Statt eines musikalischen Abends . 06 Okt 2016 . Teil 3 . Peter Hacks und die Romantik . Mozart und Tschaikowski

Ich ziehe den Stendhal aus dem Regal, wir plaudern ein wenig über Balzac und schließlich erzählt Florian ein paar Schwänke zu Peter Hacks. Kommunismus sei, wenn Shakespeare verstanden werde. Mit anderen Worten, ein Zustand, der nie erreicht werde. Das ganze mache einfach, wenn man es tiefer beleuchte, gar keinen Sinn, denn dann gebe es keinen Kommunismus. Ich stehe auf und gehe in die Spenglerecke, um „Der Mensch und die Technik“ aufzuschlagen: „Und mit dem ganzen Mangel an Einbildungskraft, der den Materialismus aller Zivilisationen kennzeichnet, wird nun ein Bild der Zukunft entworfen, die ewige Seligkeit auf Erden… – in bedenklichem Widerspruch zum Begriff des Fortschrittes, der den Zustand ausschließt.“

Das sei das ewige Problem der Romantiker der Zukunft, wie ich sie schon in meinem Kommentar zu Spengler genannt hätte. Fortschritt und Heilszustand schlössen sich aus und seien dennoch die Grundvektoren dieses Denkens. Wegen dieser antiromantischen Haltung sei er ihm, Florian, auch gerade in den Sinn gekommen. Darin stimme er übrigens mit Simpson überein, der in der Romantik eine Unfähigkeit zum Formalen sähe – und selbst freilich Formfanatiker sei. Der emotionale Überschwang sei ihm suspekt. Ich sage, das wundere mich bei Simpson natürlich nicht. Vor allem aber scheine mir da ein gewisser Neid hindurch, den er nicht überwinden könne. Schließlich gebe es dieses witzige Zitat von ihm: Schöne Melodien könne er nicht schreiben. Das Formale, so hätten beide geglaubt, rette sie in die heile Zukunft.

Florian nimmt ein Büchlein in die Hand und meint, über die Feindschaft zur Romantik habe Hacks einen ganz schönen Aufsatz verfaßt: „Der Meineiddichter“. Florian liest einen ersten Abschnitt vor, der mir so gut gefällt, daß ich ihn bitte, fortzufahren. Nach Abschluß seiner Lesung, die mir zeigt, wie viel schneller ich arbeiten könnte, wenn ich nur halb so fehlerfrei läse, wie er, sage ich, daß ich ihm, Florian, völlig recht gäbe: Hacks sei ein hervorragender Ironiker, der auch zu wirklich nettem Sarkasmus neige, das sei herrlich unterhaltsam. Dennoch komme mir die ganze Kritik an der Romantik, die hier als Kritik an Friedrich Schlegel getarnt daherkomme, als eine einzige Farce vor.

Worüber er spreche, das sei gar nicht die Romantik. Und dieses Phänomen sei mir auch in der jüngsten akademischen Germanistik schon untergekommen. Zwar weise er anfangs darauf hin, daß er keinen Eichendorff und keinen Wagner meine, und sich auf die Romantiker der ersten Stunde beziehe, aber eben das sei ja das Problem.  Niemand, der ein Wort für die Romantik erhebe, stelle sich für Schlegel oder Fichte in die Schußlinie. Daß er diese Frühromantiker mit ihrem theoretischen Ansatz ohne dichterische Eigenleistung zur Kritik heranziehe, mache den ganzen Aufsatz zu einer einzigen Spiegelfechterei. Er setze sich einen lächerlichen Hut auf, ziehe Grimassen, sehe in den Spiegel und ziehe ob der absurden Figur den Degen. Das nehme sich reichlich komisch aus, sei aber im ganzen, d.h. inhaltlich und theoretisch nicht ernstzunehmen. Gerade die Frage nach Wagner und Eichendorff wäre viel interessanter ausgefallen und hätte ihn in arge Bedrängnis gebracht. So habe er es bei einigen witzigen Bemerkungen gegenüber Unbewaffneten belassen.

Florian schlägt zum Abschluß noch eine Kehrtwende zur Musik vor, der ich gern zustimmte und läßt mich mit einem Stück allein, das ich zu raten hatte. Mit dem Verklingen der letzten Note, sage ich: Zu allererst würde ich den Ursprung des Komponisten auf Bayern festlegen. Das stimme im Grunde, bestätigt Florian. Ich hätte das an der Zitter-artig eingesetzten Harfe festgemacht. Jedenfalls klinge diese Musik in jeder Note zutiefst deutsch. Und das fände ich ausgesprochen interessant, d.h. daß man derartiges überhaupt ausmachen könne.

Die Ruhe, die aus den ersten Sätzen gesprochen habe, die Gelassenheit im Tonsatz, sei durch und durch deutsch. Es habe keine Melancholie, keine Euphorie, keine Gehetztheit, keine Weinerlichkeit – und diese Abstraktion, dazu seien nur die Deutschen fähig (das erklärt im übrigen Hegels Haltung zur Musik und gar noch die Goethes). Die Russen seien zu verspielt, die Franzosen und Italiener zu heiter und echauffiert, die Skandinavier zu weinerlich oder angestrengt fröhlich, nur deutsche Musik sei so mittig, wie die hier gegebene.

Bei der Zeit sei ich völlig ratlos. Zum einen habe der Beginn ausgesprochen Klassisch geklungen, dann hätten sich die hellen Streicher am Schluß des dritten Satzes geradezu Lohengrin‘sch ausgenommen. Schließlich sei aber gelegentlich glattweg Barockes erklungen. Die Lohengrin-Allüren seien für mich ein terminus post quem. Allerdings sei es für das Spätromantische durchgängig zu simpel aufgemacht gewesen. Daher schätzte ich es nicht später als 1900. Florian löst auf, es handle sich um die Mozartiana, die 4. Orchestersuite Tschaikowskis, in welcher er praktisch ausschließlich Noten Mozarts neu instrumentiert habe.

Dann wundere mich, sage ich, nicht im geringsten, daß es mir so schwer gefallen sei, das zeitlich einzuordnen. Die Noten stammten also aus der Klassik, die Instrumentierung sei aber romantisch. Allerdings würden gerade die von mir erwähnten Zitter-artigen Harfen, wie Florian bemerkt, von Tschaikowski eingefügt worden sein, an denen ich gerade etwas Bayrisches hätte erkennen wollen. Gleichwohl stimme es, denn Salzburg gehöre ja im Grunde zu Bayern. Auch das Barocke komme nicht von ungefähr, da Mozart sich teils an Bach-Imitationen abgearbeitet habe. Auch sei der vierte Satz eine Variation auf ein Thema Glucks, also auch bedeutend älter als Mozart selbst. Es handle sich also um eine besonders schöne Verwicklung von Klassischem und Romantischem, wie wir es gerade diskutiert hätten. Florian fügt an, meine Einschätzung zum Deutschen dieser Musik unterstütze er insofern, als die ganze Klassik ja im Grunde ein rein süddeutscher Stil sei.

Ich sage, das sei ein wunderbarer Abschluß und Rausschmeißer gewesen, der mir auf den Präsentierteller gelegt habe, wie viel Romantisches ich schon in der Klassik vermutete – auch wenn es sich um neuinstrumentierte Klavierstücke gehandelt habe. Vielleicht müsse man überhaupt die Klassiker neuinsturmientiert hören, um die Qualität der Musik als in der Romantik erzogener Hörer ganz würdigen zu können. Ich hätte noch am Schluß unserer Bruckneriade vor einem halben Jahr auf dem Weimarer Marktplatz zu Kim gesagt, wir müßten das nächste musikalische Groß-Thema unserer Abendrunde schnell entscheiden, sonst komme Florian womöglich noch auch den Trichter, uns Haydn vorzusetzen (allg. Erheiterung). Heute sähe ich mich schon dabei, nach den Russen für die Klassik zu stimmen. Wobei mich Haydn als der alte Meister mehr interessiere als das Wunderkind. Florian stimmt mir zu, ihm sei das Verhältnis zwischen beiden auch immer als das zwischen dem Altvater und dem unreifen Jungspund vorgekommen, wohingegen die Musikwissenschaft es als ausgemacht ansehe, daß erst Mozart den Stil des späten Haydn zur echten Klassik weiterentwickelt habe.

Mit dieser heimlichen Abmachung verabschieden wir uns, ich ziehe Weste, Jackett, Stiefelschäfte und Mantel wieder an – eine Prozedur von epischer Sterbedauer – und verschwinde in die Weimarer Nacht.

Werbeanzeigen

8 Gedanken zu “Statt eines musikalischen Abends . 06 Okt 2016 . Teil 3 . Peter Hacks und die Romantik . Mozart und Tschaikowski

  1. Anonym

    Besten Dank für Dein schönes Protokoll. Einige kleinere Anmerkungen gestatte ich mir hinzuzufügen:

    Bei Hacksens Behauptung, Kommunismus sei, wenn Shakespeare verstanden würde, laß uns ein wenig verweilen, denn sie scheint mir sehr schön das Dilemma der Kommunisten zu verdeutlichen: Stellen wir uns vor, das Ziel ist erreicht und Alle verstehen Shakespeare (was auch immer das heißen mag). Nun nehme ich aber an, daß auch im Kommunismus weiterhin Kinder zur Welt kommen und die älteren Generationen den Weg alles Zeitlichen gehen. Der Mensch wird nicht mit dem Wissen um Shakespeare geboren, es muß ihm vermittelt werden. Jede neue Generation muß sich dieses Wissen selbst erwerben, und irgendwann wird diejenige Generation, welche es geschafft hat, Shakespeare zu verstehen, ausgestorben und ihre Nachkommen hinsichtlich dieses Wissenserwerbs auf sich selbst gestellt sein. Und werden die Nachkommen Shakespeare tatsächlich haargenauso verstehen wie ihre Vorfahren? Ich will nicht gegen Hacks polemisieren, der ein höchst ehrenwerter Mann war, von dem sich viel lernen lässt, doch meine ich, daß man, möchte man die Vision eines optimalen Zustands haben, mit seinem Vorbild Goethe besser bedient ist. Man nehme sich den letzten Akt des Faust II: Ein Deich soll ins Meer gebaut werden, der ein „paradiesisch Land“ umschließen soll – welches freilich aufgrund dieser Lage stetig der Gefahr der Zerstörung durch Wassereinbruch ausgesetzt ist. Die Menschen müssen wachsam sein und zusammenhalten, um ihr Paradies zu erhalten. Entspanntes Zurücklehnen verbietet sich. Das Paradies kann wohl noch durch weitere Polderarbeiten vergrößert werden, es kann sich aber auch durch Katastrophen verkleinern, der Optimalzustand selbst ist veränderlich. Ich möchte noch daran erinnern, daß Faust „im Vorgefühl des höchsten Augenblicks“ stirbt, er gelangt nicht zu seinem erträumten Optimalzustand. Hacks, wenn er vom Kommunismus sprach, meinte wohl im Grunde nichts anderes als Goethe hier – jedenfalls nehme ich dies an –, nur verhinderte seine Indoktrination, daß er es klar ausformulieren konnte:

    „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß.“

    Die kommunistische Ideologie leidet darunter, daß sie den Optimalzustand zum Endzustand macht und im Zeitlichen lokalisiert. Das Original (das Christentum) lässt den Optimalzustand immerhin am Ende der Zeiten, den Zeiten enthoben, eintreten. Bei Goethe (und Spengler) ist auch der Optimalzustand den Zeiten unterworfen.

    Noch ein paar Zitate aus Hacksens „Meineiddichter“:

    „Ich kenne das Wort Verachtung, ich ehre das Wort Untersuchung, und ich liebe das Wort Bessermachen“

    „Der Teufel neigt schon vermöge seiner Halbbildung zur Religiosität; hat er sich die Hörner abgelaufen, bleibt der Pfaffe übrig.“

    „Die Hasser aller Einrichtungen richten sich am behaglichsten im Saustall ein“

    „Über den Tod geht auf zweierlei Art zu denken. Man stirbt, sagen die einen, am Tag der Zeugung; denn der Beginn des Lebens ist zugleich der Beginn des Sterbens. Man stirbt, sagen die anderen, niemals; denn solange man stirbt, lebt man noch, und ist man tot, gibt es einen nicht mehr. Beide Ansichten der Sache sind, von innen her betrachtet, schlüssig. Von außen her indes gilt die zweite Ansicht als die alleinige. Die Menschheit findet unseren Tod sehr viel weniger aufregend als wir selbst; wer sich vom Standpunkt der Mitmenschen sehn kann, wird zum Unglauben an den Tod neigen.“

    Gefällt mir

  2. Anonym

    Um vom Antiromantiker der Literatur zum Antiromantiker der Musik zu kommen (der das letztere Zitat gewiß unterschrieben hätte), bedenke bitte, daß Simpsons Kommentar zur „schönen Melodie“ ironisch gefärbt ist. Die Situation, wie sie Macauley in seiner Biographie wiedergibt, war folgende:

    Die Mutter des Komponisten fragt ihren Sohn: „Bobby“, warum schreibst Du eigentlich keine schönen Melodien?“ Simpson antwortet: „Weil ich keine schönen Melodien in meinem Kopf habe.“ Nun, das ist einerseits ehrlich, da er tatsächlich das, was gewöhnlich unter einer schönen Melodie verstanden wird (etwas Lied-, oder Tanzhaftes), nicht im Kopf hatte. Einerseits merkt er damit an, daß er dergleichen auch nicht anstrebt. Was ihn interessiert, ist die destillierte Essenz der musikalischen Bewegung. In jeder pulsierend bewegten Musik, in jeder Musik mithin, in welcher harmonische und rhythmische Ereignisse miteinander über gleichmäßigem metrischen Grundnenner zusammenwirken, verbirgt sich Melodie. Melodie wiederum ist auf Linie gebrachte Vereinigung von Harmonie und Rhythmus. Wenn Wagner sagt, die einzige Form der Musik ist die Melodie, dann sagt Simpson, die einzige Form der Musik ist die Bewegung. Beide meinen dasselbe. Ich glaube nicht, daß Simpson auf irgendeinen Melodiker neidisch war, das hatte er nicht nötig.

    Gefällt mir

  3. Anonym

    Bezüglich der Spiegelfechterei gebe ich Dir insofern recht, als daß Simpson meist nur generalisierend von „Romantikern“ spricht, wenn er den Gegensatz zu seinen Idealvorstellungen beschreibt. Konkrete Komponisten greift er so gut wie nie an (jedenfalls in seinen Hauptschriften – dort steht bezeichnenderweise auch einmal „the Wagnerians“ statt „Wagner“, den er achtet, ohne ihn zu mögen).

    Weiterhin möchte ich noch anmerken, daß das Wörtchen „unreif“ vor „Jungspund“ eine Blüte ist, die nicht auf meinem Humus gewachsen. Ich gebe zu: Viele Werke Mozarts klingen in meinen Ohren „zwanzigjährig“, während ich Haydns Musik stets als „vierzigjährig“ empfand (das passt in der Tat zu dem Fakt, daß Haydn erst mit Mitte 30 seine volle Meisterschaft erreichte, während Mozart, der von Anfang an auf dessen Leistungen aufbauen konnte, in diesem Alter bereits starb). Doch von „Unreife“ kann man bei Mozart auch auf seine Jugendwerke bezogen nicht sprechen: Auch wenn er nach Vorbildern arbeitet, so erreicht bereits der Junge deren handwerkliche Qualität mühelos. Nicht alltägliche Einfälle kommen ebenfalls schon in dieser Schaffensphase vor. Die Musik mag jugendlich gestimmt sein, aber sie ist perfekt gemacht, auch formal tadellos.

    Zum „jugendlichen“ Charakter vieler Mozartscher Stücke trägt nicht wenig meines Erachtens bei, daß er die thematischen Einfälle regelrecht aus dem Ärmel zu schütteln scheint. Wenn er keine Lust hat, eines der bereits gebrachten Themen durchzuführen, lässt er sich ein neues einfallen oder arbeitet mit Motiven, die keinen deutlichen Bezug zum Früheren haben. Bei Haydn findet sich dergleichen schon im Frühwerk selten. Im Gegenteil neigt er zunehmend dazu, möglichst viel Musik eines Satzes aus einem einzigen Einfall zu gestalten. Er war der Sohn eines Wagners und schrieb Musikstücke, wie sein Vater Wagen baute. Irgendwann erlangte er den Meisterbrief. Robert Simpson brachte das Verhältnis Haydn-Mozart auf die Formel: „Haydn ist ein Arbeiter, Mozart ein Zauberer.“

    Beste Grüße
    Dein
    Musicus

    Gefällt mir

  4. Es ist richtig, ich allein habe es zu einem Eingeständnis uminterpretiert – Du weißt, wie oft ich mir diese Polemik erlaube. Aber der Witz liegt ja darin, daß mit dieser Abgrenzung der Melodie von jeder Ästhetik (denn offenbar gibt es also auch nicht-schöne, vielleicht unschöne Melodien), der Melodiebegriff romantischer Schule, wie auch Wagners, ad absurdum geführt wird. Denn Melodie hieß gerade: Schöne Melodie. Und diese Form der Melodie ist die einzige die Sinn macht. Denn was ist eine Melodie, in der bloß harmonische und rhythmische Ereignisse zusammenwirken? Jede Handwerklich gute Musik, jedes konsequent verarbeitete Motiv! Und ja, ich weiß, genau so siehst Du das. Ich denke aber wir sind uns einig, daß Wagner das keineswegs so gesehen hat. Ich, wie Du weißt, ebenfalls nicht.

    Gefällt mir

  5. Der unreife Jungspund ist keineswegs ein weißer Schimmel, wenn du das meinst. Jungspund verweist für mich auf einen besonders elanvollen, jugendlich gestimmten Menschen. Unreife hingegen deutet auf Ausfälligkeit. Daß Du es so nicht gemeint hast, will ich dir gern zugestehen, aber die „unreife“ Wortwahl Mozarts ist ja legendär. Und die jugendliche Stimmung seiner Werke ebenfalls – selbst im Requiem, über das ist mich ja besonders gern lustig mache.

    Auch deine Darstellung der Motivwahl und -verarbeitung beider zeigt zum einen die Altherren-Beständigkeit Haydns und das überschwenglich Austickende Mozarts besonders schön.

    Gefällt mir

  6. Ich entsinne mich nun wieder, wie Du die Frage der Erreichung des Endzustandes höchster Seligkeit kritisiert und Goethes Deichbau aus dem zweiten Faust hinzugezogen hattest. Du siehst, es tut not, mich zu korrigieren und komplettieren. Vielen Dank dafür.

    Nun wird man freilich sagen, die nächste Generation lernt schnell von der alten. Daher ging mir dieses Argument nicht ganz ein. Richtig bleibt freilich, daß dieses Verstehen selbst kein statischer Zustand ist und daher Wandlungen unterliegt, die vielleicht nicht den Verstehenszustand selbst verletzen, aber überhaupt die Idee von einem statischen Paradies. Insofern liegt auch hier der Hund im unzureichenden Begriff begraben, wie Du richtig ausgeführt hast.

    Ich möchte noch einen Gedanken aus jener Faust-Szene hinzufügen. Vergessen wir nämlich nicht die Zeilen:

    Solch ein Gewimmel möcht ich sehn,
    Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

    Das mag implizieren, daß der ewige Damm, das kommunistische Schwelgen im Paradiese eben das Gegenteil davon ist, nämlich Unfreiheit. Und auch ein paar Zeilen zuvor, dein „Nur der verdient sich Freiheit“ sagt es bereits.

    „Das Original“ – Was habe ich gelacht! Herrlich. Diese Analogie ist übrigens bereits von den Althistorikern des ausgehenden 19. Jahrhunderts breit diskutiert worden.

    Du hast wohl alle Zitate Hacksens, die mich lachen machten, zusammengetragen. Mir fällt in dem Zusammenhang aber noch ein Punkt ein, den wir diskutierten und den vor allem Du aufgeworfen hattest, nämlich wie sehr Hacks im Grunde ein Aristokrat im Paradiesesgarten des Kommunismus sei, den man eigentlich als den Bock alldort vermuten müßte. Das Zitat vom Bessermachen und vom Saustall weist darauf hin.

    Gefällt mir

  7. Anonym

    Mir scheint, Hacks wäre liebend gern der Hofdramatiker der DDR geworden, eine Art moderner Corneille oder Racine. Sein Unglück dürfte wohl gewesen sein, daß Walter Ulbricht dem Sonnenkönig nicht ähnlicher war.

    Gruß

    Florian

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.