Nach den Dornburger Schlössern . Teil 1

Die Vielfalt der Kleinstaaterei sollte eigentlich auch in dem, was wir zu Gesicht bekommen, eine gewisse Mannigfaltigkeit erbringen, und freilich ist die Differenzierung angesichts der wenigen Kilometer, die ich für gewöhnlich fahre, beredtes Zeugnis dieses Zustands. Daß jedoch heute einmal mehr ein Schloß aus der Feder Gottfried Heinrich Krohnes auf dem Reiseplan steht, wie es schon mit der Heidecksburg und im Grunde bereits mit Belevedere der Fall war, grenzt dann doch an Einfalt.

Aber zunächst müssen wir natürlich zum Schloß gelangen. Da ich mich entschied, nicht über das Saaletal nach Dornburg zu fahren, denn dort liegt Jena im Wege, beschloß ich von Westen, also den Jenaer Schlachtfeldern her anzukommen.

Tälerdörfertal2
Das Korn steht gut.

Der Tag war heiß, aber leicht windig, das Korn wogte in der frühen Nachmittagssonne und also versprach es eine schöne Fahrt zu werden.

GneuserTal2
Gneuser Tal

Da ich mich derzeit um Fassadenfarbe kümmere, ging es zunächst auf meiner Standardroute Richtung Jena, genauer nach Maua. Dort wurde ich dann über die Lichtbeständigkeit der organischen und Oxid-Pigmente aufgeklärt, was die Entscheidung auch nicht gerade erleichtert, aber das gehört nicht hierher.

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Allee zwischen Bucha und Vollradisroda (zum Vergleich: im Winter)

Die gesamte Fahrt nach Dornburg ist im Grunde für die Leser dieses Blogs nichts Neues. Denn den Beginn dieser Strecke haben wir auf der Winterreise nach Kapellendorf genommen, und späterhin werden wir bis auf wenige Kilometer dieselben Straßen, wie zuletzt nach Auerstedt fahren.

ClosewitzRödigen.JPG
zwischen Closewitz und Rödigen

Trotz der trockenen Hitze, die sich in den wunderbar pastellnen Tönen des Getreides und dem dunklen Schattengrün der Wäldchen kundtat, stand der Horizont, seitdem ich auf der hochgelegenen Ebene der Schlachtfelder ankam, fernhin in gewittrig verwaschenem blaugrau.

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Blick oberhalb von Rödigen Richtung Apolda

Diese Art Himmel sorgt für recht merkwürdige Farben. Während das Grün der Wiesen in der Entfernung schlicht verbleicht, stechen die goldenen Felder, noch gegen die dunklen Wälder, außergewöhnlich scharf hervor. Das führt zu jenem angenehmen Kontrast zwischen Alleebaumreihen, Feldern, Dörfern, Höhenzügen, die den Reiz dieser insgesamt recht flachen Landschaft, die dem östlichen Ausläufer des Thüringer Beckens angehört, in seinen weiten Blicken so reizvoll macht. Je weiter man schaut, desto kleinteiliger wird die Kulturlandschaft. Jede Bogenminute des Blickfeldes wird zu einer eigenen Welt, weit schärfer als Photographien es wiedergeben.

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geschwungene Landstraße zwischen Lehesten und Nerkewitz

Wenig weiter hinter dieser S-Kurve bettet sich vor Nerkewitz ein schöner Badeteich ins Tal, der mich an ein angenehmes Nachtbaden erinnert.

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kleiner Speicher bei Nerkewitz

Aber wir wollen ja nicht baden, sondern nach Dornburg. Warum eigentlich? Dornburg ist ein Städtchen, im Grunde ein größeres Dorf, daß ähnlich Orlamünde (auch hier taucht der Ortsname Naschhausen auf) 85 Meter am westlichen Ufer über der Saale auf einem steilen Muschelkalkfelsen liegt. Die Bürgerhäuser reichten bis zur Klippe des Steilhangs, als der Herzog von Sachsen-Weimar dort ein kleines barockes Schloß errichten ließ.

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Dornburger Rokokoschloß . 1748

Im 19. Jahrhundert einfarbig gestrichen, wurde es 2006 nach einer Generalrenovierung in den Originalfarben wiederhergestellt, in denen Krohne es entworfen hatte.

Auch hier sehen wir die Dreifarbigkeit der Festsaaldecke auf der Heidecksburg und den recht feinen, hier etwas verspielteren Stuck Krohnes. Das kleine Ausflugsschloß, das die herzögliche Familie nur sehr selten zu Gesicht bekam, und in dem Goethe als Verwalter im Amt Dornburg wohnte, ist freilich eher ein zweckmäßiger Bau, wenngleich es auch einen kleinen Festsaal mit Aussicht ins Tal gibt.

Auch hier wird trotz der bekannten Stuckdecke Krohnes Hang zu gedeckteren Farben immerhin an der Wandvertäfelung deutlich, die in dunklem Marmor gehalten ist. Ich bin, trotzdem ich die merkwürige Farbgestaltung mit den gelben Einsprengseln genauer betrachtete, gar nicht mehr sicher, ob es sich um Marmor oder polierte Bemalung handelt.

Neben ein paar Waffen, nicht erwähnenswerten Gemälden, einem Illuminatenauge im Stuck des herzöglichen Schlafzimmers usw. gibt es im Schloß nicht übermäßig viel zu sehen, wiewohl die Ausstattung teils Original aus dem frühen 19. Jahrhundert erhalten ist. Das Schloß selbt aber ist nun gar nicht das Besondere an diesem Ort, sondern, wie der Blick in den Garten und aus dem Festsaal hinab zur Saale zeigt: die Lage desselben.

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Heckenarkaden, Brüstung, Schloß . im Tal Dorndorf

Zunächst ist das kleine Schloß lediglich von niedlichen Rosengärten im französischen Stil umgeben und macht einen feinen, aber doch unspektakulären Eindruck. Das ändert sich, sobald man an die Brüstung tritt und sich hinter Garten und Schloß die kolossale Lage an dem schroff abfallenden Weinbergfelsen offenbart.

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Dornburger Rokokoschloß . Blick ins Saaletal Richtung Jena

Der Garten selbst ist seit herzöglichen Zeiten bekannt für seine Rosenblüte und verströmte auch heute einen allgewärtigen Hauch fernen Duftes, wo man auch ging.

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Südseite des Schloßgartens mit Rosengängen

Das Rokokoschlößchen ist jedoch nur das mittlere von drei historische Gebäuden. Weiter im Norden liegt die alte Kaiserpfalz Ottos I., in welcher bis 1004 drei Reichstage stattfanden. Das heutige Gebäude ist freilich erst um 1500 erbaut worden und heißt daher Altes Schloß.

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das Alte schloß mit 6-eckigem romanischem Turm

Mit dem reichen Flor spaziert man direkt am Hang entlang in einen kleinen, von Mauern geschützen Garten des Alten Schlosses, das selbst freilich einen großen Hof besitzt und direkt an die Fronfeste grenzt.

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Saaletal . Schloß . Fronfeste

Unmittelbar am Schloßgarten und an die Dorfkirche grenzend, findet sich der Marstall als einziges verbliebenes Nebengelaß.

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Schloß . Marstall . Dorfkirche

Das dritte Schloß, südlich gelegen, wurde 1824 von Karl August als Stohmannsches Gut erworben und ist ein Renaissancebau mit einem Tor von 1608. Das darin erhaltene Empire-Zimmer Goethes konnte ich, da die Museen hier bereits um 17 Uhr schließen, nicht mehr besuchen. Hier trauerte Goethe zwei Monate um den Tod seines Fürsten und schrieb die Dornburger Gedichte.

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Renaissanceschloß Dornburg . englischer Garten

Mit einem Spaziergang auf dem äußersten Terrassenweg und einem Blick zurück, der nun bereits das aufziehende Unwetter in einem rosé gefährbtem Himmel anmerken ließ, machte ich mich auf nach Weimar in den Soirée russe.

Dornburg Rokokoschloß Unwetter
Der Himmel gemahnt zur Flucht.

Ein Gedanke zu “Nach den Dornburger Schlössern . Teil 1

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