln, für ihre Wendung nach rückwärts, die keine Entlehnung sind, sondern sie selbst. Denn die Geschichte macht solcherlei Kehrtwenden nicht zum ersten Mal.

*

 

11 Gedanken zu “Kann etwas Sinn machen? Oder ist das miserables Deutsch?

  1. Über die Sinnhaftigkeit und Berechtigung des “Sinn-Machens”, ob etwas Sinn “macht” oder “hat”, zu sinnieren, hat eigentlich nicht so viel Sinn. Inhaltlich haben Sie bestimmt recht, aber daß Sie so ausführlich dem “gestrigen Hinweisgeber” erwidern, scheint mir eher auf einen Komplex hinzudeuten – der “verfehlte Schulmeister” gehört einfach nur der orthodoxen Fraktion an; ich kann solche formalistisch-konservativen Zeitgeister überhaupt nicht leiden: kosmoproletische Spießer. ( Das “die deutsche Sprache ist viel einfältiger, das kann man nur im Englischen sagen” der Progressiven gehört auch entschieden zu diesem Spießertum.)
    Es ist einfach nur eine Frage der Tradition, des “Sprachgebrauchs”, wie Sie sagen. Sie haben, wie gesagt, recht, aber “Sinn machen” ist heutzutage – Sie ausgenommen – schlicht & einfach ein Anglizismus, die Anwender dieses Begriffes sind wenig kreativ, es ist dem “widerlichen Anhimmeln des Englischen” geschuldet. (“Eingedeutschter Anglizismus” scheint mir aber etwas neoplastisch.)
    Und nur deswegen gehöre ich zu jenen, denen „Sinn machen“ “aufstößt”; für mich ist es ein überflüssiger Anglizismus, genau wie “am Ende des Tages” für “unterm Strich”.
    Aber nochmals: inhaltlich haben Sie völlig recht, und es freut mich, an so schöne Wendungen wie „der macht sich besser als geglaubt” erinnert zu werden. Und ich bin voll “bei Ihnen” (wo kommt denn dieser Schwachsinn wieder her?), wenn Sie so schöpferisch mit der Sprache umgehen.
    Ich empfinde aber tatsächlich, daß “hat Sinn” besser ist: Der Sinn wohnt einer Sache inne, wird nicht erzeugt, ein erzeugter wäre eher ein künstlicher, oberflächlicherer Sinn. (Ich sehe es also genau andersherum als Sie.)
    Es stimmt, das reflexive Erinnern ist etwas komisch, es hat aber etwas Gemahnendes – was ich ganz gut finde. Dagegen hat “etwas erinnern” für mich etwas Wiederkäuendes, es “holt” weniger etwas “ins Kopfinnere zurück”, legt eher etwas vor den Kopf; ich benutze es aber auch. Auch hier ist es einfach wieder eine Sache der Tradition, der “Gewöhnung”, wie Sie sagen.
    “It‘s zeitgeist” muß es heißen, nicht “It‘s Zeitgeist”.
    „Ich mach‘ heute in die Stadt” – ob das die “Ostdeutschen” so sag(t)en, vermag ich nicht zu sagen, wir Mitteldeutschen tun es tatsächlich (bekannter noch in der Formulierung “ich mache [aus der Zone] rüber”]), oder erachten Sie es an der Zeit, den Osten endgültig aufzugeben? (Aber diese Frage hat in diesem Rahmen sicherlich keinen Platz.)
    Sie schreiben: “meine Heimat, de[r] sächsische[n] Raum”. Sind sie nicht Thüringer? Ist das heutige Sächsisch nicht eigentlich Thüringisch? Anders gesagt: Kommt das nicht von den thüringischen Siedlern der damaligen Ostmark (Meißen usw.), die bis dato slawisch war?
    Wenn Thüringer an der See (auch so eine schöne Formulierung) im Urlaub waren, wurden sie immer von den Fischköbben und den Berlinern als Sachsen angesprochen – was sie immer sehr, bis zur Ohnmacht, geärgert hat. Aber auf einer anderen Ebene hatten sie recht: “Die Sachsen sind Thüringer!”, hätten sie trotzig erwidern müssen, und schon wären sie weniger ohnmächtig gewesen.
    In diesem Satz fehlt nach “kann” ein Komma: “Da niemand das eine noch das andere zweifelsfrei belegen kann, ebenso wie niemand beweisen kann ‚die Wahrheit‘ gefunden zu haben…”
    “ansich” in einem Wort schreiben, find’ ich geil. Ich pflege auch “annefürsich”, wie es bei uns in Sachsen oft heißt, zu schreiben.
    Frage: Schreibt Kant “an sich” oder “ansich”?
    Und weil wir “at it” sind, wie der Angelsachse sagt: Schreiben Sie “sodaß” oder “so daß”?
    Wenn Fasolt fragt: “Bist weiser du, als witzig wir sind” – klar hält er sich und Fafner dann nicht für Witzbolde.

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  2. Ob es auf einen Komplex deutet, daß ich so ausführlich geantwortet habe, überlasse ich Ihnen. Es ist jedoch Ernst gemeint, wenn ich sage, daß mich diese sprachlichen Fragen sehr interessieren. Und allzu abwegig ist der Hinweis ja nicht. Denn er zeigt durchaus, daß sich die Wendung „Sinn machen“ nicht automatisch erschließt, sondern natürlich eine Art Metapher darstellt. Je mehr man über manche Wendung nachdenkt, desto absurder scheint sie.

    Der Fehler des Hinweisgebers liegt nicht in dieser durchaus richtigen Erkenntnis, sondern darin, daß exakt dasselbe auch für „Sinn haben“ und „Sinn ergeben“ gilt, wie ich angedeutet habe und wie es der Bremer Sprachwissenschaftler unter dem Link im Nachtrag beweist. Er zeigt im übrigen auch, daß es alles andere als klar ist, daß es sich beim „Sinn machen“ um einen Anglizismus handelt. „Eingedeutscht“ ist er meinem Verständnis nach, weil das Wort nicht im englischen Original belassen wurde.

    „Am Ende des Tages“ halte ich auch für völlig unproblematisch. Das ist ein Variante von „man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ oder „entscheidend ist, was hinten rauskommt“. Auch wenn ich dergleichen eher mit dem Schlag Menschen verbinde, die vor zehn Jahren in jedem zweiten Satz verlauten ließen: „Das ist kein Thema.“ Ambivalent, aber als Einzelerscheinung unkritisch.

    Was Ihre Bevorzugung von „Sinn haben“ angeht, verweise ich auf die letzten beiden Teile des Artikels von Anatol Stefanowitsch aus dem Nachtrag, der dort die Bedeutungsunterschiede der drei Varianten zu erschließen versucht. Das leuchtet mir nicht wenig ein, wenngleich ich danach nicht handeln werde. Die Bedeutungsunterschiede sind nämlich aus meiner Sicht derart marginal, daß ich sie schon wieder vergessen habe. Ich schreibe auch zukünftig nach Gefühl.

    Die Thüringer sind ja recht schnell von den Sachsen beherrscht worden. Zumindest seit wir Aufzeichnungen haben. Freilich waren an der Ostsiedlung sowohl Sachsen als auch Thüringer beteiligt, aber die Großmacht war schon immer Sachsen. Da hat der Thüringer tatsächlich gemeinhin Komplexe. Was mich angeht, so ist mein Vater Geraer und sagt, das sei Westsachsen, und meine Mutter ist Zwickauerin. Und als Sachse werden Sie ja des Diktums von Eberhardt Cohrs gewahr sein: Wenn eine Katze im Fischladen Junge kriegt, sind es noch lang keine Heringe.

    Daß Kant ansich getrennt schreibt, ist der eigentliche Grund, daß ich es zusammenfüge. Man meint es doch meistens in einem philosophischen Sinne und da ist „etwas ansich nehmen“ von einem „etwas an sich nehmen“ doch grundverschieden.

    Sodaß schreibe ich zusammen. Aber es gibt natürlich noch das „so, daß“.

    Wagner kennt freilich diese Bedeutungen noch. Aber selbst Wagner schreibt ja einen antiquierten, oft gar mittelalterlichen Stil. Ich finde hingegen erstaunlich, daß wir selbst heute und ganz im Alltag noch genauso sprechen, obwohl die meisten es vermutlich für völlig veraltet hielten, wenn man ihnen erklärte, woher es kommt.

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  3. “Je mehr man über manche Wendung nachdenkt, desto absurder scheint sie.”
    => Dieses Phänomen ähnelt ja dem, wo man sich lange Wörter auf der Zunge und den Lippen zergehen läßt, immer wieder vor sich hinsagt, bis sie gänzlich fremd werden: Was ist das denn? Das habe ich als Kind gemacht, lange nicht mehr.

    „’Eingedeutscht’ ist er meinem Verständnis nach, weil das Wort nicht im englischen Original belassen wurde.”
    => In meinem Verständnis wiederum bedeutet “Anglizismus” immer die Verdeutschung eines englischen Begriffes oder eines englischen Ausdrucks oder einer englischen Wendung… Aber da bin ich unsicher und überfragt… Was sind nochmal Lehnwörter?… – Dies keine Frage an Sie! Kann ich mir selbst raussuchen.

    „’Am Ende des Tages’ halte ich auch für völlig unproblematisch.”
    => Ich sehr wohl! Achten Sie mal drauf, welche Typen nur diesen Ausdruck verwenden! Nur Systemlinge! „Am Ende des Tages” ist nur eine physikalische Aussage, mehr nicht. Da fällt mir “Am Abend mancher Tage” von Lift ein: https://www.youtube.com/watch?v=aCCGvfQ6UkA, aber ich weiß nicht, ob ich Sie mit Rockmusik störe. Das Lied gehört übrigens nicht zu den besten Lift-Titeln, hat vor allem gruppenbiographische Bedeutung: hier wird der Tod von zwei Bandmitgliedern (den maßgeblichen) “verarbeitet” – diese hatten vorher die besseren Stücke geschrieben (z.B. “Abendstunde, stille Stunde”: https://www.youtube.com/watch?v=AT4LXci-YBs)
    Aber hier sagen Sie es doch selbst: “Auch wenn ich dergleichen eher mit dem Schlag Menschen verbinde, die vor zehn Jahren in jedem zweiten Satz verlauten ließen: ‘Das ist kein Thema.’ Ambivalent, aber als Einzelerscheinung unkritisch.” Ebent!

    “Die Bedeutungsunterschiede sind nämlich aus meiner Sicht derart marginal, daß ich sie schon wieder vergessen habe. Ich schreibe auch zukünftig nach Gefühl.”
    => Sehr gut.

    “… Thüringer … Sachsen…”
    Hier reden wir aneinander vorbei bzw. haben wohl verschiedene Informationen. Das geht ja schon bei der Frage los, wer die Sachsen sind… Bei Thüringern ist das ja gar keine Frage. Für mich müssen vor allem Thüringer bei der Besiedlung der damaligen Ostmark beteiligt gewesen sein, die mithin zu Neosachsen wurden bzw. diese (neben anderen Siedlern) bildeten bzw. “darstellten” (den die Alt- bzw. richtigen Sachsen wurden ja zu “Niedersachsen”). Und ich erkläre mir die Ähnlichkeit (für Außenstehende Ununterscheidbarkeit) der thüringer und neosächsischen Dialekte damit: die Thüringer brachten ihren Dialekt mit hinüber gen Osten nach Neosachsen. Und von diesem historischen Punkt aus haben wir es mit dem Mißverständnis bzw. der falschen Zuordnung zu tun, die Thüringer würden sächsisch sprechen. Aber ich kann mich da auch täuschen, glaube aber nicht, denn das würde ja bedeuten, daß die Neosachsen, die, wenn nicht von den Thüringern, ihre Mundart oder ihre Färbung des Deutschen wahrscheinlich von den Slawen bekommen haben müssen (was auch beigegtragen haben wird) und dann westwärts nach Thüringen ausgestrahlt hätten, daß also die Thüringer die neosächsische Mundart angenommen hätten. Gut, das kann natürlich auch sein… Vielleicht übte ja der sächsische Hof eine solche Attraktivität auf die Thüringer aus, daß sie dessen Dialekt nachahmten. Ich denke, es spricht aber mehr für meine These, wonach das Neosächsische eigentlich Thüringisch ist und sich so die Klangverwandtschaft erklärt.

    “Freilich waren an der Ostsiedlung sowohl Sachsen als auch Thüringer beteiligt, aber die Großmacht war schon immer Sachsen.”
    => Alt- bzw. Nieder- oder Neusachsen?

    “Was mich angeht, so ist mein Vater Geraer und sagt, das sei Westsachsen.”
    => Hört hört. Scheint zu verwischen, ineinanderüberzugehen… Für uns war damals ja auch Altenburg sächsisch…

    “… und meine Mutter ist Zwickauerin.”
    => Mein Großmutter war auch gebürtige Zwickauerin. “Johanna, ‘Zwie-Káu’ heißt das! ‘Zwie-Káu’!”, wurde ihr immer in der Schule eingebläut – sie muß wohl immer Tswigge gesagt haben…

    “Ich finde hingegen erstaunlich, daß wir selbst heute und ganz im Alltag noch genauso sprechen, obwohl die meisten es vermutlich für völlig veraltet hielten, wenn man ihnen erklärte, woher es kommt.”
    => Wenn wir damals im Raum Gera, Altenburg usw. unterwegs waren zu Rockkonzerten, sprachen wir von unseren Mitfans in Jeans und “Parkern” als “Kunden”. Viel später las ich in einem Text aus dem 19. Jahrhundert (Oskar Panizza?) diesen Begriff in etwa exakt dieser Bedeutung! Da dachte ich mir auch: Sieh mal an, dieses Wort, das in den 1970ern so aktuell und hip gewesen war, das ist eigentlich uralt!

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  4. Friedrich Zenteisch

    Auch ich bin ein Gegner des „Sinn machens“ und habe beim Lesen Ihres angesprochenen Beitrags – offenbar wie einige andere auch – kurz gezuckt. Nach meinem Dafürhalten handelt es sich hierbei um einen ins Deutsche übernommenen englischen Begriff („make sense“). Daß im Englischen „make“ für vieles Weitere verwendet wird, ändert daran nichts. Vielmehr ist es ja gerade der Vorzug des Deutschen, sich genauer ausdrücken zu können. So kann etwas sinnvoll sein, Sinn ergeben, Sinn haben etc. Martin Heidegger hat nicht umsonst (sinngemäß) gesagt, daß die beiden einzigen Sprachen, in denen man richtig Denken kann, das Deutsche und das (Alt) Griechische sind.

    Ihre Argumentation für das „Sinn machen“ mag korrekt sein, das sei dahin gestellt. Ich würde aber schon aus einem einzigen Grund diesen Begriff nicht verwenden, nämlich um mich von den 99 %, die diesen Begriff (genauso wie downloaden, updaten, forwarden etc.) als eingedeutschte englische Formulierung verwenden, abzugrenzen. Ich bin durchaus nicht abgeneigt, gelegentlich fremdsprachliche Begriffe auch im deutschen zu verwenden, so wie ja viele französische Vokabeln Eingang ins Deutsche gefunden haben. Aber wo es deutsche Pendants gibt (herunterladen, aktualisieren, weiterleiten) und das Eindeutschen aus anderen Gründen (bspw. klanglich) kein Gewinn ist, lehne ich es strikt ab.

    Leider findet man heutzutage die korrekte Verwendung der deutschen Sprache immer seltener, selbst bei Professoren, denen man doch zumindest die Beherrschung der deutschen Sprache zutrauen sollte, hört man oft Schreckliches, wenn man dafür sensibilisiert wurde (meine Sensibilisierung habe ich übrigens durch meinen mittlerweile leider verstorbenen Mentor Prof. Dr. Horst Rodemer erfahren). Ähnlich wie „macht Sinn“ hört man mittlerweile kaum noch, daß etwas beginnt. Nein, alles muß starten. Wissen die Menschen nicht, daß ein Flugzeug, ein Zug oder Auto startet, nicht aber eine Unterrichtsstunde, ein Fußballspiel oder eine Besprechung (fast hätte ich „Meeting“ gesagt)?

    Um zurück zum „macht Sinn“ zu kommen: Ihr Satz lautete: „Weil sie glauben, der Import von billigen Arbeitskräften mache bis zu einem gewissen Grade wirtschaftlich durchaus Sinn.“ Er ist kein schlechtes Beispiel dafür, daß nicht ganz klar ist, was mit „mache Sinn“ gemeint ist. Zumindest könnte auch etwas anderes gemeint sein. Der Import könnte sinnvoll sein, er kann aber auch Sinn ergeben. Hier ist wohl eher „sinnvoll sein“ gemeint.

    Wie man es auch dreht und wendet. Die Abgrenzung von den „Sinn machern“ ist für mich vielleicht der wichtigste Grund dafür, es nicht zu verwenden.

    P.S.: Ich habe bei Weitem nicht alles von Goethe, Schiller, Nietzsche, Schopenhauer, Heidegger gelesen. Nie kam mir aber der Begriff „Sinn machen“ unter. Konnten Sie bei den Genannten Gegenteiliges erfahren?

    Herzliche Grüße
    FZ

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  5. Zu Herrn Töpfers Antwort:

    Ja, ich meine im Grunde dieses kindliche Vorsichhinsagen.

    Mit den Sachsen meine ich die Ottonen. Wer aber damals wie gesprochen hat, kann ich selbst nicht sagen. Sie werden recht haben, wenn Sie vermuten, daß das Slawische einen Einfluß hatte.

    Zu Herrn Zenteischs Antwort:

    Ich freue mich über Ihr Aller reges Interesse an der Sache, aber ich muß schon bitten, daß Sie den Beitrag gründlich lesen. Sie scheinen meine Argumentation bezüglich des „machen“ völlig mißverstanden zu haben. Die Behauptung, daß „make“ im Englischen mehr Bedeutungen habe als im Deutschen, wird von den Gegnern (!) von „Sinn machen“ ins Feld geführt, nicht von mir. Ich dagegen widerlege es, indem ich zeige, daß „machen“ all diese Bedeutungen ebenfalls besitzt. Und deshalb kann man sich mit „machen“ gerade nicht präziser ausdrücken. Oder positiv gewendet, „machen“ besitzt viel mehr Bedeutungsnuancen als Ihr Glaube an eine präzise deutsche Sprache vermuten ließe.

    Auch die Eignung des Altgriechischen und Deutschen zur Philosophie ist (nicht nur von Heidegger) ganz anders gemeint. Gerade daß vor allem das Altgriechische und das Deutsche ungeheuere Vieldeutigkeiten besitzen, (noch mehr freilich die grammatischen Möglichkeiten) macht sie zu philosophisch vorzüglichen Sprachen. Denken Sie nur an Hegels „aufheben“. Wäre die deutsche Sprache so „präzise“, also logisch, wie Sie sagten, dann wäre die Trinität des Aufhebens bei Hegel gar nicht möglich! – Nein, nein, genau andersherum. Und ich würde mich wundern, wenn Heidegger, von dem ich im allgemeinen allerdings nicht sonderlich viel halte, das anders meinte.

    Ich kann Ihr Ansinnen, die Sprache derer, die Sie verabscheuen, nicht verwenden zu wollen, nachvollziehen, folge dem aber prinzipiell nicht. Nur weil die Nationalsozialisten von entarteter Kunst gesprochen haben, verbiete ich mir nicht „entartet“ – weder in der Mathematik noch im allgemeinen. Aber das mag daran liegen, daß ich mit dergleichen Menschen, die mir unsympathisch sein könnten, gar nicht umgehe. Diese abstoßende Komponente ist also in meiner Erfahrung schon sehr lang nicht mehr zugegen. Ich glaube jedoch nicht, daß das ein Nachteil ist. Ich halte dergleichen für genauso unbefriedigend, wie als musikalischer Kenner die fünfte Sinfonie Beethovens, die vielleicht das vollkommenste Werk der Musikgeschichte ist, als primitiv abzulehnen, weil jeder dahergelaufene Laie, der nichts als diese kennt, sie ebenfalls für schön, vielleicht das einzige schöne klassische Stück hält. Jenes „starten“ etwa habe ich auch noch nie vernommen. Aber wenn man hier durch die Wälder zieht, trifft man höchstens mal einen alten Dorfkauz. Der kennt das auch nicht.

    Nein, bei den genannten Autoren (bei Heidegger weiß ich es nicht) taucht die Fügung „Sinn machen“ nicht auf. Aber das heißt auch nichts. Sie taucht bei Lessing auf, dann bei Wilamowitz-Moellendorff (1916) und dann wieder seit den 60er Jahren. Weder ich noch Stefanowitsch setzen voraus, daß dieses Idiom bei den Klassikern umgegangen wäre, sondern daß es bei Ihnen immerhin auftauchte und damit wenigstens nicht undenkbar oder gar falsch war. Und das zeigt, daß es so abwegig, wie man zuweilen darstellt, nicht sein kann. Im Gegenteil, es ist nach allen sprachwissenschaftlichen Erwägungen nicht weniger korrekt als „Sinn ergeben“ oder „Sinn haben“.

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  6. “Mit den Sachsen meine ich die Ottonen.”
    => Gut, also Altsachsen. Aber deren Sprache klang ganz bestimmt nicht nach dem heutigen (Neu-)Sächsisch, sondern muß niederdeutsch geklungen haben. Alt- und Neu-Sachsen haben ethnisch und dialektal kaum etwas miteinander zu tun. Die Thüringer werden also kaum von den Ottonen ihren heutigen Dialekt bekommen haben. Meine These scheint also zu stimmen: Die Thüringer haben bei der Besiedlung der damaligen Ostmark dieser am meisten ihren dialektalen Stempel aufgedrückt , so daß man sagen kann, die (Neu-)Sachsen sprechen thüringisch – und nicht umgekehrt. Die Thüringer werden also zu Unrecht als (neu-)sächsisch sprechend gehalten. Der tiefe Groll darüber, als “Sachsen” bezeichnet zu werden, scheint historisch tief verwurzelt und sehr berechtigt zu sein. Es ist aber – wie schon gesagt – ein ohmnächtiger Groll, weil niemand es versteht! Selbst die Thüringer verstehen es ja nicht! Sie fühlen nur, daß hier etwas nicht stimmt, wenn sie sprachlich überall, wo sie hinkommen, für Sachsen gehalten werden.
    Und jetzt muß ein (Neu-)Sachse kommen und ihnen endlich die Gerechtigkeit angedeihen lassen!

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  7. Anja

    Sehr interessante Kommentare, die hoffentlich dazu beitragen, daß mehr Interessierten klar wird, wer die ursprünglichen Sachsen, die Sachsen Ottos oder Widukinds, sind.

    Es ist tatsächlich so, daß der Sachsenname vom sächsischen Stammesbereich (heutiges Niedersachsen u. a.) die Elbe aufwärts gewandert ist. Dies kam, weil eine Mannesinie erloschen war und das betroffene Gebiet/Besitz dem Markgrafen von Meißen zugesprochen wurde.

    Die Wanderung des Sachsennamens ist der Grund dafür, daß die heutigen Sachsen so bezeichnet werden im Gegensatz zu den tatsächlichen Sachsen (Nieder-Sachsen). Die Bezeichnung Ober-Sachsen konnte sich bei den Neu-Sachsen nicht durchsetzen.

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  8. Andreas

    Nachtrag: Und just als ich diesen Beitrag beende, werfe ich nochmals die Google-Suche an und finde ### diesen Beitrag ###, der praktisch alle meine Argumente bereits auf’s Köstlichste vorführt

    Hallo Thomas,
    der Link schen leider nicht (mehr) zu funktionieren …
    Viele Grüße
    Andreas

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