Offener Börsenbrief . Bubble concerns und Thüringische Fachwerkhäuser . Buffets $100b und die Blase

Warren Buffet ist traurig. Niemand will sein Geld. 100 Milliarden schlummern im Portemonnaie der Berkshire Hathaway. Das ist bei $135b im Portfolio recht viel. Ja, die 40% Cash sind sogar ein Allzeithoch in der Firmengeschichte.

Sie wissen, ich halte von Buffet nicht übermäßig viel, aber daß er ein notorischer Reiseverweigerer ist, selbst wenn man ihn zu einem Milliarden-Deal nach Israel einlädt und stattdessen sagt: Ich habe Ihren Jahresbericht gesehen. Ich kaufe das Unternehmen. Den Firmenrundgang sparen wir uns. Ich werde wohl extra über den großen Teich fliegen? – genau mein Geschmack!

Aber zurück zur gegenwärtigen Situation. Der amerkianische Markt ist mit einem CAPE (Cyclically Adjusted P/E-Ratio) von 29, während der Durchschnitt seit 1870 bei nur 16.8 liegt, deutlich überbewertet. Mancher rechnet noch eine allgemeine lineare Erhöhung des Cape durch transparentere Märkte usw. ein und kommt auf einen Schnitt von 21.8 im Jahr 2017. Abgesehen davon, daß ich glaube, daß eine solche Berücksichtigung eher einer exponentiellen Regressionsanalyse bedürfte, ist der Markt auch in diesem Falle deutlich überpreist.

Grantham, einer der Ikonen unter den Value Investoren, der bisher noch jede Blase umschifft hat, sagt nun: That is not the nature of a bubble. Und die Angstmacher sagen: Wenn selbst Grantham sagt, es sei keine Blase, dann ist es garantiert eine Blase!

Aber nun einmal langsam. Im Grunde ist es egal, ob wir uns in einer Blase befinden oder nicht. Denn ich habe schon an anderer Stelle deutlich gemacht, daß Blasen nicht über Nacht platzen. Kein Grund zur Panik also. Aber wir wollen dennoch die Frage näher beleuchten.

Das allererste, was man bei einer derartigen Stimmung tun sollte, das ist die Analyse des logarithmischen Kursverlaufs eines Indexes (denn der Zinseszins muß natürlich rausgerechnet werden, sonst sieht man gar nichts, außer irrer Überbewertung). Also haben wir bspw. den S&P 500, den man teils bis ins Jahr 1789 zurückrechnet, zu betrachten.

Does that look like a recent bubble? Not really. Und auch wenn Sie genauer schauen, will sich der Eindruck einer aktuellen Blase nicht recht einstellen.

Denn hier können Sie nun Geraden durchlegen wie sie wollen: Wenn der Dip 2009 Unterbewertung anzeigt, dann haben wir heute keine Überbewertung – eher eine durchschnittliche. Und wenn Sie der Meinung sind, daß 2009 kein Crashjahr war, dann haben Sie vielleicht nicht ganz unrecht, bewegen sich dann jedoch in Nostradamus-Kreisen, die the mother of all crashes befürchten.

Oben hatte ich vom CAPE gesprochen. Sie haben im obigen Video-Link gesehen, daß das CAPE derzeit beim doppelten Durchschnitt liegt. Aber haben Sie auch bemerkt, daß die Dotcom-Blase nochmals einen Durchschnittswert höher geklettert ist? Da lag das CAPE bei über 40! Nochmal: Heute liegen wir bei 29. Hardly a bubble.

Warum die Kurse 2008 nicht so hoch stiegen? Nun, das war ja keine Bewertungs- oder Wirtschaftskrise, sondern eine Finanzkrise. Die kann uns freilich jederzeit wieder treffen, denn die Amerkianer sind zwar nicht mehr in Immobilien verschuldet, dafür aber in Auto- und Studenten-Krediten fleißig am Ausgleichen.

Nur, wenn Sie soetwas fürchten, dann nützt ihnen der Blick auf das Price-Earnings-Ratio nun wirklich nichts. Das könnte Ihnen dann höchstens sagen, wie weit wir fallen werden – und auch das hängt eher von der Schwere der Finanzkrise als von den Aktienkursen ab. Darum geht es also den so argumentierenden Herren nicht.

Aber nun zurück zu Buffet. Ich habe keine Ahnung, ob der Mann demnächst Dividenden auszahlen will, ob buybacks geschehen werden oder er auf den großen Deal wartet – jedenfalls ist nicht verwunderlich, daß es für eine Investitionssumme vom 100 Milliarden Dollar im Moment eher wenige Schnäppchen gibt. Aber eins ist klar: Wer das große Glück (oder Pech) hat, keine Milliarden hin- und herschaufeln zu müssen, der findet durchaus noch reichlich unterbewertete Aktien. Selbst unter den LargeCaps.

Andererseits ist es freilich immer sinnvoll Cash zu halten, statt es in überteuerte Werte zu investieren. Der schöne Nebeneffekt: Im Falle einer Korrektur oder eines Crashs kann man groß einsteigen. Und in der Tat ist eine Zeit, in welcher es keine Schnäppchen mehr gibt, nie übermäßig weit von einer Korrektur entfernt. Aber das sind alles Abwägungsfragen, gerade wenn man dafür das Maß an einen Hunderte-Milliarden-Investor wie Buffet anlegt. Sicher kann der nicht sinnvoll in ein 100-Mio-$ Unternehmen investieren. Davon bräuchte er, ja, Hunderte… Und so viele Unterbewertete gibt es nun doch nicht.

Überhaupt kann freilich ein Markt immer einbrechen. Der richtige Hebel in der Weltpolitik umgelegt oder ein irres Ereignis, und der Crash ist da. Daß wir allerdings an einem natürlichen Ende der Kurssteigerungen durch eine Überbewertung angelangt seien, das ist – Sie haben es gesehen – durch kaum ein Merkmal angezeigt. Schauen wir also einfach, wie die nächsten Dips gekauft werden, wieviele Distribution Days noch folgen und lassen uns zeigen, wohin der Hase läuft.

Heute jedenfalls haben selbst Value-Investoren am allgemeinen Hoch verdient. Und das beim genüßlichen Autospazieren und Wandern mit einem alten Schulfreund in der Uhlstädter Heide. Viele merkwürdige Fachwerkhäuser gab es da zu sehen. Etwa den Edelhof in Kolkwitz, ein doppelstöckiges Fachwerk auf Naturstein-Erdgeschoß. Das ist schon eine merkwürdige Dorfarchitektur, die sich mit einem halben zweiten Geschoß tiefer im Dorf wiederholte. Ebenso das ungewöhnlich städtische, ja Herrenhaus-ähnliche Pfarrhaus Langenschade und noch im ersten Ortsteil ein Fachwerk mit sehr altertümlich wirkender dunkelgrüner Ausmalung. Es folgen in dem langgezogenen Sackgassendorf weitere Dutzende schöner alter Fachwerkhöfe, u.a. ein Fachwerk mit Walmdach im Stil des 18. Jahrhunderts, das nicht weniger ungewöhnlich für heute noch erhaltene Dorfarchitektur in Thüringen ist. Übrigens beginnen hier merkwürdigerweise schon vielerorts die Schieferfassaden des Thüringer Waldes, der doch immerhin noch mindestens 50km entfernt ist.

Außerdem sind wir hin und zurück über eine idyllische Straße an der Weißenburg vorbeigefahren, die malerisch am Rande des Saaletales liegt. Und nach so vielen schönen Anblicken gibt es daheim noch den Empfang mit erleichternden Kurssteigerungen. Darauf einen Eisbecher!

SaP500 1 Juni
S&P 500 . tägliche Kerzen: am 1. Juni 2017 endend

3 Gedanken zu “Offener Börsenbrief . Bubble concerns und Thüringische Fachwerkhäuser . Buffets $100b und die Blase

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