Der Präsident des Klassizismus . Donald Trump und die Aufklärung . Teil 3

Was aber heißt das politisch? Es bedeutet den schlankeren Staat, die geringere Regulierung, die größere Freiheit, weniger Bemuttern und Bevormunden. Und außenpolitisch? – Die Rückkehr zu alter Kraft und Stärke. Das ist alles andere als Säbelrasseln. Ja, das Gegenteil. Hierzu müssen wir die letzten Jahre amerikanischer Außenpolitik streifen, um zu verstehen, was eigentlich im Ganzen vor sich und verloren ging.

Seit dem Irak-Krieg und dem in Afghanistan haben die Amerikaner einen zweifelhaften Ruf in der Welt gepflegt. Der versuchsweise Regime-Change in der Ukraine hat das nicht gebessert, und diejenigen in Nordafrika – allesamt weniger dilettantisch ausgeführt als vielmehr überhaupt absurd – waren an geopolitischer Dämlichkeit nicht zu überbieten. Wie kam es zu derart verheerend unsinnigen Entscheidungen? Man hat viel davon gesprochen, daß Amerika von innenpolitischen Problemen ablenke. Das war nicht ganz falsch gedacht, übersieht aber die Dimension des Problems.

Man muß zunächst einmal begreifen, daß Rußland oder China militärisch nicht zu besiegen sind. Und sofern das jedem klar ist, darf weiter abgeleitet werden, daß militärisch überhaupt nichts Wesentliches gewonnen werden kann. Sondern: allein durch die Präsenz von Stärke. Daher hat Trump ganz recht, wenn er sagt, Amerika brauche ein Militär, das stark sei wie nie, obwohl man es im Grunde nicht einsetzen wolle. Und zwar schlicht deshalb, weil es die pure Fähigkeit zeigt, eine große Hightech-Armee zu unterhalten. Diese finanzielle Überlegenheit, die freilich aus wirtschaftlicher Überlegenheit resultiert, ist jedoch in Amerika in den vergangenen Jahren zusehends geschrumpft: Öl wurde zum Teil nicht mehr in Dollar gehandelt (der aus Washington gesteuerte drop des Rubel hat trotzdem noch funktioniert), das Militär ausgelaugt, außenpolitische Erfolge nicht mehr sichtbar. Die Administrationen der letzten Dekade vermochten es in ihrer politischen Trägheit schlicht nicht, den amerikanischen Wirtschafts- und Finanzmotor auf Touren zu halten, den Amerikanern Arbeit zu geben, sodaß die Staaten weiterhin den bequemen Weg der größten Konsumenten gehen konnten. Die Mittelschicht bricht seitdem weg.

Und weil diese Stärke wirtschaftlicher Art immer zweifelhafter wurde – nachdem nur noch Politiker dritten Ranges, College Groupies, wie Bill Clinton, verzogene Söhne, wie Walker Bush, Kommunisten ohne jedes wirtschaftliche Verständnis, wie Obama, ins Amt kamen – erinnerten diese Nichtsnutze sich zunehmend daran, daß Amerika ja auch ein riesiges Militär besitze. Und was man immer von Rußland fürchtete, daß irgendein Irrer an die Atomwaffen komme und seinen Untergang mit einem Nuklear-Strike beschließe, das ist – in Plüsch gebettet – mit Amerika geschehen. Die Position in der Welt ward zusehends eingebüßt, also hat die wirtschaftlich unfähige Führung mit dem militärischen Komplex ohne Erfolg, ja oft mit verheerendem Resultat herumgespielt, um aufkommende andere Kräfte kleinzuhalten oder dritte Ziele zu verfolgen. Das ist der tiefere Grund für das Spiel mit dem Feuer der letzten Jahre.

Daher ist diese Entscheidung Amerikas, einen Mann zum Präsidenten zu machen, der Geschäftsmann durch und durch ist, so grundsolide. Amerika braucht ein Wirtschaftswunder. Auch um die big fat ugly bubble nicht zum Platzen zu bringen. Und wenn irgendjemand dieses Wunder bringen kann, dann Donald Trump.

Vor allem ist es ganz gleich, worin genau diese wirtschaftlichen Maßnahmen liegen, zu denen wir gleich kommen. Es ist die blanke Existenz eines Machers, eines Self-made-Man auf dem Thron, welche die Menschen bereits in seiner Campaign inspiriert hat und es in den kommenden vier Jahren tun wird. Der frische Wind, das Aufatmen des Landes durch diesen Mann, der zuletzt um 2:00 Uhr morgens und dann spätestens um sieben erneut twittert, der zuletzt vier Reden am Tag in vier Staaten gehalten hat, um die Menschen hinter sich zu bringen, ein Mann von ungeheurer Energie, Schlagfertigkeit und wirtschaftlichem Verständnis (von der Schule, der er angehört ganz unabhängig) – das ist ein Push-Faktor sondergleichen (neben dem politischen Pull-Faktor), den man nicht unterschätzen darf.

Schauen wir uns deshalb die neben der Deregulierung wichtigste und zugleich umstrittenste Ankündigung Trumps zum Handling der Wirtschaft genauer an: den Protektionismus.

I’m a free trader. But it has to be smart trade. It has to be fair trade. Trump

Was heißt das? Eine Einfuhrsteuer für China, eine Einfuhrsteuer für nach Mexiko geflüchtete amerikanische Unternehmen zum Beispiel. Freilich ist eine solche Überlegung nur für die USA überhaupt sinnvoll zu denken, da ihre Importe alles überwiegen. Sie sind also in der Position des Konsumenten. Amerika allein verfügt über eine derart große Kaufkraft, daß es sich solche Diktate erlauben kann. Das aber beschimpfen die Liberalen als Protektionismus. Aber diesen Fehler hat schon Milton Friedman durchgängig gemacht, wenn er etwa die Stahlproduktion liebend gern an Japan abgeben wollte, selbst wenn die Japaner die Preise subventionierten – und zwar mit dem schönen Argument:

Wenn die japanische Regierung tatsächlich den Stahl subventionieren will, den wir ihnen abkaufen, so kann ich an diesem Geschenk an die amerikanischen Verbraucher nichts Schlechtes finden.

Das klingt eindrucksvoll und schlagend. Allerdings werden damit ganze Standorte ausgedünnt und letztlich trockengelegt, die man, wenn das Blatt sich wieder wendet und die Marktführer die Preise anziehen, nicht einfach so neu errichten kann. Etwas Ähnliches passiert mit dem Ausstieg aus der Atomkraft. Es bedeutet auch alle wissenschaftliche und technische Führerschaft auf diesem Gebiet niederzulegen. Etwas, das schwer wiederherzustellen ist.

Und das ist das Problem des Westens. Ist die Transformation der Schwellenländer erst einmal abgeschlossen und die Produktionskosten so ähnlich, daß eine Auslagerung sich nicht mehr lohnt, dann wäre der westliche Arbeiter wieder im Rennen, hat jedoch, wenn der Auslaugungsprozeß so fort geht, die gesamte Infrastruktur verloren. Der Impact der aufsteigenden Schwellenländer ist einfach zu groß, d.h. wir haben ein Lohn- und Wohlstandgefälle von einigen hundert Metern – getrennt durch die Staumauern der Zölle. Der freie Markt aber öffnet mit einem Mal die Schleusen, ja im Grunde handelt es sich um das Brechen der Mauer, und nun schwappt ein Tsunami über die westliche Welt. Das gibt kurz ganz großartige Kraftentfaltung, ist aber derart brutal, daß man leicht einsehen mag, daß ein kontrollierter Abfluß wesentlich vernünftiger scheint. Und exakt das ist ein leichter Protektionismus.

Die Talsohle, die der Westen für die Angleichung durchschreiten muß, liegt noch nicht hinter ihm, aber es ist auch nicht mehr übermäßig weit. Die Schwellenländer sind schon gut entwickelt, der Westen aber schabt gerade am Abgrund vorbei. Und spätestens hier muß er einlenken.

Denn die absurde liberale Haltung, man solle alle Arbeit abgeben, die man nicht ebenso kostengünstig erbringen könne – wenngleich die Arbeitsweisen auf ganz anderen Standards beruhen (Umwelt, soziales Umfeld usw.) – ist nicht nur weltfremd, da es immer blue collar worker geben wird und nicht alle Menschen mit college degree an Computern sitzen können (die selbe Fantasterei, wie sie die Linksliberalen mit der lächerlichen Vorstellung pflegen, alle könnten und müßten an der Universität studieren), sondern wiederspricht vor allem ihren eigenen Grundsätzen.

Denn jeder Liberale würde zweifellos ein Unternehmen, daß sich nicht an die Gesetze hält– etwa zur Umwelttechnik, zu den Sozialabgaben oder den Sicherheitsbestimmungen – als einen Cheater bezeichnen: Wettbewerbsverzerrung. Sue them! They rig the system! Manipulators!

Aber wenn dieselbe Situation zwischen Staaten besteht, daß nämlich ein amerikanisches Unternehmen andere Gesetze zu beachten hat als ein chinesisches, aber auf demselben Markt konkurriert, da scheint es die Herren Wettbewerbshüter nicht zu kümmern.

Und wer meint, es handle sich eben außerdem um einen competition of nations, der hat ganz recht, allerdings ist doch in diesem Wettbewerb wiederum jeder Staat frei in der Entscheidung die niedrigen Standards des Gegners mit einer gewissen Einfuhrsteuer zu kontern.

Und freilich, auch das ist klassizistisch, aufklärerisch, nämlich merkantilistisch gedacht – was für das Frankreich des 18. Jahrhunderts als Führer der westlichen Welt bestens funktioniert hat und für Amerika ebenfalls funktionieren wird. Genauso wie die Aufklärung übrigens die Staatenverbünde aufgelöst hat – das Alte Reich – und der Vorreiter der Bildung der Nationalstaaten war, welche seit 1776 folgten. Diese Rückkehr zu den Nationastaaten hat Trump ebenfalls mit jenem „false Song of Globalism“ angekündigt, und damit die trade deals ganzer Wirtschaftsräume zurückgewiesen (auch die derzeitige Form der Nato) und stattdessen Einzelabkommen vorgezogen.

Wir zählen also: die logische Schärfe des Klassizismus, die heitere Offenheit der Aufklärung, die merkantilistische Akkumulation von Reichtum – diese drei Punkte wollte ich benennen. Allerdings hat sich aus dem ersten ein weiterer
Gedanke ergeben, nämlich derjenige der Vervollständigung des Kategorischen Imperativs, den Ihnen vorzuenthalten freilich in diesem Zusammenhange aberwitzig wäre, womit ich Sie zu einem vierten und abschließenden Teil einlade.

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