Eine Spazierfahrt zur Rudelsburg bei Saaleck

Der gute alte Wangenheim war wieder einmal auf Reisen. Es sollte ins Kutschenmuseum nach Auerstedt gehen. Aber es kam erneut anders.

Da diesmal die Strecke leicht zu finden und ein Verfahren unmöglich war, gibt es kaum etwas zu erzählen, der Dehio fehlt freilich immer noch – und so beschränkte sich die Fahrt vor allem auf die schöne Landschaft, die kleinen Sträßchen, die zuweilen idyllischen Dörfer und die Einsamkeit einer lustigen Überlandfahrt. Wenn Sie zu viel Zeit haben und eine Unmenge schöner Obstbäume am Straßenrand, die letzte Landstraße mit Kindskopfpflaster weit und breit, viel Schnee, zwei Bussarde, eine witzige Windmühle, ein malerisches Rittergut und kleine Sträßchen bei unverschämt geringer Geschwindigkeit genießen wollen, wenn Sie also ein unverbesserlicher Träumer sind, dann können Sie sich eine halbe Stunde lang ins Auto setzen und mitfahren. Und wenn Sie durchhalten, singe ich noch zwei Lieder für Sie.

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Das malerische Rittergut Posewitz

Warum aber gelangte ich nicht nach Auerstedt? Weil ich zu nah an der Rudelsburg vorbeikam und sie so schön im spätnachmittäglichen Sonnenschein stand, daß ich nicht widerstehen konnte, Auerstedt sausen zu lassen.

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Die Rudelsburg von Saaleck aus gesehen.

Oberhalb des Örtchens Saaleck liegen zwei Burgen: Saaleck und die Rudelsburg in unmittelbarer Nähe.

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Blick von der Rudelsburg auf Saaleck

Im Mittelalter waren die Burgen praktisch uneinnehmbar, wurden später jedoch bedeutungslos. Man setzte sie im 19. Jahrhundert historistisch instand, aber als Teilruinen. Geöffnet war freilich nicht mehr, aber die Ansichten, die sich in den Umgängen an der steilen und waghalsig hohen Felswand eröffnen, die praktisch senkrecht in die Saale hinabschießt, sind großartig. Die Saale, die sehr tief und hart am Felsen entlangfließt, ist leider auf ein Foto nicht zu bannen. Aber der stürzende Felsen gibt eine Ahnung, wohin es gehen mag. Daß diese Burg recht gut vor Angreifern geschützt war – mindestens von dieser Seite – leuchtet nicht wenig ein.

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Gefallenendenkmal zum Kriege 1870/1 nahe der Rudelsburg

Die Burschenschaftler kamen schon im frühen 19. Jahrhundert, um die romantischen Saaleburgen zu besuchen. Auch Franz Kugler war unter ihnen und dichtete mit 18 Jahren auf diese und diesen Burgen das bekannte Lied: „An der Saale hellem Strande“ Falls Sie mit einer etwas laschen Gesangsinterpretation aber sommerlichen Bilder vorlieb nehmen, dann schauen Sie Wewels „Kein schöner Land“. Hermann Allmers hat fast 40 Jahre später das Trink- und Heimatlied „Dort Saaleck, hier die Rudelsburg“ gedichtet.

In unmittelbarer Nähe zur Eingangsbrücke der Burg findet sich auf der Höhe das Gefallenendenkmal für den Krieg 1870, dem jedoch heute der Obelisk fehlt, den die FDJ in den 50er-Jahren in die Saale gestürzt hat. Er bildet noch heute eine Untiefe. Teile wurden geborgen. Dieses Denkmal kannte ich, die Marmorplatten spiegelten aber damals noch nicht. Wenig weiter steht das Bismarckdenkmal, das 2006 neugegossen wurde – kurz nach meinem letzten Besuch hier (als das Auto, das heute ins zwölfte Jahr geht, noch neu war), sodaß ich dieses erstaunliche Jugend-Denkmal des Eisernen Kanzlers jetzt zum ersten Male sah.

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Bismarck-Denkmal mit Hund Ariel

Ich liebe ja die Jugendbildnisse der Großen (wenngleich ich als Anhänger des altdeutschen Föderalismus nicht zu den Bismarck-Bewunderern gehöre, aber doch, wie jeder vernünftige Mensch, denselben mit Respekt betrachte). So etwa auch das Jugendportrait Schopenhauers, das in der Zeit der „Welt als Wille und Vorstellung“ entstand und nicht wie all die Altersportraits den Schopenhauer der Paralipomena zeigen.

Zwar ist der bildhauerische Stil dieses Neugusses keineswegs historistisch, aber die Gesamtansicht ist vorzüglich gelungen. Diese Wiederherstellungen hat man dem Kösener Senioren-Convents-Verband zu danken. Die überlässige Haltung erinnert übrigens sehr an das alte Goethedenkmal in Marienbad. Heute steht ein anderes dort, das ganz geziemt ist und allen Reiz vermissen läßt.

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Da mir aber die Reisen nie ausgehen sollen, habe ich die ebenfalls neu freigelegten Denkmäler, die noch weiter ab liegen, übersehen. Es sind der Kaiser-Wilhelm I.-Gedenk-Obelisk und das Gefallenendenkmal der Weltriege. Ich komme also balde wieder. Auch wenn balde bei mir zwölf Jahre heißen kann.

Ein Gedanke zu “Eine Spazierfahrt zur Rudelsburg bei Saaleck

  1. Pingback: Spazierfahrt nach Paulinzella und Elgersburg – Die Reisen des wunderlichen Herrn Wangenheim

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