Der Historienmaler Hans W. Schmidt . Teil 3 . Eine Ausstellung in der Harry-Graf-Kessler-Kunsthalle Weimar

[Die Fotos wurden entfernt.]

Zuletzt waren wir in der Weimarer Stadtgeschichte, welche der Bilderzyklus Schmidts wiedergibt, in der klassischen Zeit, bei Goethe und Schiller angelangt. Da sich in dieser Zeit die Schicksalswendungen der Stadt häuften, verbleibt der Maler auch noch ein wenig in diesem goldenen Zeitalter.

Nachdem die französischen Truppen am Stadttor unmittelbar neben dem Goetheschen Anwesen in die Stadt einzogen und der Hofrath den angekommenen Reitern höchstpersönlich Tabak und Wein überreichte, dringen die Franzosen nach zwei Tagen Plünderung auch in das Stadtschloß ein, Napoleon voran. Der Landesherr steht in preußischem Felddienst und allein seine Gemahlin, Luise von Hessen-Darmstadt, führt das städtische Regiment. Sie stellt sich dem Weltgeischt zu Pferde entgegen und verweigert Napoleons Forderung, ihren Mann aus dem Armeedienst zu ziehen. Zugleich erwirkt sie die Beendigung der Plünderungen. Jene Szene der eindringenden französischen Generale hat Schmidt im Gentzschen Treppenhaus des Schlosses – damals erst vor wenigen Jahren vollendet – zur Darstellung gebracht.

Der entschlossen die Treppen hinaufsteigende Napoleon findet sich im forschen Marsch gehemmt, als die oben postierte Herrin des Hauses offenbar keinerlei Anstalten macht, dem Eindringling auszuweichen oder ihn zur Begrüßung auch nur auf dieselbe Höhe steigen zu lassen. Und so schauen in diesem Moment die ihm folgenden Generale recht erstaunt nach oben zu jener attisch wirkenden Herrscherin des gerade von ihnen besiegten Staates. Ein merkwürdig erhabenes Auftreten der Besiegten. Die Dienerschaft meistensteils in demütiger Haltung kontrastiert scharf mit dem festen Auftreten Louises.

Marschall Ney, le brave des braves oder zu deutsch der Treueste der Treuen (die am miserbelsten gespielte Szene), schaut bald en face auf seinen Nebenmann, den ich leider nicht memoriert habe, sodaß eventuelle Hintergründe verborgen bleiben.

Die drei Köpfe in Hinteransicht im Vordergrund sind allzu ähnlich in ihrer Haltung, doch sorgen auch sie für den enormen Zug, den das Bild zur Fürstin hin aufbaut, freilich mit Napoleons Stechschritt voran. Allein der nachzügelnde Küraßreiter mit der grauen Pelerine rechts unten ist eine Augenweide, die abendliche Szene im Kerzenschein herrlich mit den Uniformfarben sekundiert.

Und als wollte das die Überwindung des goldenen Zeitalters sein, sind wir im nächsten Gemälde bereits im silbernen, nämlich mit Franz Liszt.

Hier ist jede Figur benannt: Schüler, Freunde, Weggefährten, Gönner, Kollegen. Der Doppelraum im Liszt-Haus, das ich leider ohne Fotoapparat besuchte, sieht heute noch genauso aus und vermutlich hat Schmidt ihn in diesem Museumszustand 1930 zur Vorlage genommen.

Der Herr mit den braunen Gamaschen sitzt dort, wo auch ich mich niedersetzte und dem Audio-Führer zuhörte, der ein auf dem Liszt-Flügel dargebotenes Klavierkonzert spielte. Allerdings war ich ganz allein und das Licht fiel ausgesprochen schöner durch die hohen Salonfenster, sodaß die rot-weißen Vorhänge im Sonnenlicht strahlten.

Das vorletzte Bild ist jenes, das ich zu Beginn bereits zeigte: Wilhelm II. und Wilhelm Ernst im Weimarer Theater. Daher hier lediglich noch drei Details.

In der Mitte sehen Sie die erhabenen Tupfen, mit denen Schmidt die Reflexionen der Kronleuchterkerzen in der Marmortäfelung des Saales wiederzugeben versuchte. Rechts wieder eine Schuhstudie, an der die Vielfalt alten Schumacherhandwerks dargebracht ist. Links die Honoratioren der Universität Jena. Auch hier sind fast alle Figuren namentlich benannt.

Womit wir zum Schlußbilde kommen, das also das jüngste Ereignis der Stadtgeschichte zeigen soll. Zur Auswahl stand ebenfalls eine Ansicht des Weimarer Parlaments am 06. Februar 1919.

Daß er nicht dieses, sondern ein anderes Gemälde ausgeführt hat, wollen die Pseudo-Kunsthistoriker der Ausstellungmacher damit begründen, daß dies Bild erst 1934 zur Ausführung kam. Da habe bereits der neue politische Geist seine Finger im Spiel gehabt. Denn es wurde dann doch der Besuch Hindenburgs auf Belvedere am 12. Mai 1926.

Freilich, wenn man Spitzenvertreter des vollkommen degenerierten Volltrottelkonsortiums bundesdeutscher Lächerlichkeitsintellektualität heranzieht, um die Frage der Motivwahl zu beantworten, also die Abgänger genau jener Universitäten, deren kunsthistorische Seminare von derart lächerlichen Diskussionen durchsetzt sind, daß ein’m de Nadel aus’m Dutt fliecht, dann mag man auf derartige Kindereien kommen. Denn in dieser Klientel minderbemittelter, moralinspuckender, pawlowscher Sabberköter muß jedes Ereignis mit Datum zwischen 1933 und 1945 unweigerlich auf Nazis zurückzuführen sein. Selbst wenn der Reichskanzler Hindenburg kurz vor der Ausführung des Werkes verstorben ist und ein alter Monarchist und Konservativer, wie es Schmidt offenbar war, dem Manne in seinem Werk die letzte Ehre erweisen wollte. Auf die Idee, daß ein nationalsozialistisch motiviertes Bildnis Hitler vorm Elephanten hätte zeigen müssen (in welchem Falle wir keines der Bilder zu Gesicht bekommen hätten, zum Schutz unserer armen Seelen vor unmoralischen Aspekten), so weit reicht es einfach bei unseren Freunden vom anderen Ufer akademischer Gehirnamputation nicht. Heilicher Gambrinus! Darauf einen Vorbeimarsch am Elephanten…

*

Als wir aus dem Museum treten, klart der Himmel auf und das herrlichste Sommerlicht tritt hervor, sodaß wir beschließen, noch eine Runde durch die Stadt zu nehmen, obwohl mittlerweile die Hälfte der Belegschaft keinen musikalischen Abend mehr anzuhängen gewillt ist. Wir beschließen, die Situation am Markt mit jenem Gemälde Hanfrieds zu vergleichen, was letztlich an der vermutlich veränderten Lage der wiederaufgebauten Hofapotheke  scheitert, kommen aber an zwei adretten, schmalen Jugendstilhäusern vorbei.

Jugenstilfassaden Weimar.JPG
Zwei Jugendstilfassanden, links gar leicht Metropolis-ähnlich, allerdings stark naturalistisch-floral durchsetzt . Graben unterhalb des Goetheplatzes . Weimar

Als Florian vorschlägt, beim Antiquitätenhändler vorbeizugehen, da stellt sich heraus, daß der Museumsbesuch noch gar nicht zuende ist. Neben einem kleinen, etwas skizzenhaften aber doch eindeutigen Tübbecke (Gänsewiese und Heidecksburg), dem Wohnhaus des Rokokoarchitekten Krohne und dieser merkwürdigen Fassade des ausgehenden 18. Jahrhunderts, das allzusehr an Renaissanceformen erinnert und sogar noch die originale hölzerne Fensterrahmung besitzt…

Fassade Schloßgasse Weimar.JPG
klassizistische Fassade in der Schloßgasse . Weimar

…finden wir in jenem immer wieder interessanten Kunsthandel tatsächlich einen Brendel ausgestellt, der der Sohn des Lehrers von Hans W. Schmidt war und dessen Vater für seine Tierdarstellungen bekannt ist.

Brendel Carl Alexander Markt vor gotischer Kathedrale.JPG
Carl Alexander Brendel . Wintermarkt vor gotischen Arkaden . 1907

 

Quel hasard, mes amis!

 

***

 

 

 

 

 

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