Der Präsident des Klassizismus . Donald Trump und die Aufklärung . Teil 2

Was aber ist nun der Grund für diese Revolution der westlichen Politik? Für jeden, der mit offenen Augen durch die Welt ging, war und ist es eine absolute Klarheit. Daher ist die Frage im eigentlichen Sinne absurd. Nach dem Grund fragt man im Nachhinein nur, sofern man den Vorgang nicht verfolgen konnte, nicht erlebt, nicht begriffen hat.

Als ich am Morgen nach der Wahl erwachte, war ich ganz ruhig. Nicht, weil zu 100% feststand, das Trump die Wahl gewinnen würde. Überraschungen gibt es immer – und der versammelte Gegenwind des Establishments konnte ja noch einmal den Sieg davongetragen haben. Warum nicht? Aber als ich sah, daß es Trump geworden war, da beruhigte sich lediglich die leichte Aufregung des Stichtages in das freudige Gemüt, das mich und Millionen Anderer durch die gesamte Campaign getragen hatte. Die Zeit – und das hat jeder wirkliche Menschenkenner geahnt, gewußt – war reif für eine Wende großen Stils. Wer das nicht sah, darf freiweg als engstirnig, realitätsverweigernd oder eben blank desinteressiert bezeichnet werden, wovon das letzte freilich gar nicht verwerflich ist.

Überrascht waren nur die Ignoranten, diejenigen, die sich denkerisch offen glaubten und es nie waren, diejenigen, die in einer Echo-Kammer der politischen Korrektheit vorsorglich von der Trump-Campaign nur das wahrnahmen und wahrnehmen wollten, d.h. sollten, was ihnen CNN und die angeschlossenen Sendeanstalten der ARD zubilligten sehen und hören zu dürfen – vornehmlich moralinsaure Kommentare zu Zitate-Fetzen Trumps –, also jene Journalisten, die noch einen Tag vor der Wahl die herrliche DDR-Meldung der New York Times (A failing newspaper . Trump dixit) zur Wahrscheinlichkeit der Wahl von Hillary Clinton verbreiteten, indem diese auf erstaunlich zurückhaltende 92% beziffert wurde. – Wie Ann Coulter vor neun Monaten schon sagte:

They will realize what’s happening half way through the inaugural address.

Eine Woche vor der Wahl noch war ich in ein Tisch-Gespräch involviert, das u.a. von einem hohen FDP-Politiker geführt wurde, und in dem dieser sich eben in dergleichen Weise äußerte, wie das die Clinton-Campaign vorgebetet hatte. Die Trump-Wähler seien allesamt Abgehängte. Das wurde von seiner Gesprächspartnerin zudem mit der Präzisierung bekräftigt: Es handle sich um abgehängte Männer. Auf meine Frage, ob er das nicht als etwas simplifizierend empfinde, einfach jenen basket of deplorables zu konstatieren und wie er das mit der Tatsache übereinbringe, daß also 40% der Amerikaner Abgehängte seien, bekam ich die Antwort: Na, wir wollen mal nächste Woche abwarten, wie viel er wirklich Stimmen erhält. Pfeifen im dunklen Walde. – Nun, wir haben abgewartet.

Und ja, im Grunde waren es die Abgehängten, aber die abgehängten Ambitionierten, (vor allem die Weißen, obgleich bei Farbigen gegenüber Romney zugelegt, bei Weißen nicht – dafür insgesamt bei Männern) die in den letzten Jahrzehnten und vor allem den Ausuferungen der political correctness der letzten Jahre, die ja ganz greifbare Auswirkungen in Quoten und hiring of real deplorables mündet, also die wirklich Besten nicht mehr ihrem Können entsprechend honoriert, sondern sie bei politischer und gemütsmäßiger Nichteignung systematisch aus den Institutionen herausekelte. Das haben sie sich nicht mehr gefallen lassen.

Und damit sind wir wieder bei der aufklärerischen Forderung nach Gleichbehandlung Aller. Denn wir kommen um die bottom line der Auseinandersetzung zwischen Links und Rechts nicht herum: Die Einen wollen blanke Gleichheit, die Anderen nur gleiche Rechte: Kommunismus versus Freier Markt. Die Quoten – ob die der Frauen oder die der Migranten – sind Sonderbehandlungen, wie zusätzliche Toiletten für Wer-weiß-was-für-Geschlechter Verteilung von Rechten sind, die Andere nicht erhalten. Ein jeder könnte so eine neue Kategorie von Geschlecht, sozialer Unterdruckkammer oder psychischer Benachteiligung erfinden und Sonderrechte fordern. Was als Gleichberechtigung verkauft wird, ist nichts als die Benachteiligung der Allgemeinheit, insonders der Tüchtigen.

Das wird immer und überall in der westlichen Welt für Kinder akzeptiert werden, man wird auch Krüppel anders behandeln als Gesunde, und in geringerem Maße werden auch Frauen an vielen Stellen anders behandelt als Männer. Die Frage ist, wie weit dergleichen blüht. Denn die eingenommenen Opferrollen scheinen mittlerweile so absurd und hineingesteigert, daß die breite Masse die Augenbrauen hebt und – anders wählt. Das Prinzip der wahren Gleichberechtigung haben amerikanische Frauen übrigens bereits zu guten Teilen wieder begriffen – daher die für die Linksliberalen unbegreifliche Konstanz der women’s vote für die Demokraten gerade gegen Trump, den misogynist: Auf CNN war vor einigen Monaten accidentally eine Frau zu hören, die gefragt wurde, wie sie einen Kandidaten unterstützen könne, der Frauen beleidigt. Sie antwortete: Trump is insulting men as well, so I can’t be upset, that he is insulting women. Dasselbe gilt übrigens von der angeblichen Nachäffung eines verkrüppelten Reporters.

Wenige kritische Stimmen gab es in Deutschland, gestern lese ich mit Erstaunen einen soliden und vernünftigen Beitrag im Cicero und einen schweizer Importartikel im Focus. Ansonsten erspare ich mir jeden Kommentar zu den Zeitungen, die mehr oder weniger reißerisch, manchmal sogar mit zurückhaltenden Schlagzeilen, aber im Kern noch genauso echauffiert wie zuvor, von der Züricher bis zur TAZ auch jetzt ihrer echo chamber nicht entkommen sind. Ich erspare es mir nicht aus Ablehnung, aus Verärgerung oder wegen der Absurdität und ewigen Ignoranz der alten Zeitungsmacher, sondern weil wir zuallererst eines mit Trump gelernt haben, wenn wir es nicht zuvor schon gänzlich inkorporiert hatten: Es gibt nur zwei Antworten auf Ideologien, wie sie u.a. die politische Korrektheit hervorbringt.

Sad! – das war die Twitter-Standardformel Trumps, die die Trumpianer millionenfach kopiert haben – oder: der Witz, und zwar im Sinne des Scherzes, das Lachen. Und so habe ich gestern all diese Zeitungen in der Anna Amalia Bibliothek durchblättert und kam aus dem Grinsen einfach nicht heraus, mußte gar ein paar Mal laut lachen. Fast schade, daß ich der Einzige in der großen Halle mit den bequemen Ledersesseln war. Wahrscheinlich waren die sonstigen Zeitungsleser too sad.

„Isn’t it fun to be at a Trump rally?“ . Trump

Denn der Konservatismus hat das Lachen wiedererlernt. Etwas, das ich an ihm immer vermißt habe und was mit diesem Mann zurückgekehrt ist. Die alles entscheidende Grundstimmung zur Campaign Trumps, d.i. of the movement hat Milo Yiannopoulos auf den Punkt gebracht: This is generation Trump. We’re having a great time. We are the only people who are laughing. TW: Even about this and that and this.

Die Verbitterung, das böse Ansinnen des Linksliberalismus ward immer übertüncht. Denn um jemandem zu helfen, muß man einem anderen etwas wegnehmen – Sicherheit, bürgerliche Kohäsion, Eigentum. Der Konservatismus hat nie geleugnet, daß die Schwachen schlechter wegkommen, wenn er den Vorteil des Erfolgreichen ehrt. Aber so wie der Sozialismus eine gute Seite hat (das Verschenken) und eine schlechte (das Wegnehmen durch den Staat), so bietet der Konservatismus etwas Schlechtes (das Abhängen der Unfähigen) und etwas Gutes (die Belohnung des Tüchtigen). Aber er hat erst jetzt dieses Positive seiner Welt wiederentdeckt und weiß es zu promoten. Die Welt hat sich gedreht. Ich wüßte keine klarere Bestätigung der Wellenbewegung der Geschichte.

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2 Gedanken zu “Der Präsident des Klassizismus . Donald Trump und die Aufklärung . Teil 2

  1. Um Ihrem Denken noch eine weitere schicksalhafte Wendung zu verleihen – gesetzt, dass Sie diese Beobachtung noch nicht gemacht haben – möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf das Literaturphänomen „Das Lied von Eis und Feuer“ lenken. Ich musste diesen Titel unweigerlich mit bestimmter Sicherheit an den Seitenrand mir notieren, als ich erneut Ihre Darlegungen zur literarischen Bedeutung Vergils las.

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  2. Ich kenne das Werk nicht, aber es scheint sich um eine etwas realistischere Tolkienerei zu handeln. Ich habe allerdings aus meiner bescheidenen Sicht, die mir Wiki gerade vermittelt hat, Zweifel, ob es sich wirklich um ein Sammelwerk zivilisatorischer Natur handelt. Denn erstens fehlt diesen Fantasy-Romanen natürlich der Bezug zur Realität – Vergil und Homer wollen ja die Gegenwart mystisch gründen – und außerdem scheint beim „Lied von Eis und Feuer“ außerdem das Bewegungsmotiv zu fehlen. Ich würde also in diesem Sinne eher auf einen Historienroman tippen, der ein fiktives Mittelalter darstellt (wobei der Historienroman selbst freilich auch schon ein spätes Phänomen ist). Aber Sie werden mit Ihrer Kenntnis des Romans sicher andere Parallelen geschlagen haben.

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