It’s the free market, stupid! oder: Wie sich Social Justice Warrior die Bekämpfung der Armut denken…

Alles, was heute unter den Begriff Akademiker fällt, sollte man vor jeder ernsthaften Untersuchung zunächst als politisch motivierte Volltrottel klassifizieren. Das hat den ausgesprochenen Vorteil, daß man sich hinterher nur sehr selten korrigieren muß. Wer stattdessen voraussetzt, es handle sich um logisch denkfähige und -willige Wissenschaftler, der muß sich mit dieser fast immer zu verwerfenden Prämisse irgendwann ziemlich dämlich vorkommen. Be clever: Call them stupid in the first place.

Man hat ja immer wieder mit diesen grandios oberflächlichen, Agitprop-„Forschungs“-Ergebnissen zu tun. Aber ganz besonders häufig gibt es die bei Our World In Data, wo angebliche Daten für den leichtgläubigen und Fake-News-freundlichen Social Justice Warrior aufbereitet werden. Neuerlich etwa die Bekämpfung der Armut in den letzten 200 Jahren.

Poverty 1800-2000.png
Entwicklung der Armut in westlichen Ländern

Diese Werte sind angeblich adjusted for price change over time (Inflation also) und Preisdifferenzen zwischen den Staaten. Nun braucht man nicht großartig nachdenken, um zu sehen, daß es sich um lächerliches Geschichtsbashing handelt. Denn nach dieser Studie herrschte in allen Staaten Europas für über 50% der Bevölkerung im frühen 19. Jahrhundert extreme Armut. Das ist natürlich utter nonsense. Hätte man um 1800 jemanden gefragt, wie viele Menschen in Westeuropa extreme poor sind, dann hätte man mit Sicherheit zur Antwort bekommen: Die Tagelöhner vielleicht und diejenigen, die nicht Arbeiten und keine Familienunterstützung erhalten. Außerdem jene, die gerade unter einer Mißernte leiden. Hardly 50%.

Ist nun ein Drittweltbürger arm, wenn er heute 1.25$ am Tag verdient? Nun, das hängt davon ab, welche lokalen Preise er zahlt. Jedenfalls nützt es überhaupt nichts, wenn das Ganze auf den sogenannten Internationalen Dollar zurückgerechnet wird. Denn offenbar kann daran etwas nicht stimmen, wenn Menschen mit 1.25$ über den Tag kommen. Ist dieser Wert tatsächlich fähig, alle Preise für Güter in der westlichen Welt einzubeziehen, dann müßte es möglich sein, von $1.25 pro Tag in den USA zu leben, also für $38 pro Monat.

Und zwar nicht, indem Sie betteln gehen oder irgendwo eine alte Hütte finden, in der Sie übernachten können. Denn auch das wären Güter, die einberechnet werden müßten, da Sie leere Gebäude oder erfolgreiches Betteln unter extrem Armen (die dann offensichtlich auch um Sie herum sind) aus dem Land der Märchen herholen müßten. Auch Land, auf dem Sie sich selbst eine Hütte bauen dürften, müßte in die Rechnung einfließen. Kurz: Für effektiv $38 im Monat in einem westeuropäischen Land ohne versteckte Zubrote überleben? I doubt that.

Aber lassen wir den unsinnigen Wert stehen. Mag es heute von mir aus gelten. Die Frage lautet ja vielmehr: Galt es vor 200 Jahren? Wir können nun freilich versuchen, den Spaß zurückzurechnen und werden je nach Annahme der Löhne und der Inflation, oder vielleicht doch dieser Inflation, oder vielleicht doch dieser Lohnentwicklung (es schwankt zwischen dem 16- bis 100-fachen) auf $4-10 am Tag kommen. Da die durchschnittliche Haushaltsgröße bei knapp unter 4 Personen lag, kommen wir wirklich in den $1.5 Bereich. Nur: Was heißt das?

Selbst wenn all die Parameter, also Preise, Warenkörbe und Gehälter sinnvoll zurückgerechnet sind, dann wissen wir immer noch nichts über die Armut der Zeit. Denn es handelt sich um ein technologisch vollkommen anderes Zeitalter. Was waren die Erwartungen an das Leben? Was sagt uns ein zur Verfügung stehendes Einkommen, wenn wir bedenken, daß man auf dem Gebrauchtwagenmarkt heute für 200€ (also einem Monatseinkommen von 1850) eine alte, aber fahrtüchtige Kiste ergattern kann? Dieses Fahrzeug wäre 1850 aber kein Monatsgehalt, sondern ein Königreich wert (oder gar nichts, wenn Sie kein Benzin raffinieren können). Ein altes Smartphone von ebay für 50€ dagegen wäre praktisch nichts wert. Verstehen Sie? Es macht einfach nicht den geringsten Sinn, unsere Warenkörbe auf frühere Zeiten zurückzurechnen, die dergleichen Technologie weder kannten, noch sinnvoll nutzen konnten.

Ebenso sinnlos ist die alleinige Rückrechnung von Lebensmittelpreisen, weil heutige Lebensmittel nur deshalb so billig sind und eine ungeheuer geringe Inflation suggierieren, weil es die eben genannten Verbrennungsmotoren und die Mikrotechnik heute gibt, die damals allerdings keineswegs zur Verfügung standen. Folglich werden in dergleichen Rechnungen alle früheren Gesellschaften plötzlich bettelarm. Mit der Realität aber hat das wenig zu tun. Denn indirekt sind diese Technologien in unsere Lebensmittel eingepreist. In die alten Preise kann man sie aber natürlich nicht einkalkulieren, weil es für die Techik, die noch nicht bestand, keinen Preis geben kann.

Das ist also allesamt nichts weiter als der Zeigefinger: Seht, wie schlecht und böse es früher war und wie wunderbar sich unsere Moderne entwickelt hat! Alles böse Zeiten, denn da gab es noch keine Soziologie-Lehrstühle.

Aber wir lassen das alles einmal freundlich beiseite. Denn wir wollen zu einer fundamentaleren Dummheit gelangen. Und die steckt im oben abgebildeten Tweet. Also noch einmal:

Poverty 1800-2000

„It’s possible to end extreme poverty. We did it before.“ Nehmen wir also an, da wurde extreme Armut beendet. Ich würde vielmehr sagen, der Lebensstandard, der damals weniger technologisch durchdrungen war, hat sich verbessert. Und das haben wir tatsächlich getan. Wobei wir eigentlich völlig falsch ist. Oder sind Soziologen jetzt Ingenieure? Oder sind wir gar alle Ingenieure? Oder gar: Vier alle?

Jetzt ahnen sie natürlich als geschulter Kommunistenhäscher bereits, wer mit wir gemeint ist. Tatsächlich vier alle, die demokratische Mehrheit, die soziale Mehrheit, die unterdrückte Klasse (denn Sie wissen ja, bei 15 Millionen Netto-Steuerzahlern und damit 45 Millionen Wählern, die vom Sozialstaat gestützt werden, gehen Wahlen immer zugunsten des Sozialstaates aus). Das macht unser studierter Social-Justice-Warrior auch gern nochmal explizit deutlich:

Poverty discussion.png

Liegen Sie schon unterm Tisch? No country achieved this without a large expansion of social programs. Ja, jetzt hören Sie doch auf zu lachen! Is ja gud nun. Verstehen Sie? Nein, nein, kein Gag, der meint das ernst!

Das ist die vielleicht überzeugendste Grafik, um den ultimativen Beweis für die Überlegenheit des freien Marktes gegenüber dem Sozialstaat zu erbringen. Aber nein, you can’t make this up, die Sozialisten nehmen es her und wollen damit den Sozialstaat rechtfertigen. Can you believe it?

Herrlich, nicht wahr, wie all die großen sozialstaatlichen Programme des 19. Jahrhunderts – vor allem in Amerika! – die Armut so ungeheuer erfolgreich bekämpft haben! Und wie die das gemacht haben, mit Staatsquoten von nur 5-10%! (Sie sehen übrigens, daß die Ausgaben für den Sozialstaat heute Kriegsniveau erreicht haben. Da darf man mal drüber nachsinnen.)

Grandios. Ich dachte immer die dicken sozialstaatlichen Programme begannen erst nach dem Zweiten Weltkrieg, die ersten zarten Blüten in den 30ern. Aber was weiß ich schon.

Ja, tatsächlich! Praktisch alle westlichen Gesellschaften haben bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Reallöhne in einem ungeheuren Maße erhöht. Man darf sagen, der Wohlstand ist geradezu explodiert. Seit den 60er-Jahren aber stagnieren die Löhne. Seit es sozialstaatliche Programme gibt, hat sich also im Gegensatz zur guten alten Marktwirtschaft so gut wie nichts mehr zur Behebung von Armut getan. Es ist also exakt das Gegenteil dessen geschehen, was unsere Pseudo-Akademiker von sich geben. Haben Sie schon einmal etwas von sogenannten „nützlichen Idioten“ gehört?

So ist das, wenn Staatsformen von der Marktwirtschaft in den Kommunsimus hinübergleiten. Gut, ganz sind wir noch nicht dort. Aber auf 100% Staatsquote ist die DDR auch nicht gekommen. Wir sind immerhin auf einem festen Weg dorthin. Westeuropa liegt bei etwa 50%.

Wie ist also die Armut besiegt worden?

It’s the free market, stupid! tönt es mit rotierendem Unterton aus Milton Friedmans Grab, dessen brillante und ausführliche Antwort auf diese Frage hier für Sie bereitsteht.

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