Marktwirtschaft oder Kommunismus? Alternativszenario: Crash – Es muß noch schlimmer kommen, bevor es wieder besser wird . Teil 2

In Börsenkreisen nimmt man mindestens untereinander selten ein Blatt vor den Mund. Insbesondere unter den Sharks of Wall Street. Da uns in dieser Reihe der Crash von Gesellschaften interessiert, lassen Sie uns zum besseren Verständnis einmal denjenigen an der Börse betrachten und von der unverblümten Wortwahl der Wall-Street lernen.

Der Laie glaubt ja, daß Crashs am Aktienmarkt von heute auf morgen kommen, nämlich durch Limit-Verkauf-Orders und panische Verlustangst. Aber der Prozeß ist deutlich komplexer und zieht sich über Monate hin. Dieser Transformationsprozeß wird von den Aktienhändlern als Transfer von smart money zu dumb money bezeichnet, also von schlauem Geld zu dummem Geld.

Das ist natürlich wenig schmeichelhaft, die armen Verlierer auch noch als dumm zu bezeichnen – und jeder Aktienhändler hat schon mal den Dummen gespielt –, aber diese offene und klare Ausdrucksweise hilft beim Verständnis des Vorgangs. Denn wem man nicht sagt, daß er dumm gehandelt hat, der wird es immer wieder tun. Wirklich nachhaltig lernen, kann man nur aus rücksichtsloser, unverhohlener Kritik.

Wie sieht also dieser Prozeß aus und was hat er mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Welt, Europas und Deutschlands zu tun? Schauen Sie sich diesen Kursverlauf des S&P 500, also der 500 größten amerikanischen Unternehmen in der Finanzkrise von 2008 an.

SaP500
S&P 500 in der Weltfinanzkrise von 2008

Das ist im Ganzen ein Hügel, der zuletzt bald ein ganzes Jahr lang stark abfällt. Sie sehen aber, daß es im Aufstieg eine ganze Reihe von roten Rücksetztern gibt, von denen sich der Kurs zunächst erholt, dann immer weniger, bis er Ende 2008 kollabiert. In diesen Rücksetzern wird smart money zu dumb money gemacht. Und das geht so:

Große institutionelle Anleger meinen, die Hausse sei vorbei, d.i. die Preise liegen weit über dem, was die Fundamentalwerte versprechen, und verkaufen mächtige Anteile am Handelsplatz. Dumme Menschen, zu denen die Hausse erst ganz am Ende der Rohrpost durchdringt und die deshalb eine Kaufempfehlung ihres Taxifahrers ernstnehmen (ein altes Stereotyp), kaufen den Rücksetzer, da es den bulligen Markt jetzt offenbar vergünstigt gibt. Der Rücksetzer wird tatsächlich vollständig ausgeglichen und der Kurs steigt sogar weiter. Doch nicht so dumm.

Die Großen haben aber noch immer Anteile und können diese nur in kleinen Portionen verkaufen, da sonst der Markt auf der Stelle ins Bodenlose fiele und sie sich ihren eigenen Verkaufspreis vermasseln würden. Also verkaufen sie nach einiger Zeit der Erholung erneut große Batzen. Ende 2008 waren dann nur noch Leute investiert, die dumb money besaßen, mithin am Ende nur noch sehr wenig davon. Aber der Vorgang selbst ist ein langfristiger und mehrfach angekündigt. Und das liegt letztlich auch an der gewaltigen Größe der betrachteten Systeme (der S&P 500 hat 29 Billion US-$ market cap). Auch Deutschland ist so ein Koloß, der nicht leicht kleinzukriegen ist.

Die institutionellen Anleger lassen immer wieder solche Testballons steigen, um zu sehen, ob der Dip, den sie erzeugen, vom Kleinanleger noch getragen, also gekauft wird oder nicht. Sie testen, was dem Aktienmarkt noch zugemutet werden kann. Und ganz genauso verhält es sich im Politischen. Was wir heute erleben, ist eine politische Dauertest-Einrichtung, die ausklügelt, welche Absurditäten die Untertanen noch auszuhalten bereit sind. Oder, wie ich zuletzt sagte: Sie werden alle paar Jahre mit anderen Krankheitserregern infiziert, um zu sehen, was man ihnen noch zumuten kann.

Das Jahr 2015 war nun für Deutschland exakt so ein Rücksetzer, der noch „gekauft“ wurde, d.h. der mit seinen langfristig bedeutungslosen Keynesianischen Effekten durch Staatsausgaben Scheingewinne verursacht hat. Mit ihm wurde getestet, was man sich so alles erlauben kann. Und wenn die Aufregung abgeebbt ist und Michel sich gewöhnt hat, wird die nächste Testreihe gestartet und gehofft, daß diese wieder „gekauft“ wird. In Wahrheit aber ist dieser Rücksetzer ein Alarmsignal für jeden Anteilseigner, also jeden Bürger gewesen. Denn das ist der Zeitpunkt für alles smart money, auszusteigen, will man nicht zum dumb money gehören.

*

Nun würde ich dieses Beispiel nicht derart ausführlich dargestellt haben, wenn es nicht weitergehende Analogien gäbe, die zwischen Aktienmarkt und Weltgeschichte zu beobachten sind. Denn zu Recht, werden Sie sagen: Danach ging es doch wieder aufwärts! Zweifelsohne. Das ist der Effekt der mean reversion, also der Rückkehr zur Mitte oder gar des Zurückpendelns über die Mitte hinaus. Und man hat mir mit einigem Recht vorgeworfen, ich würde im ersten Teil der Analyse die Entwicklung als zu konstant in die Zukunft fortschreiben.

Nun bin ich als Verfechter einer nicht nur wirtschaftlichen, sondern vor allem auch in Kunstgeschichte, Technik und Gesellschaftszustand anzutreffenden Wellenbewegung der Geschichte der Letzte, der dieses: „What goes down, must come up“ bestreiten würde. Im Gegenteil, ich bin zutiefst von diesem fast physikalischen Gesetz – denn es handelt sich um nichts anderes als Energieerhaltung – überzeugt. Allerdings gibt es dabei zwei Randbedingungen zu beachten.

1. Die Fundamentalwerte bleiben konstant (physikalisch: das System ist abgeschlossen)

2. Man muß den Taldurchgang ertragen können.

Das Zweite ist recht simpel erklärt: Wenn Sie diesen Niedergang einer Gesellschaft bereit sind mitzumachen, dann werden Sie (wenigstens über Generationen) auch den Aufschwung miterleben. Das ist im Aktienfall für viele Anleger schwer, die nach gefallenen Kursen aus Verlustpanik verkaufen und wieder einsteigen, wenn die Erholung längst gelaufen ist (dumb money). Und es ist im gesellschaftlichen Dasein ebenso schwer, den Zusammenbruch eines Sozialsystems durchzuhalten, d.h. ohne schwerwiegende finanzielle, psychische oder gar körperliche Einbußen, die einem der folgende Aufschwung unter Umständen nicht wiederbingen kann.

Die Besserung setzt aber überhaupt nur ein, wenn die Fundamentalwerte noch immer so glänzend sind, wie man sie kannte, als die Zeiten besser waren. Physikalisch: Wenn kein Energieabfluß vorgefallen ist. Das Personal der Deutschland AG hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch deutlich gewandelt: Es handelt sich eben nicht um ein geschlossenes System. Also muß neu evaluiert werden.

Die wenigen Einwanderer aus China, Korea und Japan, die den Durchschnitts-IQ der deutschen Bevölkerung sogar ein wenig heben (smart immigration), sind dabei nicht einmal in der Lage die hochqualifizierte Abwanderung aus Deutschland (smart emigration) vergessen zu machen, geschweige denn den enormen drawdown durch Einwanderung mit deutlich niedrigerem Durchschnitts-IQ aus Nahost und Afrika wieder auszugleichen, unsere dumb immigration.

Daß es nun freilich andererseits auch einen demographischen Mean-reversion-Effekt gibt, nämlich die Tatsache, daß sogar minderqualifizierte ehemalige Einwanderer auswandern, wenn die Attraktivität des Standortes ins Bodenlose sinkt, ist nicht von der Hand zu weisen. Mindestens ein gewisser Teil der Einwanderer wird remigrieren, wenn das Sozialsystem nicht mehr existiert (dump emigration), während jene, die sich selbst ernähren können und aus anderen als wirtschaftlichen Gründen mit dem Land verbunden fühlen, bleiben. Die Erholung ist dann durch eine bessere Auswahl, gerade auch durch den Rückstrom der Fähigen, die fundamentale Besserungen sehen, gewiß (smart immigration). Die Gesellschaft kann auf den Ausgangswert zurückkehren, weil das System grundsätzlich reformiert wurde. Die alten Fundamentaldaten sind wieder gültig.

Nur können sie sich leicht ausmalen, welche Begleiterscheinung ein zusammenbrechendes Sozialsystem heraufbefördert, welche Explosion der Kriminalität, welche unvorhersehbaren Kollateralschäden dergleichen bedeuten würde. Und zugleich darf man davon ausgehen, daß die Politik mit allen Mitteln versuchen wird, das gegenwärtig existierende Währungsregime (in vielen Teilen der westlichen Welt infolge einer enormen Geldschwemme) durch möglichst dezentes Nachregulieren nicht explosionsartig zerfallen zu lassen, sondern gemächlich abzubauen – sofern noch möglich. Ziel ist also die Gewöhnung an schlechtere Verhältnisse durch langsame aber kontinuierliche Inflation. Auch in diesem Fall würden sich die Fundamentaldaten nicht bessern. Ohne Rückkehr der alten Fundamentaldaten aber keine mean reversion.

Ein solcher Worst-Case, ein echter Crash, eine Art Kriegsäquivalent, ein kompletter Reboot kann im übrigen natürlich alles Mögliche zur Folge haben. Daraus könnte man Beliebiges schließen. Nichts wäre unmöglich, aber Spekulation. Nun darf man freilich spekulieren, aber die Wahrscheinlichkeit, sich dabei arg zu verheben, ist groß.

Ich hoffe damit also erklärt zu haben, warum der Titel dieses Beitrags: Es muß noch viel schlimmer kommen, bevor es wieder besser wird kein Naturgesetz ist, sondern nur unter konstanten Umgebungsbedigungen gilt. Werden diese nicht erneuert, wiederhergestellt, so bleibt das niedere Niveau bestehen und ist weit davon entfernt, sich wieder zu heben. Auch nach dieser eingehenderen Analyse dessen, was an Entwicklungen möglich ist, bleiben also die Betrachtungen des ersten Teils bestehen.

Ein letztes Stellrädchen aber ist noch übrig, das tatsächlich die Fundamentalwerte zumindest für Jene wieder zurechtrücken kann, die immerhin das Potential haben. Denn wir verschenken durch unserer Kuschelgesellschaft Unmengen an Wettbewerbsvorteilen. Um den gesellschaftlichen Habitus der Kritik einerseits und der Leistungsförderung andererseits soll es deshalb im abschließenden Teil der Reihe gehen, womit wir endlich zu den Begriffen der Marktwirtschaft und des Kommunismus gelangen, die der Reihe den Titel geben.

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