Spazierfahrt nach Saalfeld . Teil 2 . 14 Aug 2017

Wir hatten in einer Richtung bereits das Obere Tor gesehen, dreht man sich herum, erscheint auf der anderen Seite der Stadtbegrenzung das Blankenburger Tor, das ebenfalls 1738 Fenster, sowie barocken Turmhelm bekam. Das sind übrigens die Tore, welche die Nürnberger-Leipziger Chaussee durchläuft, die freilich angesichts der mittelalterlichen und auch frühneuzeitlichen Bedeutung dieser beiden Städte eine wichtige Handelsstraße war. Gewissermaßen von der Manufakturstadt zur Messestadt.

Direkt an der Straße findet sich die Johanneskirche, ein auf romanischem Fundament neu aufgeführter gotischer Bau, der 1389 begonnen und 1514 vollendet wurde.

Im Bogenfeld des Westtores das Jüngste Gericht, aus dem Anfang des XV. Jahrh.; darüber ein Reliefbild der h. Kümmernis oder Wilgefortis (1516), das früher an der Brückenkapelle angebracht war, und ein kniender Christus der Gethsemanegruppe. In den Seitenschiffen schöne alte Glasgemälde (Eintrittskarten zu 50 Pf. in der Kantorwohnung, Kirchplatz 2, nördlich von der Kirche).

Baedekers Thüringen . 1925

Johanneskirche Saalfeld.JPG

Nun erinnere ich mich auch, daß mir diese Kirche bereits vor etlichen Jahren, vermutlich eher Jahrzehnten (was für ein alter Knacker der Wangenheim derweil schon ist) einigen Eindruck gemacht hat. Nicht nur der reichen Bildwerke an den Portalen wegen, sondern vor allem auch der an deutlich bekanntere Beispiele romanischer und gotischer Provinienz erinnernden Details. So etwa die Hunde und Schnabelwesen, die auf den Abdachungen der Strebepfeiler entlangkriechen.

Fabelwesen und Hunde Johanneskirche Saalefeld
Dackel und Greife auf den frühgotischen Strebepfeilern der Johanneskirche Saalfeld

Aber auch sonst ist die Kirche reich mit Plastiken versehen. Sicher hat unter jedem Baldachin irgendeine Figur gestanden. Aber auch die Dienste sind figural gestaltet.

Schmuck Johanneskirche Saalfeld.JPG
hochgotische Baldachine am Westwerk

Die Kirche war verschlossen und ich hatte wenig Anreiz mir die Schlüssel zu besorgen. Es hing nämlich ein großes Plakat an der Fassade, das sich gegen Rechtsextremismus aussprach. Nun, wir wissen alle, was damit eigentlich gemeint ist. Die verweichlichten Pfaffen predigen das Wort derer, von denen sie klingende Münze erhalten. Und das ist die Regierung dieses lächerlichen Staates. Kann man es ihnen verübeln, die jene Herz-Rhythmus-Maschine so dringend benötigen, um nicht vollends unterzugehen? Naja, es sind natürlich trotzdem widerliche Verräter.

Die Glasfenster der Kirche sind nicht mehr erhalten. Die Stadt erlebte am 9. April 1945 einen verheerenden Bombenangriff. Natürlich aus rein militärischen Gründen – denn im April 1945 war die Wehrmacht stark wie nie! Sie wagen es zu zweifeln? Was glauben Sie, was der Führer noch für Reserven hatte! Da gucken Se nu aus Ihrem gemangelten Vorhemme, wa? Ja! So war das damals. Dafür muß man Kompromisse eingehen. Auch heute, was die Bevölkerungszusammensetzung dieses Kontinents angeht.

Barfüßerkloster Saalfeld
Reste des Barfüßerklosters Saalfeld

Die nächste Straße, die vom Markte fortführt, reicht zum Barfüßerkloster Saalfelds, von dem nur noch die franziskanische Münzkirche des 13. Jahrhunderts übriggeblieben ist. Für die Deckengemälde Ritters aus dem frühen 18. Jahrhundert und das städtische Museum war keine Zeit, aber wie ich mich zum Schloß aufmachte, kam ich noch etwas außerhalb der Stadt an einigen witzig verwinkelten Kleinstadtvillen vorbei. Auch Saalefeld in dieser Hinsicht eine typische Landstadt, wie schon Pößneck und Neustadt es waren.

Villen Saalfeld.JPG
landstädtische Villen . Saalfeld . Pfortenstraße

Über den Markt, dem übrigens auch der monumentale Brunnen in Form eines Kriegerdenkmals für 1870/1 von Liedloff  (Baedeker 1925 und Meyers Reiseführer 1908) fehlt, gelangte ich nun an den Stadtrand zum Schloß.

Marstall Saalfelder Schloß.JPG
Marstall . Saalfelder Schloß

Da ist zunächst der Marstall, der sich an dem kleinen Schloßpark entlangzieht, in welchem in arg kleinen Käfigen mittelgroße exotische Vögel gehalten werden. Ein kleiner Teich liegt vor dem eigentlich Bau, in welchem ein Schwan schwimmt. Das scheint mir ebenfalls kein natürliches Phänomen zu sein, da Schwäne mehrere hundert Meter Wasserfläche benötigen, um zum Flug zu starten.

Saalfelder Schloß und Schwan.JPG
Saalfelder Schloß und Schwan

Erstaunlicherweise ist der Park noch nicht vom Syrer (respektive Bongolese) erobert. Aber dabei handelt es sich sicher um eine vorrübergehende Erscheinung.

Schloß Saalfeld.JPG
Schloß Saalfeld

Das Schloßselbst ist ein schlichter Barockbau in Hufeisenform. Zu sehen gibt es nichts darinnen, da die Stadtverwaltung es okkupiert hat.

Aus der Nordstadt zurücklaufend, fiel mir dieses schlichte Bürgerhaus aus dem frühen oder mittleren 19. Jahrhundert auf. Ich habe eine Schwäche für diese nicht mehr ganz klassizistsichen, aber auch nicht mehr weit vom Historismus erntfernten flachornamentierten Fassaden der niedrigen Bürgerhäuser dieser Zeit. Da schwingt meinem Empfinden nach vor allem schon kräftige Neo-Renaissance mit. Erstmals sah ich dergleichen in Greiz. Da fahren wir sicher auch noch hin. Allerdings war auch dort im letzten Jahr das Herumlungern in braun schon allzu beliebt.

Bürgerhaus Saalfeld.JPG
Fassade aus der Mitte des 19. Jahrhunderts

Auf dem Rückweg zum Auto, das ich in einer Seitenstraße unmittelbar hinter der Saalebrücke am Saaltor geparkt hatte, passieren wir noch das Darrtor, dessen Lage Sie etwa an der am Ende der Gasse liegenden Hofapotheke, dem Amtshaus des kaiserlichen Vogtes, abschätzen können.

Darr-Tor Saalfeld.JPG
Darrtor und Hofapotheke

Trotzdem die Stadt in weiten Teilen ausgesprochen schön anzusehen ist, fühlte ich mich doch reichlich fortgeekelt. Es fällt schwer etwa die Architektur der Johanneskirche zu genießen, wenn solch widerliche Plakate daran hängen. Oder den Marktplatz überhaupt, der wie erwähnt, von kulturlosem Gesindel bevölkert war. Ich spreche von diesem Fluchtinstinkt vor allem deshalb, weil ich mich ganz hochoffiziell bei den beiden Herren zu entschuldigen habe, die am Wochenende KuI bestellt haben. Denn eigentlich waren die Päckchen für die Saalfelder Post gedacht. Aus der erwähnten Fluchtstimmung heraus jedoch vergaß ich die Pakete bis ich in Kahla war, wo mir die Postangestellte aber versicherte, die Abholung sei schon durch. Normalerweise geschehen solche Verzögerungen nicht. Ich muß Sie jedoch diesmal leider auf den Mittwoch vertrösten.

Nichtsdestoweniger möchte ich Ihnen noch ein paar Bilder von der Heimfahrt zeigen. Da ist zunächst der ungewöhnlich dunkelgrün gestrichene Fachwerkhof, den ich bereits früher einmal erwähnte. Das könnte nach meinem Geschmack Schule machen.

grünes Fachwerk in Langenschade.JPG
grünes Fachwerk in Langenschade

Und als ich im Saaletal angekommen war, ging es wie immer wunderschön parallel zur Bundesstraße auf kleinen Sträßchen nach Kahla.

Saaletal bei Etzelbach.JPG
Saaletal in der Abendsonne . Etzelbach

Auf dem Weg liegt, wie Sie sich vielleicht erinnern, die Weißenburg, deren Anblick vom Tal aus ich allerdings bereits auf meiner Fahrt nach Rudolstadt fotografiert habe und die ich auch heute passierte. Mit dem Blick auf die Leuchtenburg und den Dolenfelsen über Kahla entlasse ich Sie für dieses Mal.

Leuchtenburg bei Kahla.JPG
Leuchtenburg und Kahla

 

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