Elektroautos – Tesla und die deutschen Verbrennungshybride

Es scheint mal wieder einen Tesla-Hype zu geben. Nicht, weil er effizienter geworden ist – das ist angesichts des Elektromotors nicht mehr recht möglich – sondern, weil das Model S nun in 2,5s den naught-to-60 Sprint macht.

Sie sehen, der Elektromotor sorgt vor allem auf den ersten Metern für mehr Schub, weil es praktisch keine Leistungskurve gibt. Konstanter Schub vom Stand aus. Schalten muß man ebenfalls nicht. Da gibt es also einige inhärente Vorteile. Daß E-Motoren vom Stand aus loshüpfen wußte man übrigens auch schon um 1900.

Aber im Ernst: Um’s beschleunigen geht es nicht so sehr. Das Elektroauto soll sich damit nur besser verkaufen. Eigentlich soll es ja die Welt retten, nicht wahr? Lokale Emissionen gibt es natürlich nicht. Aber das gute Stück muß immerhin aufgeladen werden. Das Model S von Tesla braucht etwa 20 khW/100km. Das Model X, also das große SUV 30 kWh. Aber darunter kann sich niemand etwas vorstellen.

Nun, ein Liter Benzin hat das Energieäquivalent von 8,5kWh/l. Das heißt 20kWh entsprechen 2,4l/100km. Hört sich gut an, oder? Stimmt, nicht schlecht. Die 30kWh des SUV kommen dann 3,5l gleich. Für eine 2,4-Tonnen-Schrankwand auch beeindruckend.

Sie haben sicher auch schön gehört, daß die deutsche Autoindustrie, die alten Dinosaurier, die hoffentlich bald aussterben (!), ganz abgeschlagen hinter aller Welt liegen. Auch der schon nicht sonderlich klug dreinblickende und dreinredende Dudenhöffer faselt solchen wenig eloquenten Stuß.

Schlußlicht, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Schauen wir uns die Datenlage doch mal an. Da gibt es z.B. den Mercedes Benz S V12 mit schlappen 10,5l/100km. Die sind wirklich von vorgestern!

Oder hier: diesen S 500 mit 440PS. Tsss. Moment, ein Druckfehler! 2,8l/100km steht hier. Hoppla, doch kein Druckfehler, ein Hybrid und eigentlich schon fast historisch. Aber die Deutschen sind ja so weit zurück in der Elektromobilität. Nun, die Angabe stimmt dennoch nicht, denn bei den Plug-in-Hybriden wird der Elektroverbrauch vom zu Fahrbeginn vollgeladenen Akku nicht einberechnet. Addiert man diesen, kommen wir auf 6 l/100km. Allerdings gibt es beliebige Reichweite durch den V6.

Aber Sie sagen vielleicht: Feigenblatt! Die kauft ja keiner! Viel zu teuer! Wirklich? Der Q7 e-tron kostet knapp über 80.000€. Den Tesla X gibt’s nur, wenn sie noch 20.000€ drauflegen. Komisch, nicht wahr? Ja, den Tesla kauft ja auch fast niemand. All das sind Nischenprodukte.

Wir haben auch andere Modelle anzubieten. Den 330PS BMW 7er etwa. Der ist mit 2,2l/100km angegeben. Oder nehmen Sie den Audi Q7, der noch schwerer ist als der Tesla X und in der Benzinvariante 2,5l und als Diesel-Hybrid 1,9l/100km benötigt (ebenfalls Plug-in-Hybrid). Auch wenn man diese Verbräuche alle mindestens doppeln muß (siehe unten), weil die Akku-Energie wie gesagt nicht einberechnet wird, so sind die Werte doch bedenkenswert, denn mit dem Elektroauto, und eben auch dem Tesla, müssen wir bezüglich des wahren Verbrauchs ebenfalls noch ein Hühnchen rupfen.

Denn wir haben die wahren Energieaufwendungen für die genannten PKW noch gar nicht angegeben. Und ich nehme es vorweg, da herrscht dann Gleichstand. Das liegt daran, daß die erwähnten Hybride zusammen mit den fein-abgestimmten Getrieben auch dem Verbrennungsmotor mittlerweile fast ausschließlich den günstigesten Last- und Drehzahlbereich erlauben. Da auch die Benziner heute aufgeladen und mit allerlei technischer Raffinesse, wie einst nur Dieselmotoren, optimiert werden, kommen diese Motoren ebenfalls im Bestfall auf fast 50% Wirkungsgrad. Das heißt freilich die Hälfte Verlust. Aber ist das bei Elektroautos anders?

Denn mir scheint nicht recht realistisch, daß man in Kuweit mittlerweile direkt die Kilowattstunden aus den Förderrohren saugt. Oder wissen Sie da mehr? Die kWh ist eine Rechengröße für Energie. Elektrische Energie können wir aber in der Natur nicht einfach abbauen. Sie muß also erzeugt werden. Das geschieht z.B. mit Gasturbinen, in Kraftwerken also, wo man einen Wirkungsgrad von ziemlich genau 50% erreicht (das entspricht der Energie-Mix-Bilanz in Deutschland von 550g/kWh CO2). Solang also der Strom für den Tesla aus einer deutschen Steckdose bezogen wird, ist der Verbrauch in der Tat doppelt so hoch, denn für die Herstellung des Stromes, den Sie per Aufladung aus dem Netz ziehen, gehen 50% Verlust ab (eben nicht weniger als in einem hocheffizient betriebenen Dieselmotor, der die Batterie auflädt). Der Tesla braucht also nicht 2,4 l/100km, sondern 4,8. Naja, auch nicht richtig schlecht, aber irgendwie auch weit entfernt von der Weltrettung. Hier sind die Verluste beim Laden und Entladen der Batterie noch gar nicht mitgerechnet. Die liegen bei 20% (also der Wirkungsgrad bei 80%).

Der Tesla X braucht demnach 7 l/100km. Sieben Liter? Also dafür braucht Audi nicht einmal einen Elektromotor. Der SQ7, der zudem gar über 435PS verfügt, braucht 7,2-7,6l/100km. Selbst einen Benziner mit 7,3l hat man bei Audi im Programm. Und wenn Sie keine Rennen fahren wollen, können Sie den 220PS starken Diesel mit unter 6 Litern Verbrauch kaufen.

Freilich darf man nicht vergessen, daß für jeden Liter Benzin etwa 1,5kWh an Energie aufgewendet werden müssen, um ihn zu raffinerieren, zu transportieren usw., d.h. bis er an der Zapfsäule entnommen werden kann. Das sind 15-18% der Gesamtenergie. Stellen wir also die wahren Energieverbräuche einmal gegenüber.

Verbräuche zur Bereitsstellung der Fahr-Energie nach Normverbräuchen/Testverbräuchen

Tesla S Tesla X BMW 740e MB S 500e Audi Q7 3.0 TDI e-tron
23,3kWh

6,6 l

30kWh

8,4 l

7,0 l
6,9 l 7,9 l (Diesel)
Berücksichtig sind: Strombereitstellung, Lade- und Entladeverluste, Benzinbereitstellung, CO2-Ausstoß durch geladene Plug-in-Batterie. Tesla S, BMW & Audi sind Testverbräuche aus dt. Zeitschriften (inkl. Akku-Strom)

Saubere elektrische Energie gibt es entweder aus Staudämmen, Windrädern, Biogasanlagen oder Solarzellen. All das ist aber für den breiten Einsatz umweltzerstörerischer Wahnsinn. Staudämme werden seit langem aufgrund des enormen Eingriffs in die Natur nicht mehr gebaut, Windräder erzeugen Lichtverschmutzung, stören Vögel, erzeugen Lärm und Verschandelungen, gegen die breit opponiert wird, Biogasanlagen benötigen riesige Monokulturen aus Raps oder ähnlichem, die auch die letzte Artenvielfalt zerstören und das Grundwasser schädigen und schließlich Solaranlagen können unser Problem schon aus Platzgründen nicht lösen. Das wird also alles nichts, wenn man die gesamte Mobilität Deutschlands damit bewerkstelligen will, meine Damen und Herren.

Ist es da nicht enorm intelligent, den Benzin- oder Dieselmotor (die ohnehin mittlerweile sehr ähnlich sind) bis auf die letzte Rille effizient zu gestalten und mit kleinen Akkus (Stichwort Lithiumknappheit) und einem hybridgeschaltenen Elektromotor das letzte Quentchen an optimaler Drehzahlnutzung und Rekuperation herauszuwringen, um auf geringe Verbräuche zu kommen?

Nein, die deutschen Hersteller sind nicht dämlich, sondern realistisch. Kleine Strecken können Sie auch mit diesen Autos elektrisch fahren und sie zuhause an einer heimischen Fotovoltaik-Anlage aufladen, wenn Sie den Strom sonst gerade nicht brauchen und nicht speichern können. Oder wollen Sie vielleicht den Heimtrainer anschließen? Dann können Sie auch gleich Fahrradfahren. Oder laufen, das ist am kostengünstigsten. Da muß man sich bloß ein paar Stullen schmieren. Na, wie wär’s, Wanderfreunde?

Ein Gedanke zu “Elektroautos – Tesla und die deutschen Verbrennungshybride

  1. Gut , daß es Menschen abseits der Propaganda-Mainstream-Informationsmaschinerie gibt mit dem Hang zum selbstständigen logischen Denken.
    Antriebsenergie ist und bleibt eben doch nur Energie, welche irgendwie den Weg in den Motor findet. Egal in welchem Aggregatzustand und in welches Vehikel.
    Schlimm wird es erst, wenn unterschieden wird zwischen PKW und LKW. Beide versauen die Umgebungsluft und sollten mit einem Maß gemessen werden und entsprechend optimierte Motoren nutzen.
    Alle Vehikel mit eMotoren zu betreiben, daß wird wohl ein Wunschdenken bleiben.

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